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Es ist ruhig geworden am Flughafen Bern-Belp. Die Idylle trügt: Branchenvertreter sind sauer und Firmen wollen Alternativflüge. Bild: lorenzwalthert

«So etwas kann nur in Bern passieren»

Von Jean-Claude Raemy

Die Chefs von Belpmoos Reisen und Schär-Reisen, Urgesteine der Berner Reiseszene, lassen kein gutes Haar an der Skywork. Grossunternehmen aus dem Raum Bern hoffen derweil auf eine Wiederaufnahme wichtiger Hub-Anbindungen.

Beat Iseli, Belpmoos Reisen

«Ich bin putzhässig» sagt Beat Iseli. Der Gründer und Inhaber von Belpmoos Reisen verzeichnet infolge des Skywork-Groundings «über 1000 direkt betroffene Kunden». Sein Team musste seit dem Grounding Extraschichten einlegen: «Am vergangenen Wochenende waren manche Mitarbeiter bis 22 Uhr im Büro», so Iseli. Für die Firma sei es ein «finanzielles Desaster», welches er allerdings noch nicht genau zu beziffern vermag. Besonders sauer stösst Iseli auf, dass von Skywork-Seite noch am Tag des Groundings versichert wurde, dass die geplante Strecke Lugano-Genf eben wie geplant aufgenommen würde.

Iseli war lange Jahre eng mit der Skywork verbandelt. Er, der 1993 Aaretal Reisen gegründet hatte, verkaufte das Unternehmen im September 2011 an Daniel Borer, den damaligen Eigentümer der Fluggesellschaft Skywork - mit der er sich zuvor überworfen hatte. Nach seinem Austritt zügelte die Firma 2012 von Münsingen nach Belp und firmierte sich in Skywork Travel um. Diese Firma betrieb ein (nie rentables) Reisebüro an bester Lage in Bern, welches aber später nach Belp zog, und wurde 2013 aus dem Garantiefonds der Schweizer Reisebranche ausgeschlossen, konnte dann aber weitermachen und nahm später, gegen Ende 2013, auch wieder den Namen Aaretal Reisen an. Iseli hatte derweil, im März 2013, bereits Belpmoos Reisen gegründet – und beschäftigte dort seither einige ehemalige Aaretal-Angestellte. Natürlich verkaufte er seiner Berner Kundschaft sehr viele Flüge/Reisen ab Bern-Belp.

«Man hätte diese Pleite anders lösen können», ist Iseli überzeugt, «Skywork hätte ihren Partnern Hand bieten müssen, statt einfach so Knall auf Fall zu grounden». Für Kunden, die nach Elba fliegen wollten, gebe es kurzfristig gar keine vernünftigen Alternativen. Eine «schlimme Situation», wie Iseli bemerkt.

Für ihn liegt einer der Hauptgründe für das Scheitern von Skywork in der zuletzt betriebenen Führungsstruktur: «Martin Inäbnit war CEO, Verwaltungsrat und alleiniger Unterschriftsberechtigter – und das wurde nie hinterfragt. So etwas kann nicht gut gehen.»

«Vielleicht verkaufen wir künftig bei alle Flügen eine AIP mit»

Martin Reber, Schär-Reisen Bern AG

Denselben Vorwurf äussert auch Martin Reber (Schär-Reisen Bern AG) – und nicht nur das: «Anfangs suchte Skywork noch den Kontakt zur Reisebranche, zuletzt allerdings gar nicht mehr. Anfangs gab es GIT-Tarife und Spezialkonditionen, später war das alles weg. Dabei wäre doch diese Airline auf Goodwill angewiesen gewesen, im Gegensatz zu grösseren Airlines wie Swiss oder Easyjet, um die man eh nicht herumkommt.» Immerhin komme seine Firma mit einem blauen Auge davon: «Wir haben etwa 30 betroffene Dossiers und eine Schadenssumme, welche unter 10‘000 Franken liegt.» Dies, weil viele Nur-Flüge verkauft wurden, die Durchschnittspreise der Skywork-Flüge tief waren oder auch weil bei einer Gruppenreise einer «Airline Insolvency Protection» (AIP-Versicherung) mitgekauft wurde.

Reber erwägt inzwischen gar ernsthaft, ob er künftig bei allen verkauften Flügen – ausser im Rahmen von Pauschalarrangements – eine AIP automatisch mitverkaufen will.

