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Kurz vor der Hauptversammlung hat TUI die Travelopia abstossen können. Bild: TUI

TUI verkauft seine Spezialreisesparte an KKR statt Kuoni

Die heutige TUI-Generalversammlung dürfte zudem wegen einem Grossinvestor für Zündstoff sorgen.

Die TUI in Hannover verkauft ihre Spezialreise-Sparte Travelopia an den Finanzinvestor KKR. Damit geht die Kuoni Group, welche zusammen mit KKR und Warburg Pincus im Rennen war, leer aus.

Die am Montag geschlossene Verkaufsvereinbarung der TUI mit der New Yorker Investmentfirma sieht einen Verkaufspreis von 325 Millionen Britischen Pfund vor, also rund 381 Millionen Euro. Der Preis liegt nicht nur deutlich unterhalb der von TUI erhofften 500 Millionen Euro, sondern bringt weitere Probleme mit sich: Der Verkauf führe voraussichtlich zu Aufwendungen von 133 Millionen Euro, so TUI. Dazu tragen auch Fremdwährungsverluste bei. Zudem müssen die Aufsichtsbehörden dem Deal noch zustimmen. TUI erwartet aber, dass das Geschäft etwa ab April vollzogen werden kann.

Die Sparte Travelopia mit ihren rund 50 TO-Marken erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 einen Umsatz von knapp 1,2 Milliarden Euro. Der bereinigte EBITA lag bei 26 Millionen Euro. Der Kaufpreis von KKR liegt damit 14,6 Mal über dem EBITA von Travelopia. Travelopia stand zum Verkauf, weil TUI diese nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Lediglich die Marken Crystal Ski und Thomson Lakes & Mountains wurden von TUI behalten; deren Gäste aus Grossbritannien und Irland füllen im Winter die britischen TUI-Flugzeuge.

TUI ist mit der Geschäftsentwicklung zufrieden

Den Verkauf teilte der TUI-Konzern nur wenige Stunden vor seiner heutigen Hauptversammlung in Hannover mit. Die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September sieht TUI durch den Verkauf nicht in Gefahr. So soll der um Sonderposten bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte (bereinigtes EBITA) weiterhin um mindestens 10 Prozent steigen - wenn man Währungsschwankungen herausrechnet.

Zudem legte TUI noch seine Zahlen für das erste Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember vor. Diesem zufolge betrug der Umsatz rund 3,29 Milliarden Euro, ein Wachstum von 2,3% gegenüber demselben Vorjahresquartal. Grosses Wachstum kam aus den Sparten «Hotels&Resorts» sowie «Kreuzfahrten», dagegen verloren die regional gegliederten Quellmärkte. Die Region zentral, zu welcher nebst Deutschland unter anderem auch die Schweiz gehört, erzielte einen Umsatz von 1,14 Millarden Euro, was ein Plus von 4,7% ist – aber auch ein bereinigtes EBITA von -52,4 Millionen Euro, was fast doppelt so hoch ist wie im vergleichbaren Vorjahresquartal.

Interessant ist auch, dass der EBITDA bei 32,6 Millionen Euro liegt, was positiv ist. Allerdings schrumpfte die Mitarbeiterzahl von 64‘594 am 31.12.2015 auf 56‘766 am 31.12.2016: ein Abbau von 12,1% der Belegschaft.

Hauptversammlung: Was will Alexej Mordaschow?

Ein völlig anderer Aspekt dürfte aber die heutige TUI-Generalversammlung massgebend prägen: In den vergangenen Wochen kaufte der russische Oligarch Alexej Mordaschow kräftig Aktien des Reisekonzerns TUI hinzu und hält nun 22 Prozent. Was seine Beweggründe dafür sind, ist völlig unklar. Es wird spannend sein zu sehen, ob die TUI-Aktionäre, darunter auch Kleinaktionäre, Herrn Mordaschow zur Rede hinsichtlich seiner Absichten stellen können.

(JCR/AWP)