Reiseanbieter

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Hatten Spannendes zu diskutieren: Gillian Tans (l.), CEO von Bokking.com, und Moderator Philip C. Wolf am «ITB Future Day» in Berlin. Bild: ITB

Booking.com plant Einbindung von Flugverkauf

Der Hotelbuchungs-Gigant versucht, zum vollständigen Reise-Portal zu werden. Derweilen schielt Expedia noch vermehrt auf Europa.

An der ITB gab es einige viel beachtete (sprich: extrem gut besuchte) Interviews mit Führungspersonen einiger wichtiger Online-Reisekonzerne im Rahmen des «ITB Future Day». Von Phocuswright-Gründer Philip C. Wolf wurden da unter anderem Gillian Tans (CEO Booking.com), Mark Okerstrom (CEO Expedia) und Jane Jie Sun (CEO Ctrip) interviewt. Das war per se schon sehr spannend, denn diese drei Unternehmen sehen sich - gemeinsam mit AirBnB - in einem globalen Vierkampf im Online-Reisesegment. Die in den Interviews genannten Umsatz- und Mitarbeiterzahlen waren ebenso faszinierend wie Aussagen zur Zukunft von AI (künstliche Intelligenz) oder der steten Verbesserung der eigenen Plattformen. Expedia alleine hat beispielsweise 22'000 Angestellte, darunter 6000 Software-Ingenieure, welche sich alle um den Online-Auftritt des OTA-Giganten kümmern. 

Am spannendsten war dann aber doch die Aussage von Gillian Tans, dass Booking.com aktuell darüber nachdenke, Flüge in ihr Hotelbuchungsportal einzubinden. Aktuell können auf der Booking-Webseite ja «nur» Unterkünfte gebucht werden. Allerdings sei dies nicht zwingend; Tans machte eine Flugeinbindung davon abhängig, ob Kunden dies überhaupt wünschen oder eben nicht. Allerdings gebe es bereits im Test befindliche Oberflächen, mittels derer man dann bei Probanden Feedback und wertvolle Rückschlüsse erhalten kann.

Scheideweg «Zahlungsoptionen und Bitcoin»

Tans erklärte überdies, dass Booking.com an weiteren Zahlungsoptionen arbeite. Hierbei spiele jedoch Bitcoin keine Rolle, und generell keine Blockchain-basierten Zahlungsmethoden. Okerstrom dagegen erklärte, dass Expedia sehr wohl Bitcoin als Währung akzeptiere, via einer Zusammenarbeit mit der Firma Coindays - doch gebe es damit bislang «wenig Umsatz, weil nur wenige Konsumenten mit Bitcoin bezahlen.»

Okerstrom erzählte lieber mehr über den neuen «Shopping Cart» auf der Expedia-Webseite, mit welchem man Flug, Hotel, Mietwagen und mehr noch leichter als bisher bündeln könne und auch spannende Preise erhalte, «weil unsere Partnerfirmen und spezielle Preise gewähren, damit wir ihre Produkte einfach und effizient bündelbar machen», so Okerstrom. Es gehe darum, «das A zurück in den Begriff OTA zu bringen», also verstärkt als Agentur und nicht einfach als Plattform wahrgenommen zu werden. Im selben Atemzug erklärte Okerstrom aber auch, dass er sein Unternehmen primär als «Tech Company» und weniger als Reiseveranstalter sehe.

Was Okerstrom ebenfalls festhielt: Expedia sei in den USA extrem stark, doch global noch weit entfernt von dem, was man werden könne. Da wird nun mehr investiert bzw. über Partnerschaften aufgebaut werden. Wenn also Expedia noch stärker nach Europa drängt und Booking.com Flüge einbindet und Ctrip seine enorme chinesische Präsenz mal global gehen lässt... dann werden sich Reiseveranstalter in Europa noch wärmer als bisher anziehen müssen.

Riesiger Andrang herrschte beim Interview mit Expedia-CEO Mark Okerstrom (vorne rechts und auf dem Bildschirm).

(JCR)