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René Herzog (CEO DER Touristik Zentraleuropa), Sören Hartmann (CEO DER Touristik Group) und Dieter Zümpel, ab November neuer Chef von Kuoni Schweiz. Bilder: DER Touristik

Kuoni Schweiz: Abbau von 69 Stellen

Von Gregor Waser

Massenentlassung an der Neuen Hard: betroffen ist das Touroperating. CEO Marcel Bürgin hat das Unternehmen bereits verlassen. Neuer Chef von Kuoni Schweiz wird Dieter Zümpel.

Jetzt sind die Details zur Neuausrichtung von Kuoni Schweiz bekannt. Nachdem in den vergangenen Wochen das gesamte Geschäftsmodell überprüft wurde, sind heute die 1228 Mitarbeiter von Kuoni Schweiz über die Massnahmen informiert worden. Geplant ist, dass in Zürich 69 Stellen abgebaut werden. Ein Teil des Kuoni-Touroperatings wird nach Frankfurt ausgelagert.

Das Mutterhaus von Kuoni Schweiz, die DER Touristik mit Sitz in Frankfurt und Köln, wird künftig die Produktion und den systemischen Einkauf für die Marke Kuoni aus Frankfurt bestreiten. In einer Telefonkonferenz mit Schweizer Fachmedien begründeten Sören Hartmann, CEO der DER Touristik Group, und René Herzog, CEO von DER Touristik Zentraleuropa, die Massnahmen. „Wir haben uns eine neue Arbeitsteilung überlegt“, sagt René Herzog, „in der Schweiz wird sich künftig ein Produktteam vor allem für die Marktbearbeitung und den Vertrieb kümmern.“

Von den über 1200 Mitarbeitern von Kuoni Schweiz sind jene 200, die im Touroperating und der Katalogproduktion tätig sind, von der Neuausrichtung betroffen. Unangetastet bleibt das schweizweite Filialnetz. Im Touroperating und Publishing werden aber 69 Stellen gestrichen, lautet das Vorhaben von DER Touristik und Kuoni Schweiz. Gemäss Obligationenrecht, Artikel 335d, handelt es sich bei einer Kündigung von mehr als 30 Arbeitnehmern um eine Massenentlassung. Bei einer solchen muss der Arbeitgeber eine Konsultationsphase gewähren und sich mögliche Gegenvorschläge des Personals anhören. Diese Phase wird bis Ende Juli dauern. Eine Liste mit den Personen, die von den voraussichtlich 69 wegfallenden Jobs betroffen sind, gebe es noch nicht.

Am 12. Juli das Pult geräumt

Bereits nicht mehr für Kuoni tätig ist Marcel Bürgin. Der CEO von Kuoni Schweiz hat sein Pult am Dienstag geräumt. Sören Hartmann spricht dabei von unterschiedlichen Phasen eines Unternehmens: „Marcel Bürgin hat einen super Job gemacht und ein fahruntüchtiges Schiff im Sturm stabil gehalten, ihm gehört ein grosser Dank. Jetzt geht es in eine Phase, wo es voran geht, das Unternehmen vertrieblich aktiv sein muss und sich die Marke entwickeln muss“. Im Gespräch habe man sich beidseitig darauf verständigt, dass Marcel Bürgin das Unternehmen verlässt.

Neuer CEO von Kuoni Schweiz und Nachfolger von Marcel Bürgin wird Dieter Zümpel. Bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten sei der Fokus auf dem Vertriebs-Know-how gelegen, sagt Sören Hartmann: „Mit Dieter Zümpel haben wir einen ausgewiesenen Kenner der Touristik, der im Markt kämpft und ein fairer Vorgesetzter ist, ein Team-Player.“ Der Start des Deutschen erfolgt erst im November. Noch sitzt Zümpel bei Alltours in der Geschäftsführung, ihm unterstehen beim Badeferien-Spezialisten die Bereiche Marketing und Vertrieb. Bis Dieter Zümpel die Geschicke von Kuoni Schweiz übernimmt, leiten Sören Hartmann und René Herzog das Unternehmen interimistisch und werden pro Woche je einen bis zwei Tage in Zürich präsent sein.

Verda Birinci-Reed steigt auf

Per Mitte August wird in der Geschäftsführung von Kuoni Schweiz ein neues Ressort geschaffen, das Verda Birinci-Reed leiten wird. Ihr unterstehen vier Bereiche: 1. Helvetic Tours mit Leiterin Karin Markwalder. Das kleine Team bleibt unverändert. Der Produktaufbau wurde bisher schon aus Köln bestritten. 2. Das Kuoni-Produktionsteam in Frankfurt, das unter der Leitung von Mike Lehmann stehen wird, der ein erfahrener Product Manager von Meiers Weltreisen ist. 3. Der Veranstalter-Vertrieb, der von Oliver Howald geleitet wird. Ihm unterstehen das Call-Center in der Schweiz, die Agentenbetreuung, das Key Account Management und die Verkaufsförderung. 4. Kuoni Cruises mit Cornelia Gemperle.

