Florida

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Die Fahrt über die spektakuläre Seven Mile Bridge gehört zu den Highlights einer Reise hinaus auf die Florida Keys. Bild: Pixabay

42 Brücken bis zur Muschelrepublik

Eine spektakuläre Inselkette bildet die Florida Keys, an deren westlichem Ende Key West, die südlichste Stadt der USA, liegt. Wir stellen die eigenwillige Region vor.

Mit dem Begriff «Key», manchmal auch «Cay» geschrieben, bezeichnet man flache Koralleninseln. Rund um Florida gibt es Tausende davon. Die bekanntesten Keys sind aber bestimmt die so genannten «Florida Keys», welche sich vom Biscayne National Park unweit von Miami bis hinunter nach Key West über eine Länge von fast 300 Kilometern ziehen und aus insgesamt rund 200 Inseln bestehen.

Ab Miami muss man für die Fahrt nach Key West, während welcher 42 Brücken des «Overseas Highway» passiert werden, rund vier Autostunden einberechnen – es lohnt sich aber, mehr Zeit in den Keys zu verbringen. Wo lohnt es sich, länger zu verweilen?

Key Largo: Das Naturparadies mit eigenem Film

Wer mit dem Auto von Miami über den Highway 1 herkommend auf die Keys gelangt, wird auf Key Largo ankommen. Dies ist geographisch gesehen nicht die nördlichste der Florida Keys, aus touristischer Sicht hingegen schon. Vom Internationalen Flughafen in Miami aus dauert die Fahrt rund eine Stunde, wobei das Verkehrsaufkommen auf dem Highway 1 stark variieren kann.

Die Insel ist einerseits bekannt für ihre natürlichen Attraktionen: Nebst den Stränden sind dies etwa der John Pennekamp Coral Reef State Park, wo man tauchen und schnorcheln oder auch kajaken kann. Berühmt ist der Park unter anderem wegen der versunkenen Christus-Statue (Bild unten). Gleich daneben, aber auf dem Insel-Festland, liegt der ebenfalls sehenswerte Dagny Johnson Key Largo Hammock Botanical State Park, der sich ideal für Wander- oder Biketouren eignet.

Key Largo ist aber auch für seine Kultur berühmt: Es gibt schliesslich sogar einen Hollywood-Film namens «Key Largo». Und die Insel beheimatet auch das weltweit einzige Filmfestival zu Ehren von Hollywood-Ikone Humphrey Bogart.

Zur Info: Die weiter nördlich liegenden Inseln Old Rhodes Key, Islandia und Elliott Key sind wegen ihrer Lage abseits der Strassenwege deutlich weniger bekannt. Sie gehören zum Biscayne National Park und können von den Keys aus nicht auf dem Landweg erreicht werden. Wer diese Naturrefugien besuchen will, soll auf dem Festland in Homestead das Ranger-Zentrum des Parks besuchen. Von dort aus führen Boote hinaus auf die Inseln. Der Besuch ist, wie üblich für US-Nationalparks, kostenpflichtig.

Islamorada: Das Fischerparadies

Islamorada besteht eigentlich aus sechs verschiedenen Inseln, wovon Islamorada selbst nur eine davon ist. Nebst tollen Übernachtungsmöglichkeiten gibt es hier unter anderem das History of Diving Museum, welches einen schönen Rahmen bildet zu den unzähligen Tauchmöglichkeiten in den Florida Keys. Islamorada nennt sich aber auch die «Sport Fishing Capital oft he World», wovon zahllose Angebote für Angeltouren zeugen, bei denen man alle möglichen Grossfische fangen kann.

Marathon: Das Paradies für Bootsfahrer und Läufer

Marathon, welches hauptsächlich aus drei grösseren Inseln besteht (Vaca Key, Fat Deer Key und Grassy Key), sieht sich selber als Boot-Hauptstadt der USA. Tatsächlich finden hier Motorboot- und Segelfans über 220 Liegeplätze. Wer die lokalen Meerestiere nicht vom Boot aus sieht, kann sie auch in interaktiven Erlebniswelten treffen: Aber nicht bei fragwürdigen Tiershows, sondern beispielsweise im «Turtle Hospital» oder im Nonprofit-Wissenschaftszentrum «Dolphin Research Center».

