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Nach dem Tod des Kartellchefs «El Mencho» kam es in mehreren Regionen Mexikos zu gewaltsamen Ausschreitungen und verstärkten Sicherheitsmassnahmen. Bild: Screenshot SRF

Ausnahmezustand in Mexiko: Das müssen Reisende wissen

Nach den jüngsten Gewaltausbrüchen in Mexiko sind viele Reisende verunsichert und suchen nach verlässlichen Informationen. Travelnews beantwortet die sechs wichtigsten Fragen zur aktuellen Lage.

Was ist in Mexiko passiert?

Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt unter dem Namen «El Mencho», ist am Wochenende bei einem Militäreinsatz ums Leben gekommen. Nach seinem Tod eskalierte die Gewalt in weiten Teilen Mexikos. Medienberichten zufolge wurden Dutzende Todesopfer gemeldet, während die Regierung landesweit zusätzliche Sicherheitskräfte und Militär mobilisierte. Mitglieder des von «El Mencho» gegründeten Kartells Jalisco Nueva Generación errichteten Strassenblockaden, setzten Fahrzeuge in Brand und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Unruhen wurden aus rund 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten gemeldet, darunter Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato. Touristisch bedeutende Gebiete wie der Küstenort Puerto Vallarta waren offenbar ebenfalls betroffen. Zu Zwischenfällen kam es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fussball-WM in diesem Jahr ist.

Wie präsentiert sich die Lage aktuell?

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte inzwischen, die Lage habe sich deutlich beruhigt. Im Land sei es wieder «friedlich» und «ruhig», Strassenblockaden habe es bereits am Montagmorgen keine mehr gegeben. Zuvor hatte sie die Bevölkerung angesichts der angespannten Situation und möglicher weiterer Auseinandersetzungen rivalisierender Gruppen zur Besonnenheit aufgerufen. In der bei Touristinnen und Touristen beliebten Karibikregion auf der Halbinsel Yucatán wurden dennoch vorsorglich rund 10’000 Soldaten und Polizisten eingesetzt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zu den besonders geschützten Ferienorten zählen unter anderem Cancún, Tulum und Isla Mujeres. «Die Sicherheit der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität», sagte die Gouverneurin des Bundesstaats Quintana Roo, Mara Lezama.

Was sagt der grösste Schweizer Reiseveranstalter zur Situation?

«Der Grossteil unserer Kundinnen und Kunden hält sich auf der Halbinsel Yucatán auf. Aus dieser Region liegen uns derzeit keine Meldungen über Ausschreitungen vor», sagt Janine Zimmerli, Sprecherin von Dertour Suisse, auf Anfrage. «Nach aktuellem Stand können unsere Gäste ihre Ferien somit vor Ort weiterhin unbeschwert geniessen beziehungsweise ihre Reise wie geplant antreten.»

Welche Ratschläge erteilt das EDA?

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat seine Reisehinweise am Montag (23. Februar 2026) ergänzt. Darin heisst es, die Sicherheitsmassnahmen im Land seien verstärkt worden. Nicht notwendige Reisen in betroffene Gebiete sollten laut EDA vermieden werden, da mit Verkehrsbehinderungen, Strassensperren und möglichen Einschränkungen im Flugverkehr zu rechnen sei. Das Aussendepartement rät nach der Eskalation generell zu erhöhter Vorsicht. Massenveranstaltungen und grössere Menschenansammlungen sollten gemieden und Anweisungen der lokalen Behörden konsequent befolgt werden. Zudem rät das EDA, die Lage-Entwicklung vor und während der Reise laufend über Medien, Reiseveranstalter und offizielle Stellen zu verfolgen.

Wie sicher ist die Fussball-WM im kommenden Sommer?

Die aktuelle Gewaltwelle in Mexiko sorgt zwar international für Schlagzeilen, stellt nach Einschätzung von Behörden und Experten jedoch keine unmittelbare Gefahr für die Fussball-WM 2026 dar. Kartellkonflikte bleiben meist regional begrenzt und richten sich in der Regel gegen Sicherheitskräfte oder rivalisierende Gruppen – nicht gegen internationale Grossveranstaltungen oder Touristinnen und Touristen. Gleichzeitig betonen die mexikanische Behörden, dass die WM-Austragungsorte Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey besonders stark geschützt werden sollen. Zudem hat Mexiko bereits mehrfach bewiesen, dass Gross-Events trotz Sicherheitsherausforderungen reibungslos durchgeführt werden können, etwa der jährliche Formel-1-GP in Mexiko-Stadt.

Können Reisende ihre Mexiko-Ferien gratis stornieren?

Nein. Die momentanen Unruhen reichen nicht, um vom Reisevertrag zurückzutreten. Die Schweizer Reiseveranstalter halten sich hier stets an die Vorgaben des EDA. Dieses rät aktuell nicht von Reisen nach Mexiko ab. Für alle, die ihre Reise dennoch annullieren oder umbuchen möchten, gelten die regulären Annullationsbedingungen.

(RSU)