Reiseanbieter

Franken und Euro sind wieder fast gleich viel wert. Doch die Situation ist nicht mit jener von 2015 vergleichbar. Bild: AdobeStock

Die Frankenstärke könnte dem Outgoing helfen

Der Eurokurs ist gegenüber dem Franken so tief wie seit 2015 nicht mehr. Während das fürs Incoming-Tourismusgeschäft alles andere als gut ist, ist das für den Outgoing-Tourismus keine schlechte Nachricht. So könnten Preise sinken, oder zumindest nicht weiter ansteigen.

Erinnern Sie sich noch, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 die Wechselkursuntergrenze von 1.20 Franken zum Euro aufhob und danach der Euro zwischenzeitlich deutlich weniger wert war als der Franken? Viele Schweizer Unternehmen stöhnten, und aus touristischer Sicht war dies vor allem für die einheimische Hotellerie ein Problem, da plötzlich die Preise in der Schweiz - ohnehin schon als eher teuer betrachtet - für Gäste aus dem Ausland nochmals teurer wurden. Damals hatte allerdings auch das Outgoing-Tourismusgeschäft ein Problem, weil viele Schweizer dazu verleitet wurden, ihre Ferien im angrenzenden Ausland zu buchen, und somit direkt von den währungsbedingten Vorteilen zu profitieren.

Inzwischen ist es wieder soweit. Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine, und damit verbunden eine steigende Inflation in Europa und Nordamerika, haben Investoren dazu verleitet, wieder den «sicheren Hafen» des Schweizer Frankens zu suchen. Der Euro und der Franken sind wieder ungefähr gleich viel wert, wobei bis Ende Jahr nur sehr kleine Korrekturen (sprich: Aufwertung des Euro gegenüber dem Franken) erwartet werden, derweil der Franken gegenüber dem Dollar anhaltend stark bleibt. Kommt da erneut ein Problem auf die Reisebranche zu?

Bislang bleiben die Exponenten im Outgoing-Sektor ziemlich gelassen. Gegenüber Travelnews erklärt Marcel Gehring, CEO von Let's go Tours: «Bei allem, was mit Dollar eingekauft wurde, bleibt die Preiskalkulation gleich. Bei Reiseleistungen, die in Euro eingekauft wurden - und dazu gehören etwa auch Leistungen auf Mauritius - können wir davon ausgehen, dass die Kunden in nächster Zeit von attraktiveren Preisen profitieren werden.» Der Reiseveranstalter könne den Währungsvorteil praktisch nicht einbehalten, weil man sonst preislich nicht mehr attraktiv sei und die Gefahr bestehe, dass Kunden andernorts, eben im Ausland, buchen. Dass jetzt vieles einfach günstiger wird, sei aber auch nicht zwingend der Fall: «Infolge des grossen Nachfragedrucks sind vielerorts die Preise gestiegen, zum Beispiel für Übernachtungen auf Mallorca», sagt Gehring, «die Teuerung vor Ort wird nun mit der Frankenstärke etwas kompensiert.»

Einen ähnlichen Effekt beschreibt auch Rudolf Minsch, Chefökonom bei Economiesuisse: Ihm zufolge sind die Preise seit 2015 im Euro-Raum um über zehn Prozent und in der Schweiz um weniger als zwei Prozent gestiegen. Das heisst: Der Franken ist beim gleichen Devisenwechselkurs wie 2015 real schwächer geworden und die jüngste Aufwertung bedeutet nichts anderes, als dass die Inflationsdifferenzen nun stärker eingepreist werden.

Gehring hält zudem fest, dass die Situation nicht vergleichbar sei mit 2015: «Damals sackte der Euro gegenüber dem Franken um fast 20 Prozent ein, dieses Mal sind es nur 4-5 Prozent.» Gehring verspricht sich davon immerhin, dass die zuletzt wieder schwächere Nachfrage etwas angekurbelt wird.

Tagespreise werden günstiger

Die Kernfrage für viele Reiseveranstalter lautet, wie gut sie ihr Währungshedging gemacht haben. Zu Beginn der Pandemie blieb man ja oftmals auf hohen Fremdwährungsmengen sitzen, die infolge der verringerten Nachfrage nicht gebraucht wurden. Möglicherweise wurde weniger eingekauft - und jetzt kann günstiger eingekauft werden, wobei die Währungsvorteile weitergegeben werden können. Hotelplan-Sprecherin Bianca Gähweiler erklärt gegenüber Travelnews: «Bei uns wird sowieso praktisch alles fix dynamisch paketiert, d.h. wir greifen auf tagesaktuelle Preise zurück und können so die Wechselkursvorteile direkt weitergeben.» Betroffen seien nur jene Reisen, die mit Fixpreisen versehen sind, also spezielle Gruppenreisen. «Diese kann man ohnehin nur bei uns in der Schweiz buchen, deshalb befürchten wir da keinen negativen Effekt der Frankenstärke.»

Dass die Preise generell günstiger werden, sei aber nicht zu erwarten: Bei Pauschalreisen werden die wechselkursbedingten Einsparungen durch die zu erwartenden Preiserhöhungen im Luftfahrtbereich wohl aufgefressen. United Airlines hat bereits auf steigende Preise hingewiesen, welche sich aus dem einmaligen Cocktail aus Pandemie, Krieg in Europa und steigenden Rohölpreisen ergeben. Swiss lässt ebenfalls bereits durchblicken, dass man kaum die aktuelle Preisstruktur halten werde, sollte der Rohölpreis weiterhin steigen. Jeder Konsument sieht an der Tankstelle täglich die Auswirkungen...

André Lüthi, CEO der Globetrotter Group, hält seinerseits auf Anfrage von Travelnews ebenfalls fest, dass möglicherweise seit längerem kalkulierte ausgeschriebene Reisen, z.B. Gruppenreisen, nun möglicherweise nicht mehr dem entsprechen, was man angesichts des aktuellen Wechselkurses erwarten könnte. Doch sind diese Reisen zumeist schon weitgehend gebucht; die Frankenstärke sei eher bei dynamisch gebuchten Reisen ein Thema, wo auf den Tageskurs zurückgegriffen wird. Er erinnert daran, dass man sich als Konsument zumindest über im Ausland günstigere Nebenkosten freuen dürfe. Und auf die Gefahr hin angesprochen, dass nun einige Konsumenten vielleicht wieder versuchen werden, im Ausland zu buchen, um von der Frankenstärke zu profitieren, entgegnet Lüthi: «Die Pandemie und die anhaltende Verunsicherung vieler Konsumenten hinsichtlich der Test- und Einreisebestimmungen hat gezeigt, dass Beratung und Sicherheit bezüglich der eigenen Buchung wieder deutlich wichtiger geworden sind. Wer wegen dem kleinen Preisunterschied nun wieder lieber online im Ausland bucht, muss sich in diesen weiterhin volatilen Zeiten einfach darauf einstellen, dass ihm im Problemfall nicht geholfen wird.»

Nicht zuletzt bleibt in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass die SNB bei einer anhaltenden Frankenschwäche voraussichtlich einschreiten wird. Kein Grund zu vermehrten Reisekäufen ennet der Grenze also.

(JCR)