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Abgelegen und doch luxuriös, wie das Brando Resort in der Südsee: Luxusreisen definieren sich immer wieder neu. Bild: Pinterest

Das sind die wichtigsten Trends bei Luxusreisen

Luxusreisen sind ein weites Feld. Wonach wird gefragt und welche Segmente sind neu? Travelnews.ch hat sich bei einigen Akteuren umgehört.

«Luxus» ist ein nicht genau definierter Begriff. Zum einen variiert es von einer Person zur nächsten, was diese als luxuriös empfindet. Man kann Luxus als materiellen Begriff verstehen, der sich an teuren Gütern festmachen lässt, oder auch als immateriellen, wenn eher Prestige und ähnliche emotionale Bedürfnisse gemeint sind.

Angesichts dieser Tatsache lässt sich auch der Begriff «Luxusreisen» kaum sinnvoll abstecken. Klar ist nur, dass das Verständnis von Luxusreisen sich mit dem Zeitgeist verändert – unveränderbar sind dabei jeweils nur die Elemente der Exklusivität, Authentizität und des Seltenheitswertes. Dies geht auch aus den Antworten hervor, welche travelnews.ch in einer Umfrage erhalten hat. Befragt wurden Globus Reisen/Travelhouse (Hotelplan Schweiz), Airtours (TUI Suisse), Kuoni/Premium Specialists (DER Touristik Schweiz) sowie Luxusreiseexperte Dawa Sigrist (TCTT GmbH), welcher jüngst den «Luxury Travel Day» in Erlenbach durchführte. Wir wollten wissen, welche Trends im Luxusreisesegment aktuell vorherrschen und was in Bezug auf Produkte, Destinationen und Service gefragt ist. Wir haben versucht, dies in gewissen «Trendgruppen» zusammen zu fassen.

Die Destination ist oft nicht das entscheidende

Fragt man nach, was im Bereich Luxusreisen als Zielgebiet im Trend ist, kommen differenzierte Antworten. Klar hört man «Klassisches», also Zielgebiete mit hohem Dossierwert wie etwa Malediven, Mauritius, Botswana, Costa Rica oder die Emirate, aus den näher gelegenen Zielen Sardinien oder Spitzbergen – aber auch «Herkömmliches» wie Spanien oder Griechenland, wo von Mykonos-Dossiers für über 30‘000 Franken die Rede ist. Da sich heute fast jedermann Reisen zu abgelegenen oder früher exklusiv auf solvente Kundschaft ausgerichtete Ziele leisten kann, muss man im Luxussegment Mehrwert bringen.

Maren Wesselmann (Airtours) erklärt: «Die Differenz liegt bei den unvergesslichen Reiseerlebnissen auf höchstem Niveau. Dazu gehören etwa Luxuslodges fernab der Masse oder auch ein Rundum-Erlebnis mit einem Lifestyle- und Gesundheitsgedanken, wie etwa eine Kombination von Reisen und Yoga, oder eine Reise mit einem gesamtheitlichen Gesundheits- und Ernährungskonzept.» Mit anderen Worten: «Erschwingliche Luxusangebote» haben die Messlatte für echte Luxusreise weiter nach oben verschoben. Wobei Dawa Sigrist (TCTT) relativiert: «Mauritius war früher eine Luxusdestination. Durch die Golfcarrier wurde die Insel günstiger zugänglich und für breitere Schichten interessant. Man merkt aber, dass mit den Nonstopflügen von Edelweiss die Nachfrage im Luxussegment wieder angezogen hat. Convenience ist eben auch sehr wichtig im Luxussegment.» Ebenso stelle er fest, dass «Luxusreisende» sich oftmals mehr an Möglichkeiten vor Ort als an der Destination selbst orientieren – etwa Golfreisende, welche top-Golfplätze mit guter Zugänglichkeit an einem warmen Ort suchen. Wo dieser liegt und was das kostet, sei sekundär.

Einzigartigkeit muss sein

Die Welt ist durch den liberalisierten Flugmarkt nicht nur einfacher und günstiger zu bereisen, die Globalisierung hat überdies zu einer Art «Homogenisierung» vieler Städte geführt. Der Starbucks sieht in New York gleich aus wie in Singapur oder in Kapstadt. Das hat ein starkes Bedürfnis nach Einzigartigkeit und auch Authentizität ausgelöst, welches schwieriger zu erhalten und damit teurer ist (und somit oft, aber nicht immer, in die Kategorie «Luxus» fällt. Spezialisierte Anbieter kreieren einzigartige Erlebnisse.

