Ferien in der Schweiz

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Nach einem Gäste-Totalausfall im Frühling sollte das Schweizer Tourismusgeschäft wie hier auf der Rigi wieder deutlich anziehen. Bild: Swiss-Image / Venzin & Bühler

In der Ausflugsbranche kommt Hoffnung auf

Bis jetzt war 2020 ein Jahr zum Vergessen für Schweizer Feriendestinationen und Bergbahnen. Nun lichten sich die Wolken.

Für die Schweizer Ausflugsziele war der aktuelle Jahrgang bisher einer zum Vergessen. Die Einbrüche sind massiv und nicht mehr aufholbar. Destinationen, Bergbahnen, Übernachtungsbetriebe und Ausflugsziele, die noch 50 Prozent des Vorjahres erreichen könnnen, sind schon gut unterwegs.

Bei einem Video-Talk mit Medienschaffenden haben sich am Mittwochmorgen fünf Protagonisten zum aktuellen Challenge geäussert. Und neben den nüchternen Minuszahlen, die sie für das bisherige Jahr präsentieren, war auch einiger Optimismus auszumachen, dass aus diesem Jahr doch noch was wird. Die Gemüter dürften sich dann gestern Nachmittag weiter aufgehellt haben, als bekannt wurde, dass die Grenzen am 15. Juni insbesondere zu Deutschland, dem so wichtigen Markt für den Schweizer Tourismus, wieder aufgehen.

Der Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus, Andres Lietha, sagt: «In der Regel rechnen wir mit 800'000 Übernachtungen im Jahr. Davon sind alleine im März und April aber schon 40'000 Übernachtungen weggebrochen.» Dadurch seien 7 Millionen Franken Umsatz verloren gegangen. Mit den für Engelberg so wichtigen Asiaten kann Lietha vorerst nicht rechnen, die Rückkehr dürfte sich bis eineinhalb Jahr hinziehen, befürchtet er und Engelberg setzt nun verstärkt auch auf Schweizer Gäste.

«Wir sind im Auge des Sturms», sagt Frédéric Füssenich, CEO der Rigi Bahnen. Durch das Ausbleiben der internationalen Gäste wegen der Reisebeschränkungen würden schon 11 Millionen Franken Umsatz fehlen. Hinzu komme, dass über drei Monate kein touristischer Betrieb möglich sei. 2020 werde ein Jahr zum Vergessen, erklärte Füssenich. Die Rigi Bahnen stünden vor einer der grössten Herausforderungen ihrer 150-jährigen Geschichte. Derzeit geht er davon aus, dass der Bundesrat eine Öffnung am 8. Juni gutheissen werde.

Anziehender Binnentourismus

Jan Steiner, Brand Manager Engadin, hofft nun mit zusätzlichen Schweizer Gästen wie auch Gästen aus Deutschland das Jahr noch retten zu können. «Wir möchten das Wasser unseren Schweizer Gästen näherbringen, vor allem auch denen, die nicht ans Meer können. Mit unserer einmaligen Seenlandschaft haben wir viel zu bieten im Bereich Wassersport, etwa Segeln, Surfen, Kiten oder SUP – Standup Paddling. Badeferien-Gäste sind bei uns willkommen!»

Die Schweizer Jugendherbergen (SJH) melden für Mai und Juni noch ein tiefes Buchungsaufkommen. «Ab Juli zeichnet sich eine langsame Erholung ab», sagt CEO Janine Bunte. Jedoch träfen aufgrund anhaltender Reiserestriktionen und der Absage von Grossanlässen und Schullagern noch immer Stornierungen ein. Die SJH rechnen darum diesen Sommer mit einem Logiernächte- und Umsatzrückgang von 30%.

Beim Ausblick auf den kommenden Sommer erwarten die Mitglieder der IG Parahotellerie, der Janine Bunte vorsteht, einen anziehenden Binnentourismus, der den Wegfall internationaler Gäste nicht kompensieren, aber zumindest etwas abfedern kann. So konnte etwa Interhome in den ersten zwei Wochen nach Bekanntgabe des schrittweisen Ausstiegs aus dem Lockdown einen deutlichen Anstieg an Buchungen für die Monate Juli und August verzeichnen (rund 800 Buchungen innert zwei Wochen). Und man rechnet mit einer weiteren grossen Aufwärtstendenz.

Für Janine Bunte zeigen die Zahlen, Tendenzen und Einschätzungen aus den eigenen Reihen vor allem eines: «Wir liegen mit unseren Angeboten trotz allem nahe bei den Bedürfnissen des Marktes und werden gerade in diesem Jahr unseren wichtigen Beitrag zu einer hoffentlich baldigen Erholung im Schweizer Tourismus beitragen.»

(GWA)