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Situation im Nahen Osten: Das müssen Reisende jetzt wissen
Reto SuterWie präsentiert sich die Situation aktuell?
US-Präsident Donald Trump kündigte in der Nacht auf Dienstag überraschend eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran an. Zunächst werde der Iran für zwölf Stunden die Waffen schweigen lassen, dann Israel für zwölf Stunden. Danach gelte der Krieg als beendet, erklärte Trump. Das wäre demnach Mittwochmorgen Schweizer Zeit. Irans staatlicher Rundfunk bestätigte die Waffenruhe, kurz darauf auch die israelische Regierung. Ob der Krieg damit wirklich dauerhaft beendet sein wird, ist dennoch sehr ungewiss. Denn: US-Präsident Donald Trump warf am frühen Dienstagnachmittag Schweizer Zeit sowohl dem Iran als auch Israel vor, die gerade erst in Kraft getretene Waffenruhe gebrochen zu haben. «Ich glaube, beide haben sie verletzt», sagte der Republikaner vor Journalisten in Washington.
Wenige Stunden vor Trumps Ankündigung der Feuerpause hatte der Iran als Vergeltung für die US-Bombardierung der iranischen Atomanlagen Raketen auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Katar abgefeuert. Daraufhin schlossen mehrere Golfstaaten – unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar – vorübergehend ihren Luftraum.
Welche Auswirkungen hatten die Luftraumschliessungen?
Zum Zeitpunkt der Luftraumschliessungen befanden sich Hunderte Flugzeuge mit Zielorten wie Doha, Dubai oder Abu Dhabi bereits in der Luft. Einige Maschinen wurden zu alternativen Flughäfen in der Region umgeleitet, andere traten den Rückflug zur Ausgangsdestination an. Die Sperrungen betrafen Tausende Passagiere und brachten den Luftverkehr in der Golfregion erheblich durcheinander.
Inwiefern waren Reisende ab der Schweiz betroffen?
Um 13.13 Uhr startete am Montag ein Swiss-Flug von Zürich Richtung Dubai. Kurz vor 19 Uhr drehte er über Saudi-Arabien um und wurde nach Kairo umgeleitet. Doch statt in Ägypten zu landen, behielt der Airbus A330 Kurs über das Mittelmeer und steuerte schliesslich spätabends Antalya im Südwesten der Türkei an. Dort hatte die Swiss laut dem «Tages-Anzeiger» Hotelzimmer buchen können für die 206 Passagiere und 13 Besatzungsmitglieder.
Doch dann zeigte sich, wie gravierend die Situation im Luftverkehr war: Der Flughafen von Antalya musste wegen der hohen Anzahl umgeleiteter Flüge vorübergehend geschlossen werden. Die Swiss-Maschine wurde deshalb umgeleitet nach Izmir, wo sie nach insgesamt neun Stunden in der Luft um 22.13 Uhr Schweizer Zeit landete. Immerhin konnte die Airline auch hier Hotelzimmer für Fluggäste und Crew buchen. Das Flugzeug, das gestern statt in Dubai in Izmir gelandet ist, kehrt heute Dienstag mit allen Passagieren und der Besatzung nach Zürich zurück. Geplant ist, dass es um 16.30 Uhr in Izmir abfliegt und um 19.25 Uhr in Zürich landet. Die ursprünglich für den Rückflug von Dubai nach Zürich eingeplante Besatzung wird heute Nacht mit Flug LX243 von Dubai nach Zürich zurückkehren, wie die Swiss auf Anfrage mitteilt.
Auch die Passagiere eines Qatar-Airways-Flugs von Zürich nach Doha mussten am Montagabend unverrichteter Dinge umkehren. Die Maschine war um 17.29 Uhr gestartet und sollte kurz nach Mitternacht Ortszeit in der katarischen Hauptstadt landen. Doch gegen 19.30 Uhr drehte sie über dem Mittelmeer auf Höhe Siziliens um und kehrte rund zwei Stunden später, um 21.22 Uhr, nach Zürich zurück. Der geplante Rückflug QR 093 aus Doha in die Schweiz, der um 2.05 Uhr starten sollte, wurde gestrichen – ebenso wie ein Air-India-Flug von Zürich nach Delhi.
