Fespo 2018

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Rührten an der Fespo die Werbetrommel für Universal (v.l.): Eigentümer Philippe Erhart, Geschäftsführerin Silvia Schembri und Juan Massanet (Direktor Hotel Laguna, Canyamel/Mallorca).

«Es ist für uns wichtig, die Reisebüros gut zu pflegen»

Universal Reisen reitet aktuell auf einer Erfolgswelle. Die Air-Berlin-Pleite und andere Herausforderungen schützen aber vor Übermut.

Am Stand von Universal Reisen wurde auf der Fespo Zürich ein interessantes Marketingtool eingesetzt: Das Buch «Hotel Laguna – Meine Familie am Strand» von Alexander Gorkow. Der deutsche Journalist und Schriftsteller verbrachte früher viele Ferien in Canyamel auf Mallorca, durfte aber nicht ins Hotel Laguna, welches Universal gehört, weil damals nur Schweizer zugelassen waren. Letztes Jahr nun hat er dafür gleich drei Monate im Hotel verbracht und Einsichten zum Hotel und zu Familienferien auf Mallorca amüsant niedergeschrieben, und dafür in Talkshows und Literatursendungen in Deutschland viel Werbung gemacht. Werbung, die indirekt natürlich auch Universal Reisen zugute kommt.

Über diesen Umstand freuen sich auch Universal-Eigentümer Philippe Erhart, welcher an der Fespo persönlich zugegen war, sowie Hotelmanager Juan Massanet, ebenfalls an der Fespo dabei (und dies seit 1984)  – und im Buch vielfach erwähnt. Heute sind die Kunden laut Erhart nur noch zu 50 Prozent Schweizer, der Rest setzt sich aus Deutschen, Italienern, Spaniern oder gar Dänen zusammen. Doch wie kommt denn Universal überhaupt an solche Kunden ran? Über die Kooperation mit Booking.com - «ein zweischneidiges Schwert», wie Erhart weiss, welches zwar Kunden bringt aus Ecken, die man sonst nicht bearbeiten könnte, aber eben auch hohe Abgaben fordert. «Spezielle Wünsche wie bestimmte fix gebuchte Zimmernummern können aber nur direkt bei uns berücksichtigt werden», beschwichtigt Erhart.

Wie sieht denn die Distribution generell aus? In der Deutschschweiz sei der Anteil an Direktbuchern etwas höher als der Anteil über Reisebüros getätigter Buchungen. In der Romandie sei das umgekehrt, dort seien nur etwa 30 Prozent der Buchungen direkt, der Rest über Reisebüros. Dabei handelt es sich viel um unabhängige Reisebüros, aber nicht nur – man habe beispielsweise auch viele Buchungen von TUI-Reisebüros, welche in der Romandie nicht auf eigene Mallorca-Angebote zugreifen können. Für Universal sei es wichtig, den Reisebürokanal gut zu pflegen, erklärt Erhart.

13 Hotels mit Top-Auslastungen

Aktuell besitzt Universal auf Mallorca 13 Hotels und eine Pension, dazu wird mit 9 Partnerhotels und 9 Fincas eng kooperiert. Die eigenen Hotels sind allesamt eigenständige Gesellschaften, alle im Besitz der Familie Erhart. In Vaduz sind 23 Mitarbeitende, dazu verfügt man über vier Filialen schweizweit (Zürich, Bern, Basel, Lausanne). Die Konzentration auf Mallorca – Universal hatte bis in die 90er Jahr auch Angebote und Hotels in der Karibik – hat sich bewährt. Vom aktuellen Mallorca-Boom profitiert man natürlich, laut Erhart liegt die durchschnittliche Jahresauslastung der eigenen Hotels bei über 90 Prozent, ist der Hochsaison ist man meist ausgebucht. Grund dafür ist, nebst der stabilen Nachfrage und der Top-Lage der Hotels, auch ein Yield Management unter Aufsicht von Erharts Sohn Timon, sowie eine breite Palette an Aktivitäts-Angeboten von Linedance über Yoga bis Zumba, welche für rege Nachfrage sorgen.

Zurücklehnen will sich Erhart aber nicht. «Wir haben die Insolvenz von Air Berlin deutlich gespürt», gibt er zu bedenken. Air Berlin hatte Erhart zufolge ein geniales Buchungssystem und unterstützte Universal auch immer wieder. Aktuell sei keine vergleichbare Airline in die Bresche gesprungen. Erhart erwartet für Mallorca steigende Flugpreise und infolge des teureren Euro auch für Mallorca selber steigende Preise. Zudem habe Mallorca das «Problem Airbnb» noch zuwenig angegangen – die Regulierung ist mangelhaft, die Vermieter von Airbnb-Unterkünften bezahlen weiterhin keine Touristensteuer, was den Wettbewerb mit den Hotels verzerre.

Erhart ist zwar zuversichtlich für die kommende Saison, die Nachfrage sei weiterhin hoch und man könne auf eine grosse Repeater-Klientel bauen. Die höheren Preise vor Ort allerdings lassen aktuell Übernahmen von Hotels – woran Universal durchaus interessiert sei – eher nicht zu. Selber bauen sei aktuell auch kein Thema. Doch ein Ausbau, doch, das sei ein Thema. Man darf gespannt sein, wie es mit dem erfolgreichen Liechtensteiner Traditionsunternehmen weitergeht.

(JCR)