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Martin Wittwer, CEO TUI Suisse, und Maren Wesselmann, Brand Manager Airtours, hatten an der Präsentation des Sommerprogramms 2018 viel Gutes zu erzählen. Bild: TN

TUI Suisse: Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum

Der Veranstalter hat für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Rekordergebnis angekündigt und legt ein weiter ausgebautes Sommerprogramm 2018 vor. CEO Martin Wittwer will weiterhin in allen Sparten wachsen.

Ende September hat TUI Suisse ihr Geschäftsjahr 2016/2017 abgeschlossen. Obwohl der TUI-Konzern detaillierte Zahlen erst Mitte Dezember liefern wird, liess Martin Wittwer, CEO TUI Suisse, an einer Medienkonferenz am Zürcher TUI-Hauptsitz schon durchblicken, dass TUI Suisse ein Rekordergebnis erzielt habe. Damit meinte er nicht primär die 12 Prozent mehr Umsatz, sondern den Gewinn. «Wir sind zweifellos der Profitabelste der grossen Schweizer Generalisten», wiederholte Wittwer, um sogleich wieder darauf hinzuweisen, dass er sich eigentlich nicht an diesen messen will.

Wittwers Auftrag ist klar: «Wachstum beim Ertrag, sowie Wachstum des Geschäfts in allen Kanälen», erklärt er gegenüber travelnews.ch. Um dies zu erreichen, sei ein Transformationsprozess notwendig: Bei den Systemen, bei den Mitarbeitenden, bei der Betrachtung des Tourismus als Ganzes. Also im Bereich der Digitalisierung und des Mobile-First, bei der Kundenorientierung der eigenen Belegschaft und mit der Schaffung einer zeitgemässen Strategie. «Ich denke, dies gelingt uns und dem ganzen TUI-Konzern derzeit recht gut», so Wittwer.

Untermauern kann er dies auf jeden Fall mit Zahlen. «Schaut man sich unseren Vertriebsmix an, haben wir im Eigenvertrieb um 8 Prozent, im Fremdvertrieb um 9 Prozent und im Online-Vertrieb um 32 Prozent zugelegt», sagt Wittwer. Weiterer positiver Faktor war der Umstand, dass die TUI-Kunden letztes Jahr längere Ferien verbrachten und dass dadurch auch der Durchschnittspreis von 1044 auf 1109 Franken pro Person stieg.

Durch das Erstarken des Euro dürfte es da und dort auch im laufenden Geschäftsjahr zu höheren Preisen kommen. Wittwer glaubt nicht, dass dies das Wachstum von TUI Suisse eindämmen wird, zumal ja auch die anderen Veranstalter betroffen seien. «Und sollte es zu einem Preiskampf kommen, nehmen wir diesen an», erklärt der dienstälteste Topmanager der Schweizer Reisebranche selbstbewusst.

«Der Maghreb ist zurück»

Dass TUI Suisse ein Rekordergebnis verzeichnet in einem Geschäftsjahr, welches unter anderem durch den Putschversuch in der Türkei, die Wahl Donald Trumps in den USA, die Pleite von Air Berlin oder diverse Hurrikane in der Karibik geprägt war, hat für Wittwer aber noch einen anderen Grund: «Die Cross-Border-Problematik schwächt sich ab.» Ein Vergleich von Sommer 2016 und Sommer 2017 habe gezeigt, dass fünf der knapp 30 Prozent Cross-Border-Buchungen vom Sommer 2016 im Sommer 2017 wieder über TUI Suisse anstelle TUI Deutschland gebucht wurden. Diese Zahlen basieren auf der Auswertung von Reisen mit Abflug ab Zürich. «Solche Zahlen zeigen mir, dass wir alles richtig machen und unsere Kunden die Schweizer Beratung und das Schweizer Servicelevel schätzen», ergänzt Wittwer.

