Jobtausch SWISS/SBB

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Zugbegleiterin Rajmonda Samuels (l.) hat in ihrer früheren Tätigkeit bei Elvetino mal Passagiere bedient - auf dem Flug nach Malaga kann sie Maître de Cabine Veronique Batz etwas zur Hand gehen. Alle Bilder: TN

«New York war quasi mein zweites Zuhause»

Maître de Cabine Veronique Batz ist durch ihren Job schon viel in der Welt herumgekommen. Zugbegleiterin Rajmonda schnuppert im Rahmen des «Jobtausch SWISS/SBB», bei dem sie mit auf einem Flug nach Spanien ist, etwas an diesem besonderen und oft anspruchsvollen Job.

Der Flug nach Malaga geht erst am späten Morgen los: Zugbegleiterin Rajmonda kann bequem - natürlich mit dem Zug - an den Bahnhof Zürich-Flughafen anreisen, von wo aus sie zum Operation Center (OPC) geführt wird. Es steht der Tag im Flugzeug an, worauf sie sich sehr freut.

Im OPC kommt es zum Wiedersehen mit Maître de Cabine Veronique. Während die Piloten mitsamt Lokführer Hans-Jörg ins Pilotenbriefing gehen, begleitet Rajmonda ihr Gegenüber zum Crew-Briefing, in einem Sitzungsraum im Parterre des OPC. Dort warten bereits vier weitere Crew-Mitglieder - die heutige Kabinenbesatzung im Airbus A320 umfasst nebst den beiden Piloten fünf Flight Attendants. Rajmonda wird kurz vorgestellt, dann geht es los: Veronique führt das Team durch Sicherheitsprozeduren, Bedienungs-Abläufe und die Einteilung jedes einzelnen. Die Maschine ist auf dem Hinflug nach Malaga komplett ausgebucht; es wartet also viel Beschäftigung auf das Team aus vier Frauen und einem Herrn, sowie Rajmonda.

Veronique (l.) und Rajmonda (2.v.l.) sowie andere Mitglieder der Cabin Crew beim Briefing vor dem Flug.

Nach rund 10 Minuten stossen Captain Philipp mitsamt Lokführer Hans-Jörg und Co-Pilot Patrick zum Crew-Briefing. Nebst einer kleinen Basis-Info von Seiten Philipps geht es hier darum, dass sich Crew und Piloten kennen lernen und kurz austauschen. Heute dauert dies infolge der besonderen Umstände mit dem Jobtausch ganz wenig länger, doch geht es dann für alle (ausser den Begleitpersonen, darunter dem Autor) zur eigenen Crew-Sicherheitskontrolle und anschliessend pünktlich und per Shuttle-Bus zum Flugzeug.

Viele Passagiere, knappe Zeit

Kurz darauf, beim Flugzeug, kommt etwas Hektik auf, da die aus Brüssel ankommende Maschine Verspätung hat. Dadurch wird der ganze Ablauf mit den Vorbereitungen erst recht zeitkritisch, will man doch im Interesse der Passagiere verlorene Zeit gut machen. Maître de Cabine Veronique ist pausenlos am Telefon, um letzte Angelegenheiten rund um den Flug zu klären. Irgendwann ist alles kontrolliert, die Kabine für den Start vorbereitet und das Catering verstaut, so dass das Boarding losgehen kann – mitsamt Rajmonda, welche sich trotz unterschiedlicher Uniform fast nahtlos einfügt und die Passagiere ebenfalls freundlich lächelnd an Bord empfängt.

Auch das gehört zum Job der Flight Attendants: Verabschiedung der Passagiere nach erfolgter Landung.

Einige Minuten nach dem Start geht es dann richtig los: Sobald Captain Philipp «Cabin Crew released» über die Lautsprecher verkündet hat, herrscht Betriebsamkeit bei der Cabin Crew. Maître de Cabine Veronique ist bei der Business Class eingeteilt. Schon bald ist sie mit ihrem Team - und auch mit tatkräftiger Unterstützung von Rajmonda - mit Volldampf daran, die vielen Gäste zu bedienen. Auf dem zweistündigen Hinflug läuft so viel, dass keine Zeit bleibt, sich kurz mit Veronique oder Rajmonda zu unterhalten. Da wird einem beim Zusehen klar, wie anstrengend so ein Flight-Attendant-Job sein kann...

