Reiseanbieter

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An der Neuen Hard in Zürich gibt es noch zahlreiche Baustellen zu beheben. Bild: TN

Kommentar Kuonis langer Weg zurück

Von Gregor Waser

Mit dem neuen CEO Dieter Zümpel will Kuoni den Turnaround schaffen. Vorerst türmen sich aber die Fragen.

Dieter Zümpel ist angekommen. Nach 100 Tagen im Amt als CEO bei Kuoni Schweiz kennt er die vielen Mitarbeiter persönlich, weiss über jede Baustelle Bescheid und ist sich über die anstehenden Herausforderungen im Schweizer Reisemarkt im Klaren. Und wie ihn viele Branchenleute schon im November in Interlaken an der SRV-GV kennengelernt haben, hat er sich diese Woche beim Interview gezeigt: Zümpel ist offen, zugänglich und trotz seiner langjährigen Karriere neugierig und lernwillig.

Der Mann will mit aller Kraft Kuoni wieder auf die Erfolgsspur bringen und sagt: «Ich habe keine Lust mit meiner Mannschaft so hart zu arbeiten, um am Ende Verluste zu schreiben». Den von oben diktierten angestrebten Turnaround per 2018 hat er als persönliches Ziel verinnerlicht.

Bis zum angestrebten, ausgeglichenen Ergebnis im nächsten Jahr ist es aber noch ein weiter Weg. In den vergangenen Jahren ist der einstige 900 Millionen-Umsatz wohl um die Hälfte geschrumpft, viel Know-how auf Personalseite ging verloren oder wurde nach Frankfurt und Köln ausgelagert. Und die langjährigen IT- und Systemprobleme werden nun erst Schritt um Schritt gelöst. Genau da liegt das grösste Problem von Kuoni: Die Firma ist vor allem mit sich selber beschäftigt.

Während Helvetic Tours wieder an Sichtbarkeit im Markt gewonnen hat, leidet Kuoni weiterhin. Primär eben wegen besagten technischen Problemen, sei es mit Phoenix Unlimited oder auch mit Pricecoach. Man hört von der Konkurrenz, dass sie vermehrt Buchungen von Kuoni-eigenen Filialen erhalten. Das deutet auf Serviceprobleme an der Neuen Hard hin. Da hilft es wenig, wenn die Filialen die besten Berater haben und den schweizweit grössten Filialketten-Umsatz machen – beides Aussagen übrigens, welche in der Branche als diskutabel empfunden werden dürften.

Zümpel wird bemüht sein müssen, die Goldesel im eigenen Haus nicht zu vergraulen.

Und was ist mit der bisherigen Goldgrube, den Spezialisten? Diese bleiben vorerst unangetastet. Aber nur bedingt: Der neue Katalog «Indischer Ozean» unter Kuoni-Brand, aber mit deutschem Inhalt, konkurrenziert auch Tochter Manta Reisen. Dem Vernehmen nach werden weitere Destinations-Kataloge kommen, welche internen Druck auf die Spezialisten ausüben könnten. Zümpel wird um eine sorgfältige Balance bemüht sein müssen, um die Goldesel im eigenen Haus nicht zu vergraulen.

Die Branche wird auch genau beobachten, ob es nicht doch zu einem weiteren Personal-Abbau kommt. Jetzt, wo die Talsohle stimmungsmässig durchschritten ist, wie Zümpel es formuliert, wäre eine solche Massnahme giftig. Und würde der – immerhin nur in der Schweiz – angeschlagenen Marke Kuoni potenziell weiteren Schaden zufügen.

Die Markenstrategie, an welcher nun getüftelt wird, dürfte der schwierigste Brocken sein. Kuoni war als Marke traditionell im «besseren» Kundensegment zuhause. Ist sie es noch mit den neuen, aus der DER-Masse zusammengebastelten Katalogen mit aggressiven Preisen? Die Zahlen werden es zeigen; der Markt wird dies beantworten. Vor Zümpel liegen jedenfalls noch schwierige Zeiten. Beruhigend dürfte dabei sein, dass die im Boot verbliebenen Mitarbeitenden jetzt alle am gleichen Strick ziehen – was man auch in persönlichen Gesprächen an den Ferienmessen so mitbekommt.