Blogger & Influencer

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Der Blogger der ersten Stunde, Tom Brühwiler, nervt sich zunehmend über die Manipulation von Follower-Zahlen. Bild: TBR

«Über alle Kanäle eine konsistente Zielgruppe hinzubekommen, ist äusserst schwierig»

Travelblogger Tom Brühwiler verdient mit seiner Tätigkeit kein Geld – das war aber auch nie sein Ziel.

Seit über 13 Jahren schreibt Tom Brühwiler ins Internet. Als BloggingTom und Travelblogger ist er weitherum als Blogger der ersten Stunde bekannt. Auf die Frage, wie man denn zum Blogger wird, antwortet er: «Zum Blogger wird man schnell – einfach ein Blog eröffnen und drauf los schreiben.» Die Kunst liege vielmehr darin, spannende Geschichten zu servieren und Ausdauer zu haben. Denn: «Keinem Blog fliegen die Leser «einfach so» zu. Wer einen Blog seriös betreiben will, macht das nicht einfach mal schnell nebenbei.» Der Zeitaufwand sei beachtlich und habe schon den einen oder anderen dazu gebracht, sein «neues» Hobby nach wenigen Monaten wieder einzustellen.

Über alle Kanäle gesehen besitzt Tom Brühwiler knapp 17'000 Followers, hinzu kommen noch die rund 10'000 Leser seines Blogs. Wie viel Geld er damit im Jahr verdient? «Null. Aber Geld damit zu verdienen war auch gar nie das Ziel. Als ich mit bloggen anfing, das ist ja inzwischen auch 13 Jahre her, begann man aus Leidenschaft und hatte nicht im Traum daran gedacht, das irgendwie monetarisieren zu können.»

Heute treffe das sicher nur noch auf wenige zu. Die Motivationsgründe hätten sich deutlich verschoben: Natürlich gebe es auch noch heute einige, die das aus purer Leidenschaft machen. Bei vielen, vor allem auch Jüngeren, sei aber auch spürbar, dass es vor alle auch darum geht, kostenlos reisen zu können und dabei möglichst noch Geld zu verdienen.

«Blogger und Influencer sollten bezahlte Artikel als solche ausweisen»

Dass damit Geld verdient wird, sei zwar legitim, allerdings sollte das gerade bei Bloggern und Influencern unbedingt ausgewiesen werden. Für Brühwiler ist es zentral, dass der Leser weiss, ob der Blogger für seine Arbeit mit einem Honorar bezahlt wurde. Eine solche Deklaration macht den Bericht nicht zwingend schlechter, aber als mündiger Leser könne man so den Artikel besser einordnen.

«Trotzdem werden bezahlte Artikel immer noch von vielen nur ungern ausgewiesen. So hat sich beispielsweise gerade kürzlich eine PR-Agentur in höchsten Tönen für eine Tourismuskampagne mit Bloggern gerühmt, von den vier involvierten Bloggern deklarierte aber nur einer, dass er ein Honorar kassierte», sagt Brühwiler und fügt an: «Das macht die Szene am Ende halt manchmal etwas unglaubwürdig.»

«Jede Manipulation der Zahlen ist Betrug»

Angesprochen auf seine angepeilte Zielgruppe, sagt er: «Grundsätzlich definiere ich meine Zielgruppe als Personen, die in ihren 40er oder 50ern sind, deren Kinder aus dem Haus sind und sie so wieder mehr Zeit haben, zu reisen. Über alle Kanäle eine konsistente Zielgruppe hinzubekommen ist äusserst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Die Leser des Blogs unterscheiden sich durchaus von denjenigen, die sich beispielsweise auf Instagram tummeln.» 

Sein Instagram-Kanal sei immer organisch gewachsen. «Jede Manipulation der Zahlen, sei es nun durch Bots, sogenannten «Instagram-Pods» oder durch Kauf von vermeintlichen Followern, ist am Ende auch nichts anderes als Betrug. Gegenüber sich selber, aber insbesondere auch gegenüber möglichen Kooperationspartnern.» Natürlich könne es für Agenturen auf den ersten Blick verlockend sein, sich einfach eines Bloggers/Influencers zu bedienen, der möglichst viele Follower hat - ohne die Zahlen zu hinterfragen. Im Reporting an den Kunden würden sich die Zahlen auf den ersten Blick nämlich wahnsinnig gut machen. «Wenn es sich dann aber grösstenteils um Fake-Followers handelt, ist jeglicher Aufwand dafür nur hinausgeworfenes Geld.»

Umgekehrt könne es für ehrliche Blogger aber auch äusserst frustrierend sein, wenn sich Personen unlauterer oder gar betrügerischer Methoden bedienten und damit dann auch noch Erfolg hätten. «Nachdem das Thema aber in den letzten Monaten etwas vermehrt Beachtung gefunden hat, scheint die Awareness dafür glücklicherweise langsam auch bei Agenturen, Hotels und Organisationen anzukommen.»

(LVE)