Flight Attendant, Maître de Cabine oder FCG?

Erst nach dem Turnaround in Malaga hat Veronique Zeit für eine kleine Verschnaufpause mit ad-hoc-Interview. «Ich bin schon von klein auf sehr gerne geflogen und wuchs in einer ‚Flugfanatiker-Familie‘ auf», erzählt sie, «ich habe stets die Arbeit der Flight Attendants bewundert. Zunächst aber habe ich eine kaufmännische Ausbildung mit Berufsmatur gemacht und dann einen üblichen Bürojob erledigt und immer sehnsüchtig in den Himmel geschaut. Irgendwann entschied ich mich dann für eine Ausbildung zum Flight Attendant.»

Diese Ausbildung habe vier Wochen gedauert und fand beim Flughafen Zürich statt. Veronique erhielt zunächst Safety- und Service-Trainings und anschliessend eine Praxisausbildung im Flugzeug. Nach zwei Monaten konnte sie bereits selbständig als Flight Attendant unterwegs sein. Für den Rang eines Maître de Cabine – jeweils separat für Europa- oder Interkontinentalstrecken – musste sie sich dann bewerben, was erst nach minimal einem Jahr Arbeitserfahrung möglich war. Ein anderer Karriereschritt wäre ihr zufolge auch «FCG», also «First Class Galley» gewesen, d.h. Flight Attendant, welche im Rahmen eines separaten Selektionsverfahrens nach Bestehen fix der First Class zugeteilt ist.

Doch sie entschied sich dafür, Maître de Cabine auf Europaflügen zu sein. «Man ist auf maximal drei unterschiedlichen Flugzeugtypen einsetzbar», ergänzt sie, «und da ich Maître de Cabine auf Europaflügen bin, decke ich die Europaflotte ab und habe noch einen Langstreckentyp, womit ich auch auf Langstrecken einsetzbar bin. Bei den Piloten ist das anders, sie fliegen entweder Kurz- oder Langstrecken.»

Der Arbeitstag kann lang sein

Der Arbeitsaufwand sei ziemlich unterschiedlich. An einem «Europatag» könne man auf bis zu vier Flügen sein, und somit bis zu rund 800 Personen betreuen – natürlich im Team, nicht allein. Auf Langstreckenflügen können es über 300 sein. Am heutigen Tag, im rappelvollen A320, habe es auf dem Hinflug viel Arbeit gegeben, auf dem Rückflug auch noch, doch sei die Auslastung etwas tiefer gewesen.

«Unsere Tätigkeit beschränkt sich natürlich nicht aufs Bedienen der Passagiere», führt Veronique aus, «der Arbeitstag beginnt eigentlich schon zuhause, wo man sich mental vorbereitet und Safety-Abläufe in den Manuals nochmals durchgeht. Dann lernt man sich eine Stunde vor dem Flug im Briefing kennen. An Bord wird das Equipment überprüft, man bereitet das Flugzeug vor und checkt das Catering. Der Arbeitstag kann lang sein, bis zu elf Stunden. Es gibt Vorschriften bezüglich der maximalen Flugzeit. Kompensieren kann man, indem man Freitage ‚erfliegt‘. Man kann nicht frei erhalten, ohne geflogen zu sein. Bei jedem Flug wird einem aber ein ‚Freitagwert‘ angerechnet, wonach man ab gewissen Quoten dann freie Tage erhält.»

Herausfordernd werde es, wenn man zum Beispiel einen medizinischen Notfall an Bord hat oder jemand renitent wird, was glücklicherweise sehr selten der Fall sei. Die Flight Attendant besuchen alljährlich ein obligatorisches Training, um ihre Fluglizenz zu erneuern; dort ist auch eine medizinische Grundausbildung vorgesehen. «Wir können erste Hilfe leisten und haben Ausrüstung wie etwa Defibrillatoren dabei, rufen aber bei komplizierteren Angelegenheiten natürlich einen Arzt aus; wir dürfen beispielsweise keine Spritzen setzen», sagt Veronique.

