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Sonne und Strand? Klar gerne! Aber nicht bei jeder Temperatur... Bild: AdobeStock

Der Herbst ist der neue Sommer

Dass das Herbstgeschäft dem Sommergeschäft immer mehr den Rang abläuft, weiss man seit einiger Zeit. Nun werden dafür klimatische Gründe vorgetragen.

Die Sommerferien in der Schweiz sind etwas kürzer als in den Nachbarländern. Das hat damit zu tun, dass bei uns nur einige Wochen nach den Sommerferien dafür bereits wieder Ferien anstehen, nämlich Herbstferien. Dass man dadurch viele Orte zu einer Zeit besuchen kann, in welcher weniger Touristen vorzufinden sind, macht die Herbstferien seit Jahren zu einem der beliebtesten Ferienzeiträume der Schweizer Bevölkerung. Reiseveranstalter berichten seit mehreren Jahren, dass das Herbstgeschäft inzwischen fast schon so wichtig sei wie das Sommergeschäft.

Dieser Trend dürfte weiter zunehmen. Das zeigen zumindest Zahlen, welche Kuoni auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» ausgewertet hat. Demzufolge waren 2009 beispielsweise Mallorca, Kreta und Zypern klare Sommerziele. Doch seitdem gab es eine Verlagerung in den Herbst; heute schickt Kuoni im Oktober gar mehr Kunden nach Zypern als etwa im Juli.

Als Grund dafür gibt Kuoni gleich selber an, dass dies eine Folge des Klimawandels sei. Sprich: Die Sonnengarantie des Mittelmeers, früher deren zentraler Anziehungspunkt, ist mittlerweile praktisch zu einer «Hitzegarantie» geworden. Vielen Schweizern ist es am Mittelmeer in den Sommermonaten inzwischen zu warm. Laut einer Studie von McKinsey, welche die «NZZ am Sonntag» anführt, liege die Schwelle zwischen «heiss» und «unerträglich heiss» bei 37 Grad. Da bis ins Jahr 2050 beispielsweise in Antalya die «unerträglichen» Tage von heute 30 auf deren 60 anwachsen und die Situation in Südspanien oder Ägypten ähnlich sein dürfte, schauen sich Schweizerinnen und Schweizer zunehmend nach weniger heissen Alternativen um.

Oder man könnte auch sagen, dass die Schweiz inzwischen selber eine Sommer- oder gar Hitzegarantie hat - siehe diesen Sommer. Viele ziehen es vor, in der weitgehend verlassenen Schweiz entspannte Ferien- oder zumindest Sommertage zu verbringen, oder allenfalls in ein Ferienziel zu reisen, welches «Sommerfrische» garantiert. Sie schauen sich dann im Herbst, wenn es bei uns merklich kühler wird, nach weiterhin angenehm warmen Zielen um. Das muss für die Reisebranche kein Problem sein - es geht ja nur um die Ferienziele und nicht um die Reiselust per se. Ein Problem könnten allenfalls die vom Tourismus stark abhängigen Reisedestinationen haben, welche infolge «unerträglicher» Temperaturen weniger nachgefragt sind. Oder aber sie sind dann eben nicht mehr reine Sommerziele, sondern vielleicht Ganzjahresziele. Was ja auch nicht schlecht wäre.

(JCR)