Nachhaltigkeit

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Die Pacuare Lodge in Costa Rica gilt als eines der Vorzeigeobjekte in Sachen nachhaltiger Tourismus. Bild: HO

«Konsumenten achten beim Reisen vermehrt auf die ökologischen Auswirkungen»

Wie halten es die Schweizer Reiseveranstalter mit der Ökologie? Mit gemeinnützigen Programmen? Welche Angebote sind nachhaltig? Heute: DER Touristik Suisse.

Marcel Schlatter, Mediensprecher von DER Touristik Suisse.

Herr Schlatter, welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit für DER Touristik Suisse? Wer betreut das Thema?

Marcel Schlatter: Nachhaltigkeit spielt bei uns eine wichtige Rolle. Wir haben bei DER Touristik Suisse inklusive Premium Specialists 1,4 FTE (Full Time Equivalent) dazu eingesetzt, 0,5 FTE alleine bei Kontiki. Das sind mehr als bei allen anderen Veranstaltern in der Schweiz.  Betreut wird unsere Corporate Social Responsibility von Matthias Leisinger, der jahrelang für die CR-Strategie der Kuoni Gruppe zuständig war.

Auf welche Aspekte der Nachhaltigkeit legen Sie bei DER Touristik Suisse wert?

Unsere Strategie fokussiert auf die Themen Sicherstellung von Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette, Menschenrechte inklusive Kinderschutz, Produktentwicklung und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Für alle diese Bereiche haben wir konkrete Massnahmen und Ziele definiert. Kuoni war Gründungsmitglied des Roundtable Menschenrechte und Tourismus und ist noch immer Vorstandsmitglied dieser Brancheninitative. Darüber hinaus übernehmen wir Standards unseres Mutterhauses, wie beispielsweise der Kriterienkatalog zum Tierschutz – dazu gehört die Entfernung aller Angebote mit direktem Kontakt zu Wildtieren bis 2020. Bei allen Spezialisten streben wir die TourCert-Zertifzierung an, um das Thema in Zukunft noch stärker im Unternehmen zu verankern und Verantwortlichkeiten zu definieren. Somit kann das Thema Nachhaltigkeit mehr in die Unternehmensprozesse integriert werden.

Welche Ferienarten oder Unterkünfte im Angebot von DER Touristik Suisse sind besonders nachhaltig?

Beispielsweise die Soneva Hotels auf den Malediven zeichnen sich durch ein umfassendes Engagement aus. Costa Rica ist ein Pionierland für nachhaltige Tourismuswirtschaft. Zahlreiche Hotels, lokalen Agenturen und touristische Attraktionen verfügen über Nachhaltigkeitszertifikate, die regelmässig überprüft werden. Dorado Latin Tours arbeitet prioritär mit Hotels zusammen, die bei diesem Programm mitmachen. Die Pacuare Lodge beispielsweise betreibt und unterstützt zahlreiche ökologische und gemeinnützige Programme, wie die Wiedereinführung einheimischer Tiere im Wald sowie umfassende Recyclingprogramme. Bei der Selva Bananito Lodge fliessen 10% des Ertrags in die Unterstützung von Naturschutz- und Bildungsprogramme. Auf dem Gelände gibt es keinen Strom, das Nachtessen wird bei Kerzenlicht eingenommen.

Auch bei den Six Senses Resorts in Thailand und Vietnam wie auch bei den CGH Earth Resorts in Südindien ist Nachhaltigkeit ein Schwerpunkt. Bei asia365 haben wir viele Rundreiseprodukte, die nicht nur bei der Auswahl der Unterkünfte auf die Nachhaltigkeit achten, sondern auch ganz gezielt Aktivitäten und Unternehmungen auf Grund ihrer sozialen Verträglichkeit aussuchen. Spezielle Orte, die in vielen Rundreiseprodukten zu finden sind, sind zum Beispiel 4-Rivers-Floating Lodge und Smiling Gecko Farm in Cambodia, Elephant Hills im Khao Sok Nationalpark wie auch Lahu- und Lisu-Lodges sowie die Lanna Farm in Thailand oder das Belum Rainforest Resort in Malaysia.

«Wir müssen ehrlich sein: Tourismus ist grundsätzlich nicht sehr nachhaltig.»

Welche Projekte und Organisationen unterstützen Sie?

Wir arbeiten mit einer Vielzahl von Organisationen zusammen. Die Spezialisten wie Manta beispielsweise mit Oceancare im Bereich Meeresschutz, Private Safaris unterstützt ein Projekt zum Schutze der Nashörner und asia365 hat eine enge Kooperation mit dem Sozialprojekt Smiling Gecko. In der Schweiz unterstützen wir die Winterhilfe, um die Armut im Inland zu lindern und bedürftige Familie zu unterstützten. Als 111-jähriges, Schweizer Unternehmen ist uns das Engagement in der Heimat ein wichtiges Anliegen. Gleichzeitig werden wir in Zukunft mit der fly&help-Stiftung zusammenarbeiten, um Kindern in aller Welt Zugang zu Bildung zu vermitteln. Ein erstes Projekt lancieren wir im kommenden Jahr in Asien. Ebenfalls arbeiten wir mit myclimate, ECPAT Schweiz sowie mit dem Arbeitskreis für Tourismus und Entwicklung zusammen.

Wie beurteilen Sie das Thema Nachhaltigkeit aus Sales-Sicht? Kann man mit nachhaltigen Reisen beim Kunden punkten?

Wir müssen ehrlich sein: Tourismus – egal ob pauschal oder individuell – ist grundsätzlich nicht sehr nachhaltig. Er verursacht Abgase, produziert Abfall, verbraucht Ressourcen und beansprucht Platz. Es ist aber in der Tat so, dass Konsumenten vermehrt auch beim Reisen auf die ökologischen und sozialen Auswirkungen achten. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen ist allgemein und auch im Tourismus gestiegen. Ein Trend zu näheren Reisezielen – um den persönlichen ökologischen Fussabdruck zu verringern – können wir gleichzeitig aber nicht feststellen. Gewählt werden eher Hotels und Regionen mit einem höheren Ökostandard. Kunden erwarten von einem Unternehmen, dass es sicherstellt, dass faire Löhne bezahlt werden, die Arbeitsbedingungen gut sind und Umweltschäden reduziert werden. Ein Unternehmen muss seine Verantwortung wahrnehmen, um sich zu differenzieren. Reisende wollen eine möglichst unverfälschte Verbindung zur Destination aufbauen – sei es mit der Geschichte, den Leuten oder der Kultur einer Region. Dies ergänzt sich nicht immer mit der Nachhaltigkeit. Um den Problemen, die der Tourismus zugegebenermassen verursacht, entgegenzutreten, fokussieren wir uns zusammen mit unserem Mutterhaus auf die Unterstützung verschiedener wohltätiger Projekte.

(TN)