Ferien in der Schweiz

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Die vier Incoming-Profis gaben während einer Zoom-Konferenz Einblick in die Herausforderungen während der Corona-Krise. v.l. Thomas Kleber (COO Sorell Hotels sowie Vorstandsmitglied ZFV-Unternehmungen), Oliver Grützner (Vizedirektor TCS, Leiter Tourismus und Freizeit), Daniel Luggen (Kurdirektor Zermatt Tourismus) und Marijana Jakic (Brand Manager St. Moritz, Engadin St. Moritz Tourismus).

«Wir haben unsere Partner motiviert, ihr Angebot so schnell wie möglich wieder hochzufahren»

Die vier Tourismusprofis Thomas Kleber, Oliver Grützner, Daniel Luggen und Marijana Jakic diskutierten in einer Zoom-Konferenz die Auswirkungen der Coronavirus-Krise – und sie warten mit guten Ideen für das bevorstehende Sommergeschäft auf.

An einer Zoom-Webkonferenz unterhielten sich Oliver Grützner, Vizedirektor TCS, Leiter Tourismus und Freizeit, Marijana Jakic, Brand Manager St. Moritz, Engadin St. Moritz Tourismus, Thomas Kleber, COO Sorell Hotels sowie Vorstandsmitglied ZFV-Unternehmungen und Daniel Luggen, Kurdirektor Zermatt Tourismus zur aktuellen Lage, die Zukunftsaussichten nach den Lockerungen vom 6. Juni und verschiedenen Projekten in der Pipeline.

Oliver Grützner beginnt das Gespräch mit einem Rückblick zu «Camping und Covid». «Wir waren nicht erfreut, dass uns der Bund Dekret geschlossen hat und haben versucht, uns politisch zu wehren», gibt er zu bedenken. Stand heute sei diesbezüglich aber noch keine Rückmeldung beim TCS eingetroffen und es bleibe unverständlich, dass die Campingplätze geschlossen werden mussten, obwohl die Unterschiede zu anderen Beherbergungsbetrieben nicht gross seien. Die letzten zehn Wochen waren ruhig und am vergangenen 6. Juni war es endlich soweit: Die Campingplätze durften wieder ihre Türen öffnen. Ein grosser Besucheransturm blieb jedoch Wetterbedingt aus. Als das Wetter an Ostern, Pfingsten und Auffahrt perfekt war, durften die Campingplätze nicht öffnen. Insgesamt beziffert Oliver Grützner den Corona-Umsatzausfall auf sechs Millionen Schweizer Franken. Dadurch mussten auch verschiedene Projekte auf Eis gelegt werden - unter anderem das Pop-Up Clamping Dorf in Laax.

So schwierig die vergangenen Wochen auch waren, steckt Grützner jetzt nicht den Kopf in den Sand: «Jetzt wollen wir nach vorne schauen.» Ein Blick auf die Online-Buchungszahlen von TCS zeigt, dass die Buchungen ab dem 27. Mai in die Höhe geschossen sind und Camping durchaus im Trend liege. Für das kommende Wochenende seinen ca. ein Drittel bis die Hälfte der Plätze bereits wieder voll. Für den Zeitraum von Juli bis Mitte August seien die Campingplätze ebenfalls schon fast voll ausgebucht - das stimmt positiv.

Neue Produkte im Engadin

«In St. Moritz sieht die Situation ähnlich aus, wie im Rest der Welt», startet Marijana Jakic, Brand Manager St. Moritz ihren Talk. Die Tourismusregion nutzte die vergangenen Wochen, um das Angebot in der Destination zu überdenken und an die neuen Wertvorstellungen, die durch das Coronavirus entstanden sind, anzupassen. «Wir fokussieren uns in diesem Sommer auf Schweizer Gäste», sagt Jakic und führt aus «wir gehen davon aus, dass wir 30 bis 40 Prozent weniger Logiernächte im Engadin und in St. Moritz verzeichnen werden.» Die neuen, improvisierten Angebote sollen Schweizerinnen und Schweizer ins Engadin locken. Ein Beispiel für diese neue Produkte ist ein Beach-Club, der im Sommer in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Infrastruktur auf die Beine gestellt wird. Ziel ist es, den Gästen das Summerfeeling zu vermitteln, auch wenn sie in diesem Jahr nicht nach Ibiza oder Mykonos reisen können.

Zermatt generiert pro Jahr rund 2,2 Millionen Übernachtungen und ist sehr international positioniert. Alleine eine Million davon wird im Sommer generiert. Rund 38 Prozent der Sommergäste sind Schweizerinnen und Schweizer, 25 Prozent kommen aus dem EU-Raum, 25 Prozent aus Asien und weitere zehn bis zwölf Prozent stammen aus den USA oder restlichen Ländern. «Sie sehen, Zermatt ist sehr international aufgestellt und das ist natürlich eine rechte Herausforderung für uns», erklärt Daniel Luggen. Man habe deshalb bereits kurz nach dem Lockdown Projekte lanciert, um die Destination nachhaltig und positiv in die Welt hinauszutragen, wie zum Beispiel die Beleuchtung des Matterhorns in verschiedenen Länderflaggen oder der Lancierung einer Gutschein-Aktion für die Stammgäste und Neukunden. Nun starte die dritte Phase des Restarts. «Wir haben unsere Partner motiviert, ihr Angebot so schnell wie möglich wieder hochzufahren.» Es sei extrem wichtig, dass man den Sommergästen nach dieser Zeit nun wieder die volle Angebotspalette bieten könne. Den Reisenden, welche nun die Destination besuchen, wolle man danke sagen. Am Bahnhof wurde eine Welcome-Village inklusive Bar installiert, in der die Touristen begrüsst werden.

Die positiven Seiten der Krise

«Die Auswirkungen der Coronavirus-Krise waren auch auf die ZFV-Unternehmen und Sorell Hotels einschneidend», gibt Thomas Kleber zu bedenken. Obwohl keine behördlichen Anordnungen zur Schliessung der Betriebe vorlag, wurde der Betrieb aufgrund fehlender Nachfrage eingestellt. Bis zum 7. Juni waren 17 der 18 Sorell-Hotels geschlossen und rund 75 Prozent der ZFV-Betriebe hatten ihre Arbeit eingestellt. In den restlichen 25 Prozent konnte man über die vergangenen Wochen Erfahrungen mit den Schutzkonzepten sammeln, die nicht ganz einfach umzusetzten seien.

In den kommenden Wochen fokussiere man sich darauf, die Hotels wieder aufzumachen. Trotz angekündigter Grenzöffnungen sei die Nachfrage aber noch immer tief. Seit den Lockerungsankündigungen Ende Mai bezüglich Veranstaltungen und Seminaren seien aber immerhin ein paar Nachfragen in diesem Bereich eingetroffen. «Schwierig für uns ist auch, dass es verschiedene Vorgaben bei der Umsetzungen der Schutzkonzepte gibt. So kann es sein, dass im Seminarraum der Abstand von zwei Metern eingehalten werden muss - die Gäste im Restaurant aber wiederum nebeneinander sitzen dürfen», gibt Kleber zu bedenken. Er sieht in der Krise aber auch Chancen: So übernachtete das Pfelgepersonal in den Häusern, man arbeitete mit Frauenhäusern zusammen und hat das Take-Away und Lieferangebot in den Gastro-Betrieben in den Fokus gerückt. In Zukunft wolle man Synergien noch stärker nutzen und auf die individuelle Positionierung der einzelnen Häuser achten und die Digitalisierung weiterentwickeln.

(NWI)