Bei Globus Reisen etwa sind laut Sprecherin Prisca Huguenin speziell die eigens zusammengestellten Kreuzflüge rund um die Welt gefragt, aber auch Flug-Safaris im Privatflugzeug durch Afrika oder exklusive Reisen mit integrierten Zusatzleistungen, wie beispielsweise eine Mietwagen-Rundreise in Irland mit einem Oldtimer oder eine Fotoreise durch Costa Rica mit einem Fotografen.» Kuoni-Sprecher Markus Flick bemerkt, dass natürlich Fünfsternhotels gut gefragt sind, aber auch ein klarer Trend hin zu aussergewöhnlichen Boutique- und Trendhotels, teils an abgelegenen Orten existiere. Heute findet man hohen Luxus an völlig abgelegenen Orten, etwa das Fogo Inn in Neufundland oder das Brando in der Südsee. «Trotz der Abgeschiedenheit sind die Erwartungen an Infrastruktur, Service und Sicherheit bei Luxusreisenden hoch», bemerkt Sigrist, «insofern geht es weniger um Abenteuer als vielmehr um Abgeschiedenheit.»

Service von A bis Z ist gefragt

Womit wir beim Punkt «Service» sind. Dies heisst längst nicht mehr nur, dass alles wie geplant klappt oder dass man besonders freundlich ist. Hier geht wie bereits erwähnt darum, Aussergewöhnliches bieten zu können, wie eben geführte Touren. «Exklusive Zusatzleistungen, wie beispielsweise ein Shopping-Guide in einer Stadt oder ein Motorboot-Ausflug an einen einsamen Strand», heisst es bei Globus Reisen; «spezielle Annehmlichkeiten im Hotel, ein Chauffeur-Service von Zuhause zum Flughafen, ein spezieller Lunch während der Fahrt vom einen zum anderen Hotel und ganz viele weitere kleinere und grössere Vorteile» bei Airtours. Das kleine Extra, sowohl beim Produkt als auch in der eigentlichen Verkaufs-Dienstleistung, ist wesentlich.

«Es braucht einen Topservice, der bereits vor der Reise beginnt und nicht mit dem Rückflug endet - hier sind Vertrieb, die Tour Operators und vor allem auch die Agenten vor Ort stark gefordert», heisst es von Seiten DER Touristik. Sigrist bringt es folgendermassen auf den Punkt: «Luxusreisen anzubieten heisst heute, das Bedürfnis des Kunden genau zu verstehen und ihm genau das bieten zu können, was er sich wünscht.» Dies, auch wenn es aussergewöhnlich sei oder auch mal, wenn es Durchschnitt sei und man es selber nicht empfehlen würde: «Ein Kunde, der zwei Monate unterwegs ist und 100‘000 Franken bezahlt, wird vielleicht auch mal etwas wollen, was nicht luxuriös ist – das muss man ihm lassen, ausser man hat einen triftigen Grund, davon abzuraten. Es darf auch für einen Luxusreisenden mal echtes Abenteuer und nicht nur Luxus-Abenteuer geben.»

Unter dem Strich dürfte klar sein, dass «Travel Designer» mehr denn je gefragt sein werden – solche, die genau wissen, was zu empfehlen ist, und dies während der Beratung in ein spannendes Storytelling verpacken. Denn wer etwas auf sich hält, lässt sich eine hochkomplexe Reise vom Agenten, pardon «Travel Designer», massgeschneidert zusammenstellen. Die OTA-Buchung ist was fürs Normalvolk.

Erlebnis und Nachhaltigkeit nehmen an Wichtigkeit zu

Luxus ist also nicht gleichzustellen mit Fünfsternhotel. Es geht primär um Erlebnisse, Einzigartikeit, Authentizität – aber dies natürlich auch exquisit. Es ist offensichtlich, wie stark aktuell im Kreuzfahrtbereich das Segment der «Expeditionsreisen» wächst. Diese sind teuer, meist von Experten begleitet, führen an abgelegene Orte, und dies nicht mehr so wie früher auf russischen Eisbrechern, sondern auf topmodernen Expeditionsschiffen. In dieser Entwicklung widerspiegelt sich der oben genannte Trend.

