Reiseanbieter

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Zuflucht unter den Rettungsschirm

Jahresrückblick 2021, 2. Teil – Reiseanbieter: Die Abwicklung der Anträge erfolgte zunächst zäh, doch dann flossen die Härtefallgelder und Reisebüros und Reiseveranstalter überstanden das zweite, von vielen Herausforderungen geprägte zweite Pandemiejahr.

Der Start ins Reisejahr 2021 erfolgte bei vielen Schweizer Reiseunternehmen mit der Gewissheit, dass sie auf Härtefallgelder des Bundes und Kantons zählen können. Nur stand die Frage noch im Raum, bei welchem Betrag eine Deckelung erfolgt. Gerade grössere KMUs mussten mit den zuständigen Stellen nochmals das Gespräche suchen. Ende 2021 lautete das Fazit der Reisebranche: dank den Härtefallgeldern konnte auch dieses zweite Pandemiejahr gemeistert werden.

Geprägt war das Reisebüro-Jahr weiterhin von Kurzarbeit und limitierten Öffnungszeiten – oder gar temporären Schliessungen wie bei Hotelplan. Und das Gebot der Stunde, um verunsicherte Kunden doch zu einer Buchung zu bewegen, lautete flexible Umbuchungsmöglichkeiten, ob bei Bentour, vtours, Schausinsland oder TUI. Dass flexible Stornobedinungen von Kunden auch ausgenutzt werden, stellte dann aber Interhome fest und stoppte die Schlaumeierei. Ob im Februar oder November: die ständigen Änderungen beim BAG, was die Einreisebestimmungen betrifft, trieb Reisebüros immer wieder in den Wahnsinn. Wie schwierig die vergangenen Monate für Reisebüros waren, zeigte eine von zahlreichen Reisebüro-Befragungen.

Ein unschöner Umstand flog im Februar nach Recherchen von Travelnews auf: die schöne, neue Knecht-Reisen-Webseite ist keine Eigenerfindung, sondern in enger Anlehnung an jene des erfolgreichen Online-Anbieters Travel Worldwide entstanden. Webdesign by copy paste, titelten wir. «Wir lassen erfolgreiche Konzepte in unsere Überlegungen miteinfliessen», wand sich Knecht Reisen aus dem gut belegten Kopie-Vorwurf heraus, wenn der Webauftritt zugunsten der Kunden nach Destinationen ausgerichtet werde, ergebe sich naheliegenderweise die nun gewählte Struktur... Na ja, ein fahler Nachgeschmack blieb. Überrascht waren wir indes nicht. Schliesslich werden hier draussen in der Online-Welt, was wir aus eigener Erfahrung zur Genüge kennen, regelmässig Inhalte und Ideen vom Mitbewerber unverfroren abgekupfert und kopiert.

Innovationen waren in diesem Jahr indes auch auszumachen. Dass sich Reisende vermehrt ins eigene Auto setzen, um sich vor herumfliegenden Viren zu schützen, nutzten mehrere Anbieter. Im Hoch zeigte sich etwa der Glattbrugger Autoreisen-Anbieter TraveLeague, ein schönes, neues Standbein konnte auch Meersicht aufbauen mit autorundreisen.ch. Und die Schweizer Parahotellerie verzeichnete dank den vielen Autofahrern ebenfalls einen guten Jahrgang.

Wellenbad der Gefühle

«Wir sind sehr positiv hinsichtlich des Sommergeschäfts», sagte die neue Hotelplan-Group-CEO Laura Meyer im Interview nach 100 Tagen im Amt und sie umriss dabei angepeilte Schwerpunkte wie Kundenerlebnisse, Nachhaltigkeit und hausinterne Synergien. Und Verda Birinci-Reed, COO von DER Touristik Suisse, sprach im Travelnews-Interview über Digitalisierung, die nahe Zukunft und sagte, warum bislang keine Charterplätze reserviert wurden.

Während sich die SRV-Spitze mit Max E. Katz und André Lüthi mit Bundesrat Alain Berset traf, um die grössten Problempunkte zu besprechen, begegnete sich die Reisebranche in einer virtuellen Welt, 5000 Besucher tummelten sich auf der virtuellen Ferienmesse «Land in Sicht». In Schaffhausen wiederum glühten die Köpfe bei Let's go Tours. Der Spezialist gewann eine Travelnews-Ausschreibung und damit einen eintägigen Brainstorming-Workshop mit der Agentur Amber Kommunikation.

Während Globetrotter-Group-Chef André Lüthi warnte, «Wir können uns nicht zu Tode sparen», monierte Helbling-Reisen-Geschäftsführer Michael Mettler, «Es kann nicht sein, dass wir so viel gratis Arbeit leisten»; zwei Aussagen, die das ablaufende Jahr treffend auf den Punkt bringen. Doch es lief noch so viel mehr in diesem Jahr: die beiden Verbände TTS und TPS spannen neu zusammen, der SRV bezifferte den diesjährigen Abbau in der laufenden Krise auf 1700 Stellen, plötzlich sind Arbeitsaufenthalte oder Workations in aller Munde und Travelnews lancierte einen neuen, zweiwöchentlichen De-Luxe-Newsletter.

Am 22. November kam es dann zum Showdown in der Wüste. Der SRV wählte einen neuen Präsidenten. Martin Wittwer wurde wie erwartet zum neuen Präsidenten gewählt und im kommenden Jahr wird die SRV-GV in Spanien – in Sevilla – stattfinden, dazu wurde der scheidende Präsident Max E. Katz zum Ehrenpräsidenten ernannt und André Lüthi, SRV-Leiter Politik, erhielt von vielen Seiten Lob für seinen erfolgreichen Einsatz im und ums Bundeshaus.

Was bleibt? Ein turbulentes Jahr findet kein Happy End. Die wieder zeitweilige eingeführte Quarantäneliste, die nun einem rigiden Testregime Platz machte, hat das Buchungsaufkommen aufs Jahresende hin wieder gestoppt. Zurück auf Feld 1. Insofern stellt sich für das neue Jahr die Frage: wie weiter? Wird das Kurzarbeitsmodell aufrechterhalten? Werden bei einer anhaltenden Krise erneute Härtefallgelder ein Thema? 2022 wird's weisen.


(GWA)