In Bezug auf die meistgebuchten Destinationen im abgelaufenen Geschäftsjahr gibt es wenige Überraschungen: Das waren, in dieser Reihenfolge, Spanien, Griechenland, Italien, die USA, die Malediven, die Dominikanische Republik und Thailand. Prozentual grösste Aufsteiger waren dagegen die Kapverden, Mexiko und die Emirate. Doch Wittwer ortet neue Trendziele: Sehr gute Nachfrage gebe es etwa für Serbien, Montenegro und Kroatien, darüber hinaus auch Bulgarien. Zwar auch noch nicht auf früherem Niveau, aber wieder sehr deutlich am Steigen sei die Nachfrage für Tunesien, Marokko und Ägypten. «Der Maghreb ist zurück», glaubt Wittwer.

Sicherlich noch ein weiterer Grund für den Erfolg ist das anhaltende Wachstum von Airtours, der Luxusmarke unter dem TUI-Dach, welche vor vier Jahren in der Schweiz eingeführt wurde und sich seitdem bestens etabliert hat.

Mehr als 200 eigene Hotels

Und wie ist das aktuelle Geschäftsjahr bislang am laufen? Beim Wintergeschäft liege TUI Suisse aktuell 13 Prozent über Vorjahr. Am besten nachgefragt? Die Malediven, Phuket, Gran Canaria, Punta Cana und Mauritius, die allesamt zweistellig im Plus seien. Auch das Sommerangebot 2018, seit August buchbar, sei schon zu 10 Prozent drin. Aktuell am besten nachgefragt ist, wie üblich, Mallorca, vor Kos und Kreta. Bemerkenswert: Die Südtürkei ist bereits wieder auf Rang 4 der am besten nachgefragten Sommerziele.

Ein weiterer Wachstumsgarant ist die bei TUI weit fortgeschrittene vertikale Integration. Bereits über 200 eigene Hotels sind im Portfolio. Im kommenden Jahr stossen 17 weitere dazu: 4 TUI Blue, 1 Riu, 1 Magic Life Club, dazu im Segment der Familienhotels 2 TUI family und 9 TUI best family.

Der Reisesommer 2018 steht bei TUI ohnehin ganz im Zeichen der Familien. Nicht nur durch den Ausbau der familienfreundlichen Hotelkonzepte, sondern auch mit der Einführung des neuen Qualitätssiegels «TUI Family Champion» (welches sich an den Bewertungen von Familienhotels bei TUI-Partner Holidaycheck abstützt) und Kinderfestpreisen ab 169 Franken (buchbar bis Ende November und gültig in 20 beliebten Zielen). Weiter hat TUI das Familienangebot im Sommer 2018 um rund 10 Prozent ausgebaut. Insgesamt bietet TUI rund 12‘300 Hotels mit Familienzimmern an, über 2500 Unterkünfte verfügen sogar über spezielle Single-mit-Kind-Zimmer. Einen Kinderclub finden TUI Gäste in rund 20‘300 Hotels, 16‘000 Anlagen bieten auch Kinderanimation an.

Auf Seite der Fluglösungen setzt TUI weiterhin hauptsächlich auf Edelweiss, während Germania einen Grossteil der Air-Berlin-Flüge beerbt. Mit den Flügen von TUIfly kommt auch hier die vertikale Integration zum Tragen. Doch laut Wittwer werden nur noch rund 30 Prozent der Flüge im Chartersystem verkauft, der Rest wird direkt gesourced, so dass Statistiken wie die Folgende etwas an Bedeutung verlieren.

TUI-Marke wird immer bekannter

Wichtig für das erklärte Ziel «Wachstum» ist natürlich auch die Bekanntheit der Marke. Auch da hat Wittwer gute Nachrichten. Laut GfK-Umfragen habe der Markenbekanntheitsgrad von TUI in der Schweiz in den letzten beiden Jahren zugenommen, während derjenige wichtiger direkter Konkurrenten abgenommen habe.

Wittwer ist sich klar, dass der Gesamtmarkt wenig wachse und er deshalb in der Schweiz vor allem über Marktverdrängung wachsen müsse. Gemessen an all den beschriebenen Vorzeichen geht er davon aus, dass ihm dies auch im aktuellen Geschäftsjahr wieder gelingen wird.

(JCR)