Ebenso ist festzustellen, dass Hotels oder Reiseunternehmen vermehrt auf Nachhaltigkeitsthemen setzen – in der übervölkerten Welt können sich immer mehr nur Gutbetuchte das Hotel weit draussen in der Natur leisten. Und dieses soll bitte nachhaltig wirtschaften, der Luxuskunde will ja schliesslich keinen Imageschaden erleiden. Andere Hotels wie Amanresorts oder Six Senses setzen dagegen vermehrt auf «community work», also den Einbezug der Lokalbevölkerung. Wie authentisch das ist oder gewissermassen postkolonialistisch, sei mal dahin gestellt: Die Nachfrage nach Authentizität bietet bisher wenig vom Tourismus profitierenden Teilen der Lokalbevölkerung sich gute Chancen im Austausch mit gut bezahlenden Touristen.

Der Luxusreisekunde ist nicht eindimensional

Wie sieht die Zielgruppe im Luxussegment aus? «Wir sehen, dass vermehrt ältere Kunden, aber auch Paare mehr Geld für ihrer Reisen ausgeben: Einerseits sind die Leute auch im Alter fitter und haben entsprechend auch die finanziellen Mittel, andererseits gibt es immer mehr ‚Dinks‘ (Double Income, No Kids), die entsprechend mehr ausgeben können und wollen», sagt Prisca Huguenin (Globus Reisen). «Etwas mehr als die Hälfte der hochwertigen Dossiers betreffen Senioren und knapp die Hälfte dieser Reisen wird zu zweit durchgeführt», meldet Markus Flick (DER Touristik). Das sind also recht klassische Zielgruppen.

Etwas differenzierter klingt es bei Maren Wesselmann (Airtours): «Natürlich sind es mehrheitlich ‚Dinks‘, aber auch kulturinteressierte Paare, eine Reisegruppe von Freunden dieviel Wert auf Lifestyle und Design legen, oder auch Familien, die komfortabel reisen wollen.» Auch Dawa Sigrist (TCTT) spricht von einer Segmentierung im Luxusbereich und davon, dass auch immer mehr Familien sich «Luxusferien» gönnen – vielfach in Form einer «Multigenerationenreise». Und es stimme nicht, dass Luxus und Kinder sich praktisch ausschliessen: «Viele Kinder sind in High-End-Etablissements sehr willkommen – und vielleicht auch daran gewöhnt, dass es keine herkömmliche Animation gibt», so Sigrist. Dass der heutige Luxuskunde beileibe nicht nur der wohlhabende Senior oder das kinderlose Paar ist, hat übrigens die Luxushotelkette Rosewood jüngst in einer wunderbaren globalen Werbekampagne festgehalten.

Höhere Nachfrage wird erwartet

Seit der Einführung der Premium-Reisemarke Globus Reisen vor 12 Jahren habe die Nachfrage nach luxuriösen Reisen stetig zugenommen, was sich in inzwischen schweizweit sieben Globus Reisen Lounges widerspiegelt, heisst es bei Hotelplan. Auch deren Umsätze seien weiter am Steigen. «Das Luxusreisesegment wird sicherlich wachsen», glaubt auch Maren Wesselmann (Airtours) – sie sieht gegenüber den Spezialisten, welche naturgemäss sich eher im gehobenen Segment bewegen, einen Vorteil für sich darin, dass Airtours eben nicht nur in einem spezialisierten Gebiet Luxus anbietet, sondern weltweit, «vom Städtetrip in Valencia bis hin zum Gorillatrekking in Ostafrika».

Bei DER Touristik will man das Angebot an Marken-Hotels im High-End-Bereich weiter ausbauen; zur Schaffung einer Luxusmarke meint Flick indes nur, dass man das Produktportfolio «auf Erweiterungen oder Ergänzungen, in der Breite oder in der Tiefe, kontinuierlich betreibt.» Auch Sigrist erwartet weiterhin steigende Nachfrage in diesem Segment - wohl wissend, dass nicht genau definiert ist, was alles dazu zählt: «Der Kreuzflug für 130'000 Franken ist ebenso Luxus wie ein Yak-Trekking für 2000 Franken.»

(JCR)