Reiseanbieter

srv12.jpg
Erläuterten im Hotel Schweizerhof in Zürich das aktuelle Reisegeschäft, von links: Prof. Dr. Christian Lässer, Titularprofessor und Leiter des IMP (Institute for Systemic Management and Public Governance) an der Universität St. Gallen, Angelo Eggli (CEO Allianz Partners Schweiz), Max E. Katz (Präsident SRV) und Walter Kunz (Geschäftsführer SRV). Bild: TN

Schweizer Reisebüros halten sich gut

Von Gregor Waser

Ansteigende Reisebüro-Umsätze und eine wachsende Reiselust bei der Schweizer Bevölkerung: Die Umfragen von SRV und Allianz zeichnen ein positives Bild. Die Nettorendite in den Reisebüros bleibt aber unter Druck – auch wegen sinkender Beratungshonorare und der Konkurrenz der Online-Portale. Im Fall vom Skywork-Grounding verzichtet der SRV auf eine Klage gegen Skywork und BAZL.

335 Reisebüros haben bei der Umfrage des Schweizer Reise-Verbands (SRV) zum Geschäftsgang 2017 mitgemacht, leicht weniger als erwartet. Die Antworten fallen unter dem Strich durchaus positiv aus. Nach Umsatzrückgängen in den Jahren 2015 und 2016 verzeichneten die Schweizer Reisebüros 3,3 Prozent mehr Geld in der Kasse. Pro Reisebüro stieg der Umsatz von 2,75 auf 2,84 Millionen Franken an – jener Reisebüros, die im letzten und in diesem Jahr an der Umfrage teilgenommen haben.

Gleich in Jubelstimmung fiel die SRV-Crew dennoch nicht aus. SRV-Geschäftsführer Walter Kunz verwies darauf, dass den Reisebüros unter dem Strich wenig Rendite bleibt: «Die Bruttorendite ist weiter stabil, während die Nettorendite aber unter Druck bleibt. Denn die Salärsumme ist im Vergleich zum Umsatz weiterhin hoch. Dazu kommt, dass die Beratungshonorare leicht gesunken sind.»

Als die Schweizer Reisebranche in den Nuller-Jahren verstärkt mit Beratungshonoraren auf sinkende Kommissionen insbesondere der Airlines reagierte, belief sich der Umatzanteil bis 2009 auf knapp 4 Prozent. 2015 überstieg dieser Anteil sogar die 6-Prozent-Marke. Doch 2016 und nun auch 2017 sinkt der Anteil der Beratungshonorare wieder. Nicht zuletzt die Konkurrenz der Online-Kanäle und die Vielzahl an Vertriebskanälen haben den Beratungshonoraren in den Reisebüros – und dem Mut, solche bei der Buchung zu verlangen – einen leichten Dämpfer versetzt. «Der Plafond bei den Beratungsgebühren ist wohl erreicht», sagte Walter Kunz.

Schweizer Reisebüros verlangen für «Auftragspauschalen» oder «Service-Pauschalen» in der Regel 60 Franken pro Buchung.

Bei den Umsätzen gehen die Reiseprofis auch in diesem Jahr von steigenden Werten aus. Gemäss der SRV-Studie begründen die Schweizer Reisebüros den Umsatzzuwachs in grösser werdenden Dossiers. Die Gründe dafür dürften in der anhaltend besser werdenden Wirtschaftslage liegen.

Zu den Rahmenbedingungen der Schweizer Reisebranche sagt Walter Kunz: «Generell ist für 2017 feststellbar, dass die Leute aufgrund der angespannteren Sicherheitslage nicht weniger gereist sind. Sie haben wieder vermehrt das Reisebüro aufgesucht, um sich professionell über Risiken aufklären zu lassen, um dann eine gute Reiseentscheidung treffen zu können.» Dieser erhöhte Informationsbedarf habe sich in einem erhöhten Beratungsaufwand niedergeschlagen. «Kunden schieben in solchen Situationen ihre Entscheidungen und damit auch ihre Buchungen so weit wie möglich hinaus und buchen eher wieder kurzfristiger.»

