Meetings & Konferenzen

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Frank Marreau (MCI Zürich), Maria Mailänder (Conference Services) und Malte Budde (Hyatt Schweiz) haben mit einem sich verändernden Marktumfeld zu kämpfen. Bilder: HO

«Unsere internationalen Kunden sind nervös und verunsichert»

Von Daniel Tschudy

Wie gut läuft das MICE-Geschäft 2017? Drei Exponenten geben Auskunft.

Wenn man sich über den Buchungsstand 2017 erkundigt, denkt man ungewollt an die politischen Verhältnisse in den USA und was diese für das lokale MICE-Geschäft bedeuten könnte. Malte Budde, Marketingchef Hyatt Schweiz, stellt dann auch klar: «Unsere internationalen Kunden sind nervös und verunsichert und einige Veranstaltungen wurden bereits aufgeschoben. Gleichzeitig nehmen Buchungen, auch kurzfristig, von Firmenevents zu, welche strategische Fragen oder ‚Global Outlook‘ als Thema führen. Wir rechnen erst in der zweiten Jahreshälfte wieder mit Wachstum.»

Der Geschäftsführer von MCI Zürich, Frank Marreau, sieht das etwas positiver, aber seine Kundschaft kommt auch mehrheitlich aus der Schweiz. «Firmen-Events nehmen weiterhin zu und zwar über alle Industriezweige hinweg. Die Unternehmen wollen Marken, Produkte und Menschen, sprich Kunden, zusammenbringen und suchen deshalb Veranstaltungen mit persönlichen Touch und starken Networking-Plattformen. Klassische Vortragsseminare weichen immer häufiger interaktiven Events.»

Maria Mailänder ist seit 15 Jahren in der Locationvermittlung tätig und gründete 2009 die Conference Services. Für sie bleibt der Status Quo zwar unverändert, aber sie erkennt, dass die Zeit eine immer wesentlichere Rolle spielt. Lange Anfahrtswege können ein Tagungshotel auf dem Land schnell aus dem Rennen bringen – und zudem nehmen ganz grundsätzlich Tages-Veranstaltungen (statt mehrtägige) zu. «Unternehmen achten auch vermehrt darauf, Meetings in den eigenen Räumen durchzuführen. Viele haben ihre eigenen Sitzungsräume renoviert und in die technische Infrastruktur investiert; und das gilt es nun zu nutzen.»

Persönliche Betreuung

Alle drei sind sich einig, dass die persönliche Betreuung des Kunden schon in der Ausschreibung und während den Akquise-Gesprächen zentral ist. Fertig-Pauschalen und digitalisierte Tagungsangebote dienen nicht mehr. Zur individuellen Beratung gehört beispielsweise auch die Wahl des anzubietenden Event-Datums, um möglicherweise günstigere Termine (Yielding) präsentieren zu können.

Maria Mailänder spricht hier natürlich auch die immer strikteren Einkaufs- und Compliance-Regelungen der Grossfirmen an und wie sehr Fachwissen und Flexibilität gefragt sind, um da nicht nur schnell, sondern auch breit abgestützt genug anbieten zu können. Diese Konstellation führt dazu, dass beispielsweise das Park Hyatt kaum mehr alleine anbieten kann, sondern immer im Wettbewerb mit mindestens drei Konkurrenten. «Und dann werden uns noch die AGBs der Firmen vorgelegt, diese müssen wir auch respektieren, und immer häufiger sogar Geheimhaltungsklauseln», sagt Budde.

Für MCI Zürich sind die derzeitigen Herausforderungen etwas anders gelagert und Marreau erklärt dies wie folgt: «Immer häufiger werden wir nach ganzheitlichen Kampagnenkonzepten gefragt, die alle Aspekte der Kommunikation einbeziehen (online, offline, social media, Live-Teilnehmer) und für solche Angebote müssen wir dann gleich auch noch einen sauberen ROI (return-on-investment) aufweisen».

Mit den ÖV zum Tagungsort

In der Krise spielen die Trends etwas weniger, da man kurzfristig und zu Hause tagt. Maria Mailänder erkennt trotzdem, dass bei Firmenveranstaltungen die interne Hierarchie weniger stark eingesetzt wird und sich Mitarbeiter und Management besser als früher austauschen. Und beim Thema Anfahrtswege stellt sie zudem fest, dass Angestellte immer häufiger gebeten werden, mit dem ÖV zum Tagungsort zu reisen.

Wie Mailänder sieht Frank Marreau bei den Locations eine weitere Tendenz: «Firmen wünschen immer mehr leere, sprich nackte, und damit flexible Tagungsorte, sodass diese möglichst individuell eingerichtet und dekoriert werden können.» Und Malte Budde bestätigt zudem, dass gesunde Verpflegung relevant geworden ist und Alkohol immer häufiger sogar im Angebot fehlt.