Nachhaltigkeit

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Die Gelder für kompensierte CO2-Emissionen setzt myclimate etwa für neue Kocher in Kenia ein. Bilder: HO

«Es wäre noch mehr Klimaschutz möglich»

Die Schweizer Klimaschutzstiftung myclimate ist auf neuerlichem Rekordkurs. 2016 haben Unternehmen und Privatpersonen 725'000 Tonnen CO2 mit myclimate-Klimaschutzprojekten kompensiert – die Gelder fliessen etwa in effiziente Kocher in Kenia oder Peru.

2016 flossen soviele Mittel wie noch nie in die Schweizer Klimastiftung myclimate und im laufenden Jahr hält der Trend an. Voraussichtlich wird die im letzten Jahr kompensierte Menge an CO2 von 725'000 Tonnen übertroffen.

Einzig 2015 gab es einen Rückgang in der 15-jährigen Geschichte von myclimate. Was war da der Grund? «Unsere Vermutung ist, dass die wirtschaftliche Unsicherheit und die Frankenstärke die Unternehmen rückwirkend eingeholt hat und Klimaschutzprojekte erstmal hinten angestellt wurden» sagt Kai Landwehr, Mediensprecher von myclimate. Bei Privatpersonen sei es 2015 zu keinen Rückgängen gekommen.

Dass die Kompensation von CO2-Emissionen bei Reisenden zunehmend beliebt ist, zeigen auch Zahlen von Hotelplan Suisse. 2016 kompensierten Hotelplan-Suisse-Kunden insgesamt 13'024 Tonnen CO2. Dies sind 1888 Tonnen mehr als 2015 und entspricht einer Steigerung von 17 Prozent.

«Die Zukunft kommt sowieso. Wie sie aussehen wird, liegt an uns»

René Estermann, der Geschäftsführer von myclimate, zeigt sich zufrieden über den jüngsten Zuwachs, sagt aber: «Obwohl die Freude überwiegt, bleibt mit Blick auf die Leistungsfähigkeit unserer laufenden und der vielen sich in der Warteschlange befindlichen Projekte ein bitterer Beigeschmack. Wir könnten sehr schnell ein Vielfaches an Klimaschutz in unseren Projekten realisieren. Es ist Zeit für einen breiter verankerten, verbindlichen Preis auf CO2-Emissionen.»

Insgesamt sind seit 2002 in den myclimate Projekten mehr als fünf Millionen Tonnen CO2 eingespart worden. Bis zum Ende des Jahres werden die sechs Millionen Tonnen deutlich überschritten. Auch die Erträge im Bereich der Klimabildung sind 2016 signifikant gestiegen.

Zum laufenden Jahr sagt René Estermann: «2017 wird wiederum ein wichtiges Jahr für den Klimaschutz. Jetzt heisst es, in allen Bereichen zu handeln und nicht zu zögern, getreu unseres aktuellen Kampagnenclaims <Die Zukunft kommt sowieso! Wie sie aussehen wird, liegt an uns>».

«Effiziente Kocher benötigen nur halb so viel Holz»

Die von myclimate unterstützten Klimaschutz-Projekte sind zahlreich. Die Liste reicht von Solarenergie-Anlagen in Tansania, über Wiederaufforstungen in Nicaragua bis Biogasanlagen in Indien. Ein ebenfalls sehr wichtiges Projekt ist die Unterstützung der Landbevölkerung mit effizienten Kochern. travelnews.ch hat sich bei myclimate-Expertin Angela Zimmermann dieses Beispiel näher erläutern lassen.

Frau Zimmermann, welche Problematik liegt vor bei den Kochstellen in vielen Ländern?

Angela Zimmermann: Die traditionellen offenen 3-Steine-Feuerstellen, die in vielen Ländern noch vorherrschen, sind schädlich für Mensch und Umwelt. Sie sind extrem ineffizient  und es wird mehr Holz gebraucht als nötig, also mehr abgeholzt. Die Menschen, vor allem Frauen, Mädchen und kleine Kinder, leiden oft an Atemwegserkrankungen, da sie stundenlang dem Russ in fensterlosen Küchen ausgesetzt sind, und müssen oft stundenlang Feuerholz suchen oder einen Teil ihres Haushaltsbudgets für das Kaufen von Feuerholz ausgeben.

Mit welchen Massnahmen und technischen Möglichkeiten können umweltfreundlichere Kochstellen eingerichtet werden?

Effiziente Kocher benötigen im Durchschnitt nur halb so viel Holz, es wird also weniger abgeholzt und die Menschen müssen weniger Zeit und Geld aufwenden für das Besorgen des Feuerholzes. Der Verbrennungsprozess ist zudem effizienter, das heisst es entsteht weniger Russ, was die Gesundheit der Menschen schont. Zudem müssen die Frauen viel weniger oft Feuerholz nachlegen, was ihnen andere Arbeiten ermöglicht. Ein Kocher in unserem Kocherprojekt in Kenia zum Beispiel spart 2,2 Tonnen CO2 pro Jahr ein und 1,4 Tonnen Feuerholz. Viele weitere Informationen und Bilder zu diesem Projekt finden sich unter diesem Link.

In welchen Ländern hat myclimate bisher Gelder für neue Kochstellen eingesetzt?

In Kenia, Madagaskar, Bolivien, Peru, Eritrea, China, Malawi und Kambodscha. In all diesen myclimate Projekten wurden 520'000 Kocher installiert seit 2002, über 3000 Arbeitsstellen geschaffen und über zweieinhalb Millionen Menschen profitieren von den efiizienten Kochern.

Kann man einen einzelnen Kocher preislich runterbrechen und ins Verhältnis mit einem CO2-kompensierten Flug setzen?

Für 90 Franken kann man einer Familie in Kenia einen effizienten Kocher finanzieren, Details dazu hier. Das entsprich in etwa den kompensierten CO2-Emissionen eines  Fluges Zürich-Bangkok-Zürich.

Mit rund 90 Franken können herkömmliche Feuerstellen mit effizienten Kochstellen ersetzt werden.

(GWA)