Reber spricht wohl auch zahlreichen Reisebüros aus dem Herzen, wenn er sagt, dass es gar nicht mehr gehe, dass Airlines keine Kundengeldabsicherung haben, «zumal ja einige dieser Airlines auch Hotels und Mietwagen verkaufen». In diesem Zusammenhang fragt sich Reber, ob Skywork überhaupt genügend Rückstellungen für die Ausbezahlung der ausstehenden Löhne der gekündigten Skywork-Mitarbeiter gemacht habe.

Ebenso echauffiert sich Reber aber auch an der Berner Wirtschaftsförderung, welche finanziell dem Flughafen kaum zur Seite steht: «Der Flughafen Bern als kleiner Regional- und Zubringerflughafen, geeignet für Charterflüge in den Mittelmeerraum, wird von der Stadt Bern nur mit Lippenbekenntnissen "unterstützt", dafür war die Millioneninvestition in das kläglich gescheiterte Akku-Velostationen-Projekt in Bern unbestritten. Und der Kanton ist Ausgleichsempfänger und will von Zentrumsfunktonsaufgaben der Stadt Bern auch nichts wissen, schliesslich muss er die Subventionen im ganzen Kanton vom Grimselpass bis St.-Imier gleichmässig verteilen. So hofft der Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann in den Medien, dass es in Bern-Belp auch künftig ein Grundangebot an Linienflügen geben wird - von selber, selbstverständlich! Wie ist es da verwunderlich, dass ein Martin Inäbnit 12‘000 Passagiere, TO's und Dutzende Reisebüros mit einem Grounding in den Abgrund führen kann, welches man stümperhafter kaum hätte vollziehen können. Dies kann nur in Bern passieren!»


Strecke Bern-München wird schmerzlich vermisst

Die Frage stellt sich, welche Routen ab Bern am meisten vermisst werden. Beat Iseli erwähnte oben Elba; für Martin Reber ist klar, dass «die Balearen, Griechenland und ein paar wichtige Städte erhalten bleiben müssten.» Andres Gerber (Aaretal Reisen) hatte bereits gestern davon gesprochen, dass aus seiner Sicht ebenfalls Elba, aber auch Menorca oder Cagliari problematisch sind.

Jobst Wagner, Präsident Rehau-Gruppe

Wie sehen grosse Arbeitgeber aus dem Raum Bern die Wegfälle der Skywork-Flüge? Dort werden verständlicherweise eher Anbindungen an Hubs vermisst. Einer der direkt Betroffenen ist Jobst Wagner, Verwaltungsratspräsident der Rehau-Gruppe, einer weltweit tätigen Polymerverarbeitungsfirma mit Sitz in Muri bei Bern. Er bestätigt auf Anfrage von travelnews.ch, dass die Rehau-Manager sehr oft mit Skywork flogen: «Insbesondere die Strecke Bern-München wurde über Jahre hinweg regelmässig mehrmals wöchentlich von einer nicht unerheblichen Anzahl von Rehau-Mitarbeitern, aber auch Geschäftspartnern, benutzt. Die Einstellung dieser Verbindung ist für unser Unternehmen, aber auch allgemein sehr bedauerlich und schmerzhaft.»

Für Wagner bzw. die Rehau lag der Vorteil von Bern in der kurzen Anfahrt und Abfertigung: «Das war und ist Berns USP. Die Flughäfen in Zürich, Basel oder Genf können das nicht leisten. Dies gilt natürlich nur für regionale Flüge innerhalb Europas. Interkontinental ist Zürich nicht wegzudenken.» Bis auf weiteres müssen die Rehau-Manager und –Partner also entweder auf Zürich ausweichen oder die zurzeit spärlichen lokalen Alternativen brauchen.

Auch bei der RUAG Holding, einem Technologiekonzern mit Sitz in Bern und hauptsächlich in den Märkten Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Sicherheit tätig, wird vor allem eine Strecke schmerzlich vermisst: «Die Direktflüge Belp–München waren für RUAG wichtig, weil die Möglichkeit bestand, am gleichen Tag morgens hin und abends wieder zurückzufliegen», erklärt RUAG-Sprecherin Kirsten Hammerich auf Anfrage von travelnews.ch.

Ansonsten könne die RUAG als bundeseigener Technologiekonzern sich nicht aktiv engagieren, um aus Bern wieder einen «Hub-Flughafen» zu machen. Bei der Rehau ist das leicht anders: Jobst Wagner ist seit Jahren im Verwaltungsrat der Flughafen Bern AG: «Insofern fungiere ich hier als Interessensvertreter sowohl für die Berner Wirtschaft als auch für Rehau.»