Professor Christian Lässer von der Universität St. Gallen hielt zusammenfassend fest: «Die Leute sind nicht weniger gereist. Die erwarteten Reaktionen auf die geopolitische Lage sind ausgeblieben. Bei den Deutschschweizern haben wir gemerkt, dass sie wegen Sicherheitsbedenken eher ins Reisebüro gegangen sind, als Romands und Tessiner, die bei diesem Thema wohl relaxter sind.»

Jeder Fünfte geht ins Reisebüro

Parallel zur SRV-Umfrage führt Allianz Partners Schweiz – bereits zum 24. Mal – eine aktuelle Umfrage über das Buchungs- und Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung durch. Und die Reiselust ist im laufenden Jahr sehr gross. 85% der Befragten, 3% mehr als im Vorjahr, unternehmen 2018 mindestens einmal pro Jahr eine private Reise mit mindestens drei auswärtigen Übernachtungen.

Die Anzahl jährlicher Buchungen in einem Reisebüro ist bei den Befragten leicht angestiegen. Etwas mehr als jeder Fünfte bucht seine Reisen im Reisebüro. Damit konnten die Reisebüros ihre Position stabil halten.

Nach wie vor eine Zunahme zeichnet sich bei den Online-Buchungen ab, dieser Kuchenanteil beläuft sich auf 71% (+ 4 Prozentpunkte), jener der Reisebüros auf 23% (+ 1 Prozentpunkt). Die Buchungsanteile der Kategorie «mal da, mal da» (- 4 Prozenpunkte) und der Selbstorganisierer (- 2 Prozentpunkte) ist rückläufig. «Im 2014 organisierten noch 14 Prozent die Reise selber», hielt Angelo Eggli, CEO von Allianz Partners Schweiz, fest.

Es zeigt sich, dass die Schweizer Bevölkerung vermehrt je nach Art der Reise entscheidet, welchen Online-Kanal (Direkt, Portale, Reisebüro, Sharing-Economy-Plattform) sie dazu verwendet. Verstärkt werden auch Websites der Reisebüros bevorzugt (+2%).

Bei der Wahl der Reiseversicherung sind für die Befragten die Leistungen am wichtigsten (56%), gefolgt vom Preis (39%), der Einfachheit (34%) und den persönlichen Erfahrungen (28%). Dabei hat das Kriterium Persönliche Erfahrungen im Vergleich zu 2017 acht Prozentpunkte zugenommen.

49% der Befragten sehen die Gefahr eines Unfalls als grösstes Risiko (+4%), während bei den konkreten Problemen Verspätungen von den meisten Reisenden (42%) genannt werden. Die Angst vor Unruhen/Terror hat abgenommen.

Zur Studie «Das Buchungs- und Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung».

Keine Klage gegen Skywork und BAZL

Bereits zum Auftakt der Medienkonferenz hielt SRV-Präsident Max E. Katz bei seinem Roundup fest, dass die Schweizer Reisebranche derzeit zwar auf das Comeback von Destinationen wie Ägypten, Tunesien und Türkei zählen könne. Doch die Branche leide in diesem Jahr erneut unter viel entschädigungsloser Zusatzarbeit. «Nach dem Air-Berlin-Konkurs im letzten Jahr mussten viele Reisebüro nun auch nach dem Skywork-Grounding erneut unentschädigte Zusatzarbeit leisten.»

Der SRV-Präsident schilderte die Vorgänge der Skywork, dass schon zwei Tage vor dem Grounding am 29. August 2018 feststand, dass die Airline am Boden bleiben wird, trotzdem seien noch viele Buchungen eingegangen. Darauf hin überlegte sich der SRV Klage einzureichen.

Dazu sagte Walter Kunz: «Die Umfrage bei unseren Mitgliedern hat ergeben, dass eine Summe von 25'000 Franken in diesen zwei Tagen noch gebucht wurde. Wir haben uns angesichts dieses Betrags entschieden, auf eine Klage zu verzichten. Wir hätten diesen Präzedenfall sehr gern durchgezogen, doch die zu investierenden Mittel wären in keinem Verhältnis zur Schadenssumme gestanden.»