Kein Tag wie der andere

Was ihr am Job gefällt? «Bei uns ist kein Tag wie der andere, man arbeitet stets in neu zusammengesetzten Teams, das macht den Job spannend und es kommt nie Routine auf. Und man kann die Welt entdecken – insbesondere bei Flügen, wo es dann Übernachtungen gibt. In Europa hat man meist eine Nacht, auf Langstrecken eine oder zwei Nächte. Die freie Zeit bis zum Rückflug ist dann wirklich Freizeit, wo man machen kann, was man will – nun ja, fast alles, der Alkoholkonsum ist selbstverständlich genau geregelt.»

An welcher Destination war Veronique bislang am häufigsten? «Ich war jetzt schon unzählige Male in New York», sagt sie schmunzelnd, «das ist meine Lieblingsdestination und ich habe stets als Wunsch eingegeben, dorthin zu fliegen, und kam im Laufe meiner bisher elfjährigen Karriere bei Swiss oft auf dieser Strecke zum Zug. Allerdings waren viele dieser Flüge auch privater Natur. Es kam schon vor, dass ich morgens aus New York kommend in Zürich landete und am Mittag privat gleich wieder nach New York abhob. New York war quasi mein zweites Zuhause.»

Viele Parallelen zum Zugbegleiterjob

Rajmonda hat derweilen ihren temporären Arbeitsplatz auf 10‘000 Metern Höhe genossen. «Es gibt viele Parallelen zu meinem Job», urteilt sie, «wir haben den ganzen Tag mit Reisenden zu tun, mit deren Bedürfnissen und Wünschen – allerdings gibt es bei mir keine Bedienung. Ich habe mich dennoch gleich wohl gefühlt. Aber die Platzverhältnisse sind schon ganz anders. Es gibt auch bei sicherheitstechnischen Aspekten grosse Unterschiede, wobei ich ja heute nur einen ganz kleinen Einblick erhalten konnte.»

Natürlich sei es auch ein grosser Unterschied hinsichtlich des Teams. «Wir sind im Zug meist zu zweit, hier operiert ein ganzes Team zusammen. Und die hatten auch alle Hände voll zu tun, der Flug war ausgebucht. Dies kennen wir auch, vor allem in den Stosszeiten, wenn die Züge knallvoll sind. Das ist jeweils schon eine grosse Herausforderung.»

Rajmonda glaubt, dass man in beiden Jobs viel Flexibilität und Belastbarkeit mitbringen muss, sowie auch gute Menschenkenntnisse. Sie habe gestaunt, wie gut das Team die ganze Hektik weggesteckt habe, zumal ja noch das Flugzeug leicht verspätet war. «Ich könnte mir gut vorstellen, als Flight Attendant zu arbeiten, bin aber derzeit sehr zufrieden in meinem aktuellen Job als Zugbegleiterin», schliesst sie.

Kurz darauf landet Philipp die Maschine sicher wieder in Zürich. Hier endet der Jobtausch, aber nicht der Arbeitstag der Flugzeugbesatzung, welche noch nach Frankfurt und zurück fliegen muss. Trotz der knappen Zeit fällt die Verabschiedung sehr herzlich aus: Da haben sich sympathische Vertreter zweier unterschiedlicher und doch ähnlicher Berufsgruppen wunderbar gefunden, einander und die gegenseitigen Jobs kennen gelernt und damit auch für ihren eigenen Alltag etwas mitnehmen können - im Wissen, dass ein Jobtausch in dieser Form wohl etwas Einmaliges bleiben wird.

Nach je einem Tag im Zug und einem Tag im Flugzeug nehmen (v.l.) Captain Philipp, Maître de Cabine Veronique, Zugbegleiterin Rajmonda und Lokführer Hans-Jörg am Flughafen Zürich voneinander Abschied.

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit SWISS und SBB. Mit diesem vierten Bericht geht die Serie «Jobtausch SWISS/SBB» vorerst in Pause. Bleiben Sie dran, wenn wir wieder zum Jobtausch einladen. Wer sich zwischenzeitlich mit den verschiedenen Berufen bei SWISS oder SBB vertraut machen will, kann dies unter folgenden Links tun:

(JCR)