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Ein Blick ins Cockpit: Hier läuft vieles nach klaren Abläufen – auch wenn es um Ruhepausen geht. Bild: Adobe Stock

Gute Frage Dürfen Piloten auf Langstreckenflügen schlafen?

Start, Reiseflughöhe, Landung: Bleibt die Cockpit-Crew dabei stets hellwach, oder gibt es auch Pausen zum Ausruhen? Travelnews klärt auf.

Schlafen im Cockpit – für viele Passagiere klingt das zunächst beunruhigend. Wer möchte schon hören, dass die Pilotinnen und Piloten während des Fluges die Augen schliessen? Doch auf Langstreckenflügen gehört der Schlaf der Cockpit-Crew zum Alltag, streng geregelt und sicherheitsorientiert. Die europäischen EASA-Vorgaben und firmeninternen Bestimmungen legen genau fest, wann Ruhezeiten erlaubt sind und wie sie organisiert werden.

Auf Interkontinentalflügen sei die Cockpit-Crew in der Regel zu dritt besetzt, sagt Flugkapitän Tom Schneider, Instruktor auf dem Airbus A320 und A350 und Leiter von Seminaren gegen Flugangst. «So lassen sich die vorgeschriebenen Ruhezeiten exakt einplanen, und wir wechseln uns in klaren Blöcken ab.»

Bereits vor dem Abflug werde im Briefing festgelegt, in welcher Reihenfolge sich die Pilotinnen und Piloten zurückziehen. Der letzte Restblock ende stets rechtzeitig vor dem Anflug, damit die Crew gemeinsam alle Vorbereitungen und Briefings durchführen könne. Geschlafen wird ausschliesslich in der Reiseflughöhe – nie während Start, Landung oder komplexen Flugabschnitten.

Ruhepausen nach klaren Abläufen

In modernen Grossraumflugzeugen steht den Pilotinnen und Piloten dafür ein spezielles Crew Rest Compartment zur Verfügung: Im A350 etwa handelt es sich um einen abgeschlossenen Bereich mit zwei Liegen, abgedunkelt, leise und mit frischer Luft versorgt. Jede Koje ist mit Sicherheitsgurt, Kissen, Decke, individueller Belüftung und Leselicht ausgestattet. «Ich schlafe darin wie ein Herrgöttchen», sagt Schneider lachend. «Diese Umgebung ist so konzipiert, dass wir in relativ kurzer Zeit wirklich tief erholen können.»

Neben diesen geplanten Ruhephasen existiert das sogenannte Controlled Rest. Dabei handelt es sich um einen kurzen, streng überwachten Power Nap direkt im Cockpit. Schneider erklärt: «Das ist nur unter klar definierten Bedingungen erlaubt – ein Timer wird gestellt, die Kabinen-Crew informiert, und niemals schlafen zwei Piloten gleichzeitig.» Ziel sei es, die kurzfristige Leistungsfähigkeit zu steigern.

Vor jeder Ruhephase erfolgt eine strukturierte Übergabe. Die Piloten, die wach bleiben, erhalten alle relevanten Informationen zu Wetter, Treibstoff, Systemstatus und Air Traffic Control. Nach der Rückkehr ins Cockpit folgt ein vollständiger Wiedereinstieg, um sicherzustellen, dass alle wieder auf demselben Wissensstand sind. Unterstützt wird das Ganze durch ein umfassendes «Fatigue Risk Management», das neben Vorschriften auch auf die Eigenverantwortung der Piloten setzt.

Kurz gesagt: Schlaf im Cockpit ist kein Risiko, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheit. «Dank diesen klaren Abläufen stellen wir sicher, dass auf Langstreckenflügen jederzeit zwei ausgeruhte und aufmerksame Piloten im Cockpit sitzen – gerade in den entscheidenden Flugphasen», erklärt Schneider.

(RSU)