Im Laufe des Montagabends entspannte sich die Lage allmählich. Die Abendflüge nach Abu Dhabi (Etihad) und Dubai (Emirates) konnten planmässig, durchgeführt werden, wie Flughafen-Sprecherin Elena Kuriger sagt.
Was bedeutet die Waffenruhe für die Airlines?
Sollten sich die Kriegsparteien doch noch an die vereinbarte Waffenruhe halten, könnten sich für Fluggesellschaften auf den Asien-Routen wieder neue Perspektiven eröffnen. Aktuell meidet die Swiss infolge des Konflikts zwischen Israel und dem Iran mehrere Destinationen und Lufträume: Die Verbindungen nach Beirut und Tel Aviv wurden ausgesetzt, und die Routen nach Dubai, Hongkong, Indien, Thailand und Singapur führen weiträumig um die Krisenregion herum. Die Folge: längere Flugzeiten, höherer Treibstoffverbrauch und steigende Kosten.
Da viele Airlines ähnlich verfahren, verzeichnet der afghanische Luftraum derzeit einen markanten Anstieg an Überflügen: Rund 280 Maschinen durchqueren ihn täglich – fünfmal so viele wie noch vor einem Monat. Grund dafür sind gelockerte Restriktionen, seit der Taliban-Staat 2023 den zivilen Flugverkehr wieder zulässt. Das bringt nicht nur logistische Herausforderungen, sondern auch neue Einnahmequellen für das Regime in Kabul: 700 Dollar pro Überflug werden fällig, wie das Aviatik-Portal «Aerotelegraph» schreibt.
Was empfiehlt das EDA in seinen Reisehinweisen?
Seit dem Ausbruch des Kriegs zwischen Israel und dem Iran hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) seine Reisehinweise für die Golfregion bereits zweimal aktualisiert. Die zentrale Botschaft: Reisen nach Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate gelten weiterhin als sicher. Gleichwohl hat das EDA die Hinweise für diese sechs Länder um eine deutlich sichtbare gelbe Box ergänzt. Darin heisst es: «Die anhaltenden Feindseligkeiten in der Region und zwischen Israel und dem Iran können schnell eskalieren und die Sicherheit der ganzen Region gefährden. Einschränkungen im Reiseverkehr können nicht ausgeschlossen werden (kurzfristige Sperrungen des Luftraums, verspätete und annullierte Flüge etc.). Halten Sie sich über die Lageentwicklung auf dem Laufenden und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.»
Wie reagieren Schweizer Reisende?
Wie Arabien-Spezialisten auf Anfrage von Travelnews berichten, bleibt Dubai trotz der angespannten Lage zwischen Israel und dem Iran bislang unbeeinträchtigt. Die Wüstenmetropole erfreut sich bei Reisenden nach wie vor grosser Beliebtheit. Ansonsten ist aber durchaus eine Zurückhaltung bei Reisenden zu spüren. Romy Obrist, Inhaberin des Arabien-Spezialisten Bischofberger Reisen, sagt: «Wir stellen derzeit eine gewisse Verunsicherung bei unseren Kundinnen und Kunden fest – auch bei solchen, die ihre Reise erst im Herbst antreten wollen. Teilweise betrifft das auch Gäste mit Reisezielen wie Zypern. Insgesamt konstatieren wir, dass viele mit der Buchung noch zuwarten und ihren Entscheid um einige Wochen hinausschieben.» Falls die Waffenruhe hält, könnten die Bedenken vielleicht schnell aus dem Weg geräumt werden.
(Dieser Artikel wurde am 24. Juni 2025 aktualisiert.)