Die Hauptattraktion von Marathon ist aber sicherlich die «Seven Mile Bridge». Die fast elf Kilometer lange Brücke führt von Vaca Key nach Bahia Honda, in den Lower Keys. Nicht selten stellen Autofahrer auf der Brücke fest, dass die Farbe des Wassers zwischen dem Golf von Mexiko und der Karibik, welche von der Brücke quasi getrennt werden, unterschiedlich ist. Interessanterweise verläuft parallel zur Brücke, über welche der «Overseas Highway» als Teilstück der Route 1 verläuft, die ehemalige Brücke. Diese wurde beim Neubau der Brücke anfangs der 80er Jahre stehen gelassen und ist heute für Fussgänger und Velofahrer zugelassen, aber nicht mehr für den Autoverkehr. Auf der neuen Brücke findet übrigens alljährlich der «7-Mile Bridge Run» statt, der entgegen landläufiger Meinung kein, Achtung Kalauer, Marathon ist.

The Lower Keys: Das Paradies für Camper

Die Lower Keys sind weniger bekannt, vermutlich wegen ihrer Lage zwischen den Hauptattraktionen Seven Mile Bridge und Key West. Die zahlreichen Inselchen sind besonders bei Motorhome-Fahrern beliebt, gibt es doch gleich mehrere RV-Parks mit unglaublichen Ausblicken auf den Golf von Mexiko. Natürlich gibt es auch hier Meeres- und Naturreservate wie etwa den Bahia Honda State Park, wo man ausgedehnte Schnorchel-, Wander- oder Kajaktouren unternehmen kann, wenn man doch mal genug vom Relaxen an den wunderbaren Stränden haben sollte. In den Lower Keys kann man übrigens hie und da auf das scheue «Key Deer» treffen, eine kleine Reh-Art, welche man auf diesen abgelegenen Inseln gar nicht erwarten würde.

Key West: Das Paradies für Aussteiger und Geniesser

Key West, ganz im Westen, ist ein eigenwilliger Ort der Superlative. Hier liegt man näher an Kuba als am US-Festland, was auch auf dem berühmten Markierungsstein (Bild oben) festgehalten ist, der zu den bekanntesten und meistfotografierten Orten der USA gehören dürfte. Hier sind die Jahresdurchschnittstemperaturen die höchsten von ganz Amerika, inklusive Hawaii. Hier nennen sich die Einheimischen alle beim Vornamen. Hier ist die Bar-Dichte die höchste der ganzen USA, und die Happy Hour in der Old Schooner Wharf Bar beginnt bereits um 7.00 Uhr morgens und dauert bis Mittags...

Kurz: Hier ticken die Uhren anders. Kein Wunder, blieben berühmte Schriftsteller wie Ernest Hemingway oder Tennessee Williams während Jahren hier. Die Entfernung zum US-Festland, oder auch das kairibische Flair, haben aus der Stadt einen der liberalsten Orte der USA gemacht. Die Eigenwilligkeit hat sogar dazu geführt, dass sich Key West 1982 für kurze Zeit als «Conch Republic» (Muschelrepublik) zumindest im Geiste von den USA unabhängig erklärte. Der Name ist bis heute haften geblieben.

Auf der Insel gibt es nicht nur zahllose Bars und Restaurants sowie wunderbare Architektur, sondern auch viel Kultur (Theater, Musik) und berühmte Festivals. Berühmt ist vor allem die Duval Street mit ihren Läden und berühmten Bars wie etwa Hemingway’s Lieblings-Absteige Sloppy Joe’s.  Passend dazu finden in diesem alljährlich die «Hemingway Days» statt, wo unter anderem jene Person gekürt wird, welche dem historischen Hemingway am ähnlichsten aussieht. Ebenfalls beliebt ist das jeweils im Oktober stattfindende «Fantasyfest», ein Festival mitsamt farbenfroher Strassenparade, bei welchem sich der freiheitliche Geist der «Conch Republic» wunderbar erfrischend präsentiert.

Einen guten kurzen Überblick über Key West bietet das folgende Video:

(JCR)