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Hat die Eröffnungsfeier und zahlreiche Wettkämpfe der Olympischen Spiele besucht: André Lüthi, CEO der Globetrotter Group. Bild: GW

«Swiss Olympic vertraut uns – das ist die Message»

Von Gregor Waser

André Lüthi, CEO der Globetrotter Group, über seine Eindrücke an den Olympischen Spielen und das Feedback der Athleten und Fans.

Herr Lüthi, Sie sind aus Rio de Janeiro zurückgekehrt. Wie haben Sie die Olympischen Spiele erlebt?

André Lüthi: Den Brasilianern muss man ein Kompliment machen. Die ganze Welt dachte ja, die bringen das nicht hin mit der Logistik und den Prozessen. Die Stadien waren fertig. Die U-Bahn fuhr, Mitarbeiter und Helfer waren vor Ort und sehr hilfsbereit und freundlich. Klar gab es auch einige wenige Kritikpunkte, etwa das Thema Food und Beverage. In den Stadien musste man lange anstehen, um ein Wasser oder Bier zu kriegen. Gleichwohl: die Organisation in Brasilien hat mich positiv überrascht.

Wie haben Sie die Sicherheitsanstrengungen mitbekommen?

Die waren schon sehr massiv. Total standen 35'000 Polizisten und Soldaten im Einsatz und man sah sie bewaffnet an jeder Strassenkreuzung – am TV zwar nicht, ausser gestern beim Marathon. Hier gings auch um ein Gefühl der Sicherheit, das ausgestrahlt werden sollte. Um in die Tischtennis-Halle zu gelangen, musste man sich beinahe nackt ausziehen. Was insofern überraschte, wenn wiederum vor U-Bahn-Stationen, wo tausende Fans warteten, kaum Sicherheitskräfte auszumachen waren – weil es gar nicht realistisch wäre, Kontrollen zu machen.

Welches Feedback haben Sie von Athleten und Swiss Olympic erhalten?

Sie waren sehr happy. Delegationsleiter Ralph Stöckli sagte mir, anfangs hätten einige kleinere Sachen im Olympiadorf noch nicht ganz gestimmt, aber danach funktionierte alles mehrheitlich einwandfrei. Das Athletendorf liegt sehr zentral bei vielen Wettkampfstätten, ausser etwa für die Radfahrer, Reiter und Beachvolleyballer. Auch der Transport mit der Olympia-Line hat gut funktioniert. Und klar, ein Verkehrschaos hat Rio rund ums Jahr, das war nun nicht anders. Sehr gut kam das House of Switzerland an, ein Kompliment an Präsenz Schweiz. Was das bringt für den Tourismus in der Schweiz muss sich zeigen, aber der Brand Schweiz hat sich bestens präsentiert. Mutig war, dass das SRF-Studio in Ipanema angesiedelt war. Das ist wunderschön mit der Kulisse. Beim nächsten Mal wäre es wohl wieder einfacher, wie in Sotchi, das House of Switzerland und das TV-Studio am gleichen Ort zu haben.

Wie sah die Herausforderung aus für Globetrotter Travel Service als Organisationspartner von Swiss Olympic?

Wir waren für die ganze Logistik und den Transport der Athleten und Betreuer zuständig, gegen 400 Personen, für die Crew von SRF und für rund 3000 Fan-Tickets und Fans, die teils auch Vorarrangements gebucht hatten. Was ich gehört habe, waren alle begeistert. Die grosse Arbeit wurde im Vorfeld getätigt. Ein Team unter der Leitung von CEO Dany Gehrig und Sportreisechef Roland Leuenberger hat seit neun Monaten daran gearbeitet: welche Athleten wann fliegen, wer wann zurückkommt. Ausgeschiedene Athleten wollten früher nach Hause, andere wollten länger bleiben. Dann gings auch um spontane Ticketanfragen. Wir haben dafür ein Office eingerichtet. Für verschiedene Sportarten  hatten wir zu wenige Tickets, dann für andere wieder reichlich. Aber der Austausch unter den Nationen hat auch gut funktioniert.

«Einen Viererbob oder die Eishockey-Ausrüstung zu transportieren, braucht schon mehr als ein Bike oder eine Badehose»

Ist ein solches Projekt unter dem Strich für Globetrotter profitabel?

Wir haben die Abrechnung noch nicht gemacht. In Sotschi haben wir Geld verdient. In Rio dürfte das Ergebnis sicher schwarz ausfallen. Doch wir haben den Vertrag 2009 mit Swiss Olympic nicht primär aus kommerziellen Gründen gemacht. Für uns ist das eine Cross-Marketing-Geschichte. Wenn Athleten wie Fabian Cancellara oder Nino Schurter mit uns an die Spiele reisen, schafft das Vertrauen im Markt. Der Globetrotter, der kann das, Swiss Olympic vertraut uns, das ist die Message. Und Dany Gehrig und ich sind sportbegeistert, da kommt viel Freude hinzu. Wenn wir die Vorprogramme der Fans mit Reisen in den Amazonas, nach Matto Grosso oder in den Pantanal berücksichtigen, dann sprechen wir schon von einem Geschäft. Aber viel wichtiger für uns ist: seit wir mit Swiss Olympic arbeiten haben wir 22 weitere Sportverbände als Kunden. Wir organisieren für sie auch die WM- oder EM-Trips, sei es für die Mountainbiker oder Schützen.

Wie schaut der Blick nach vorne aus?

Für Pyeongchang 2018 sind wir schon intensiv dran und das Sportreiseteam war vor Ort. Es geht um frühzeitige Abklärungen, wo Athleten und Fans schlafen.  Es wird ja wieder wie in Sotschi zwei Städte geben, eine unten als Hub, wo alles auf dem Eis passiert, dann oben in den Bergen, wo die alpinen Disziplinen stattfinden. Verkehrtechnisch ist noch nicht alles gelöst. Die Herausforderung wird eine neue sein, bei Sprache oder Logistikansprüchen. Im Winter hat die Schweiz mehr Athleten und die Materialschlacht – ausser bei den Pferden im Sommer, mit deren Transport wir aber nichts zu tun hatten – ist deutlich grösser. Einen Viererbob oder die Eishockey-Ausrüstung zu transportieren, braucht schon mehr als eine Badehose oder ein Bike.

Und was halten Sie generell von der olympischen Idee?

Kritik an den Olympischen Spielen und am Milliardegeschäft hin oder her: diese Völkerverbindung ist einmalig. Im Athletendorf zu essen, ist ein unvergessliches Erlebnis – wenn etwa am Nebentisch Simone Biles einen Teller Spaghetti isst zusammen mit einem Sprinter aus Samoa.