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Chaos bei Air Canada geht weiter
Eigentlich wollte die kanadische Fluggesellschaft Air Canada ihren Flugbetrieb ab Sonntagabend (17. August) schrittweise wieder hochfahren. Doch daraus wird nichts. Die Gewerkschaft der rund 10’000 Flight Attendants von Air Canada hat am Sonntag angekündigt, den Streik trotz einer Regierungsanordnung zur Rückkehr an den Arbeitsplatz fortzusetzen. Damit bleibt die grösste Fluggesellschaft Kanadas weiterhin lahmgelegt, wie verschiedene Medien berichten.
Wenige Stunden nach Beginn des Ausstands hatte Arbeitsministerin Patty Hajdu die kanadische Arbeitsaufsichtsbehörde angewiesen, den Konflikt per verpflichtender Schlichtung zu lösen und die Angestellten zurück an die Arbeit zu schicken. Die unabhängige Behörde ordnete an, dass die Flight Attendants am Sonntag, um 14 Uhr (Ortszeit), ihre Arbeit wieder aufnehmen müssen.
Doch die Gewerkschaft – die Kanadische Union der öffentlichen Angestellten (Cupe) – widersetzte sich. In einer Mitteilung bezeichnete sie die Massnahme als «verfassungswidrig» und betonte, man werde beim Bundesgericht eine einstweilige Verfügung beantragen. «Wir bleiben im Streik. Wir fordern einen fairen Vertrag und die Bezahlung sämtlicher Arbeitsstunden», hiess es.
Betroffene Reisende fühlen sich im Stich gelassen
Air Canada musste allein am Wochenende rund 700 Flüge pro Tag streichen – betroffen waren etwa 130’000 Passagiere täglich. Viele Reisende berichteten von chaotischen Zuständen an den Flughäfen in Toronto und Montreal: Telefonisch sei die Airline kaum erreichbar, Umbuchungen seien schwierig, und teilweise würden Fluggäste erst auf Verbindungen Tage später umgebucht – die wiederum ebenfalls gestrichen werden könnten.
In einem Land, das sich über sechs Zeitzonen erstreckt, gibt es auf vielen Strecken keine praktikable Alternative zum Flugzeug. Noch am Sonntagmorgen hatte Air Canada angekündigt, am Abend den Betrieb wieder hochzufahren. Doch angesichts der Weigerung der Gewerkschaft verschob die Airline den Neustart um mindestens 24 Stunden – und erklärte, es werde sieben bis zehn Tage dauern, bis der Flugbetrieb wieder im Normalrhythmus laufe.
Ein Arbeitsrechtler der York University in Toronto hält es für schwierig, dass die Flugbegleiter vor Gericht eine Aussetzung der Regierungsanordnung erreichen. «Das Gericht wird abwägen, ob den Arbeitnehmenden ein irreparabler Schaden entsteht. Angesichts von hunderttausenden gestrandeten Passagieren dürfte dies schwer durchzusetzen sein», sagte er der «New York Times».