Fespo 2018

Fespo_rum4.jpg
Das diesjährige Gastland Rumänien nutzte den Fespo-Auftritt auf sympathische Weise und schürte Interesse für das Reiseland am Schwarzen Meer. Bild: Fespo

Kommentar Die Reise beginnt in Oerlikon – nicht für alle

Von Gregor Waser

Die pulsierende, viertägige Fespo ist vorbei. 600 Aussteller waren da. Doch auch die Liste prominenter Abwesender ist lang – erstaunlich.

Nach Bern und St. Gallen hat sich auch bei der dritten Ferienmesse in Zürich gezeigt: das Interesse an Ferien und Reisen ist in diesem Jahr gross. Viele Fespo-Aussteller sprechen von zahlreichen eingegangenen Buchungen und einem guten Start ins neue Reisejahr.

Die sechs Messehallen in Zürich-Oerlikon waren während den vier Tagen gut besucht. Gerade ausländische Aussteller lobten die gute Qualität der Gespräche und das vertiefte Interesse.

Auffallend: die Präsenz und der Aktivismus der Aussteller ist sehr unterschiedlich. Mit  originellen Wettbewerben, auffallenden Dekorationen, aktivem Ansprechen und cleveren Aktionen warten die einen auf. Andere bleiben passiv, warten, bis die vier Tage vorbei sind. Der Ball liegt eben bei den Ausstellern, aus den vier Messetagen einen Erfolg zu machen.

Erstaunlich ist aber, wie viele prominente Länder, Regionen und Anbieter in den Messehallen vergeblich gesucht werden. Ausser einzelnen Anbietern aus Zermatt oder Appenzell verzichtete das Reiseland Schweiz fast gänzlich auf die Fespo. Gemäss den Fespo-Verantwortlichen begründete Schweiz Tourismus die Absage mit dem Argument: «Nicht unser Zielpublikum». Schwer zu glauben – von den 65'000 Besuchern dürfte sicherlich mehr als die Hälfte auch regelmässig Ferien im eigenen Land buchen. Dass deren Durchschnittsalter um die 60 liegt, dürfte kein Argument gegen eine Fespo-Teilnahme sein, im Gegenteil.

Der kleine Schweizer Reisemesse-Markt ist in sich versplittert.

Bei anderen Destinationen und auch Airlines ist die Rede von «anderen Schwerpunkten» und «passt nicht in unseren Marketing-Mix». Ob Swiss, Emirates, Singapore Arlines oder der Flughafen Zürich – Fehlanzeige mit einer Fespo-Präsenz. Erstaunlich auch die Abwesenheit von Edelweiss: Der Feriencarrier warb im letzten Jahr an der Fespo noch mit Costa Rica und San Diego. Obwohl auch im diesem Jahr attraktive neue Destinationen wie die Seychellen oder Buenos Aires hinzu kommen: Edelweiss reiste nicht nach Oerlikon.

Und Besucher suchten auch vergeblich nach Ausstellern aus Frankreich, Spanien oder den USA. Im Fall der USA ist umso erstaunlicher: nur drei Tage nach Ende der Fespo treten in Regensdorf 50 US-Aussteller auf. Eine räumliche und zeitliche Liaison mit der Fespo läge auf der Hand.

Doch das Buhlen der einzelnen Organisatoren um ihren eigenen Event lässt eine Zusammenarbeit nicht zu. Der Traum von einer «ITB Suisse», nach dem Vorbild der grossen deutschen Reisemesse in Berlin, liegt in weiter Ferne.

Mit der Bernexpo (Bern, Zürich), Olma (St. Gallen), dem Swiss Travel Day oder den US-/Asia-/Arabien-Workshops buhlen verschiedene Parteien um die Gunst der Aussteller. An einer Kooperation ist da niemand interessiert. Typisch dafür: die Bernexpo kündet im gestrigen Press Release die Ferienmessen von Bern (10. bis 13. Januar 2019) und Zürich (31. Januar bis 3. Februar 2019) an. Die terminlich dazwischen liegende Grenzenlos in St. Gallen (18. bis 20. Januar 2019) bleibt unerwähnt.

Dass der kleine Schweizer Reisemesse-Markt in sich versplittert ist, hilft dann eben bei der Akquisition der fehlenden Aussteller auch nicht weiter. Denn ein weiteres Argument der Abwesenden lautet: wir sind nicht bereit an drei oder vier Messen teilzunehmen, das ist uns zu personalintensiv – gäbe es eine Messe, wir wären dabei.