Tourismuswelt

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Meteonews-CEO Peter Wick, hier in seinem Wetterstudio in Zürich-Oerlikon, sagt: «Das Wetter ist ein Chaos-System». Bild: TN

Wann können Reiseberater auf bessere Wetterdaten zugreifen?

Einen Blick auf das Ferienwetter der nächsten Wochen zu werfen, käme Reiseberatern und buchungswilligen Touristen sehr entgegen. Meteorologe Peter Wick sagt, wie weit Wetterprognosen künftig reichen könnten.

Herr Wick, die Schweiz erlebte 2018 einen Traumsommer – gibt es erste Anzeichen, wie das Wetter in diesem Sommer wird?

Peter Wick: Da müssen Sie den Muotathaler Wetterschmöcker fragen, der kann solche Fragen besser beantworten. Saisonale Vorhersagen machen wir nicht, das ist zu heikel. Die Unterlagen sind zu wenig ergiebig, um zum jetztigen Zeitpunkt schon den März oder April vorauszusagen. Was wir sagen können: es ist unwahrscheinlich, dass es gleich nochmals einen solchen Hitzesommer geben wird; das wäre katastrophal für die Vegetation und eine der grössten Touristenattraktionen der Schweiz, die Gletscher.

Wie schnell entwickelt sich die Meteorologie? Ist es denkbar, dass Reiseberater künftig vermehrt auf Langfrist-Prognosen Zugriff nehmen können, um den Kunden an ein sonniges Ziel zu schicken?

Wir können jetzt schon auf die nächste Woche hin einen zuverlässigen Trend herausgeben, wenn die verschiedenen, längerfristigen Modelle übereinstimmen. Mit jedem weiteren Messpunkt, der Daten liefert, wird das Ergebnis in der Summe besser. In den letzten 20 Jahren wurden die Prognosen für die kommenden 72 Stunden signifikant verbessert. Mit den weltweiten Investitionen in Messpunkte, Satelliten, Rechner und Modelle wird die Datengrundlage immer besser. Es wird Verbesserungen geben. In 10 Jahren können wir dann womöglich die kommenden 10 Tage sehr genau vorhersagen, in 20 Jahren vielleicht die folgenden 20 Tage.

Das wäre eine spannende Entwicklung für Touristiker.

Nicht nur, etwa auch Bauern wären sehr interessiert an längerfristigen Prognosen, auch viele andere Leute und Berufsgruppen. Aber vergessen wir nicht: das Wetter ist ein Chaos-System. Über 10 Tage hinaus Aussagen zu machen, ist derzeit sehr schwierig.

«Taifune und Hurrikans werden stärker»

Was sagen Sie zu den weltweiten Wetterphänomen? Was kommt da noch alles auf uns zu?

Die Klimaerwärmung kann man nicht wegdiskutieren, sie wird ihre Auswirkungen haben. Sieben der heissesten Sommer in der Schweiz hatten wir in den letzten zehn Jahren. Auch weltweit ist es rekordwarm. Die Energie muss sich aber entladen. Hitzewellen und Starkniederschlag gehören zu den Auswirkungen. Taifune und Hurrikans wird es nicht a priori häufiger geben, aber sie dürften in ihrer Ausprägung stärker werden.

Sie sind Golfer und Familienvater – welche Bedeutung hat das Wetter bei ihrer persönlichen Ferienwahl?

Per se nimmt das Wetter einen zentralen Punkt in meinem Leben ein, ich bin ein Wetterfreak, seit der Kindheit. Und jetzt arbeite ich in diesem Job, der mein Hobby ist. Doch ich plane meine Ferien nicht aufgrund des Wetters. In diesem Jahr werde ich im Frühling mit Kollegen auf Teneriffa golfen gehen. Da weiss ich im Voraus, dort ist es im Frühling wärmer als bei uns. Zudem planen wir vielleicht Malediven-Ferien im Herbst, da sind die Temperaturen auch absehbar.

(GWA)