Organigramm Kuoni Schweiz

Sören Hartmann und René Herzog zum Geschäftsgang und weiteren Fragen

Während der Telefonkonferenz haben sich Sören Hartmann und René Herzog ausführlich über die Beweggründe und weiteren Details der Neuausrichtung geäussert und Fragen beantwortet. Hier das Wichtigste:

Was hat den Ausschlag zur Neuausrichtung gegeben?

René Herzog: «Die Marke Kuoni ist stark und die Mitarbeiter sind kompetent. Die Systemverfügbarkeit ist aber nicht auf dem Stand, den es heute braucht. Mit der Verkaufsankündigung und dem Währungsthema hat Kuoni 2015 einen Doppelschlag erlebt und der Schweizer Reisemarkt hat sich auch 2016 nicht erholt. Und das Unternehmen war zuletzt stark mit sich selber beschäftigt. Dabei ist der Fokus auf das operative Geschäft auf der Strecke geblieben.»

Wie sieht der aktuelle Geschäftsgang von Kuoni Schweiz aus?

Herzog: «Die Spezialisten-Marken laufen gut. Das Kuoni-Volumen liegt deutlich im Minus. Helvetic Tours erholt sich nach schwachem Start. Das Retailing verzeichnet ein leichtes Minus, angesichts des letztjährigen Minus ist das aber nicht befriedigend.»

Welche Aufgaben liegen künftig in Frankfurt, welche in Zürich?

Herzog: «Das Kuoni-Produktteam in Frankfurt unter der Leitung von Mike Lehmann hat die völlige Freiheit sich aus den DER Touristik-Töpfen zu bedienen, die Stammdaten aufzubauen, das Portfolio zu definieren und zu beschreiben. Dabei werden alle Fernstrecken berücksichtigt, Ozeanien, USA, Arabien, Afrika und ein Premium-Beachteil.»

Sören Hartmann: «Mit der Produktion in Frankfurt erhalten wir ein besseres Preisbild und können den Druck auf Kunden und Vertrieb erhöhen. Dabei werden wir in der Schweiz stark in den Veranstalter-Vertrieb investieren und versuchen, im Drittvertrieb wieder vernünftig Fuss zu fassen.»

Wie geht es weiter mit den Spezialisten?

Herzog: «Unverändert. Den Spezialisten Kontiki, Manta, Dorado und Privat Safaris läuft es gut, sie liegen im Plus. Ausser Railtour - wegen dem Wegfall der SBB-Reisebüros und den Anschlägen in Paris. Integriert in Kuoni wird adria365.»

Wie schaut es beim Aufholbedarf im Bereich Online aus?

Herzog: «Wir hatten Schwierigkeiten aufgrund von Systemverfügbarkeiten bei Kuoni. Die sich im Tango befindenden Produkte waren nicht online-fähig, das ist natürlich nicht tragbar. Wir werden bis Ende Jahr über eine Echtzeit-Entwicklung verfügen und diese Web-Technologie auch in der Schweiz einsetzen.»

Besteht für die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter die Chance, in Frankfurt tätig zu werden?

Herzog: «Im Rahmen der konzernweiten Ausschreibung von Stellen besteht für alle Mitarbeitenden die Möglichkeit sich zu bewerben. Bereits zeichnet sich ein Wechsel ab - für die Leitung des Ticketshops in Deutschland. Das künftige Produktionsteam in Frankfurt, das aus zehn bis zwölf Mitarbeitern besteht, ist noch nicht komplett belegt, da sind wir offen für Bewerbungen aus der Schweiz.»

Wie schätzen Sie den Schweizer Markt ein?

Hartmann: «Was schon über Jahre in der Schweiz im Gang ist: die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland. Das Kaufen über die Grenze ist scheinbar nicht nur eine Modeerscheinung, sondern ein langfristiger Trend. Diesen Trend versuchen wir zu nutzen. Unsere Repositionierung ist eine absolute Notwendigkeit, um in einem internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein. Das war ein Problem von Kuoni Schweiz, dass man sich zu stark nach links und rechts in der Schweiz umgeschaut hat und zu spät erkannt hat, dass die wirkliche Konkurrenz auf der anderen Seite der Grenze sitzt. Das schaffen wir nun in den nächsten Monaten - mit einem zukunftsfähigen Produkt und zukunftsfähigen Preisbild.»