Reiseanbieter

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Erfolgreiches Vater-Tochter-Gespann: Richard und Melanie Frühwirt besitzen und führen in der Schweiz und Österreich erfolgreich mehrere Unternehmen im Bereich Luxusreisen. Alle Bilder: zVg

De Luxe «Kein Tag gleicht dem anderen»

Von Nina Wild

Welche Services zeichnen eine Reise mit HL Travel Swiss aus und was treibt Miteigentümerin und Chefin Melanie Frühwirt an? Im Zoom-Interview hat sich Travelnews mit der Österreicherin über ihr speziellstes Reiseerlebnis unterhalten und sie verrät, wieso sie jedes Hotel kurz vor der Reise noch einmal persönlich besichtigt.

Melanie Frühwirt (36) ist Miteigentümerin und Chefin der HL Travel Swiss in Basel, die wie ihre Schwesterfirma HL Travel Österreich auf Luxusreisen im Privatjet sowie Weltreisen und Kreuzflüge spezialisiert ist. Auf einem Überstellungsflug durften wir die Vorzüge einer solchen Reisen selber miterleben. Mit Jet Travel und Impulsreisen in Wien gehören auch ein Pauschal- sowie ein Geschäfts- und Gruppenreisespezialist zum Familienunternehmen, das von Melanie Frühwirt und ihrem Vater Richard Frühwirt geführt wird. Somit ist die HL Travel Group in nahezu jedem touristischen Geschäftszweig mit Spezialisten aufgestellt. Wir haben uns mit Melanie Frühwirt per Zoom über ihr Angebot unterhalten.

Wie hat sich die Nachfrage nach Reisen im Privatjet durch die Pandemie verändert? Man liest ja immer wieder, dass die Krise den Anbietern im Luxus-Segment im positiven Sinne in die Karten gespielt hat. Können Sie das bestätigen?

Melanie Frühwirt: Ja, die Nachfrage ist gestiegen. Für all jene, die beruflich oder auch privat ins Ausland müssen und wollen, ist der Privatjet die sicherste Variante. Man hat kaum Kontakt zu anderen Menschen, man ist allein oder mit Bekannten im Flugzeug und man spart sich dank unserer Sicherheitsvorkehrungen den Mund-Nasen-Schutz. Vor allem bei längeren Flügen ist das ein grosser Vorteil.

Was sind denn das für Sicherheitsvorkehrungen?

Wir haben für alle unsere Gäste eine Impfpflicht eingeführt. Diese wurde sehr gut von den Kundinnen und Kunden angenommen, da ja auch für andere Länder wie beispielsweise in Südamerika oder Afrika die Gelbfieberimpfung Pflicht ist. Somit ist das nichts Neues. Darüber hinaus müssen alle vor dem Einsteigen in das Flugzeug zusätzlich ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen. Darüber hinaus haben wir alle Maschinen mit einem Hepa-Filter ausgestattet, mit welchem die Luft im Flugzeug alle ein bis zwei Minuten gereinigt wird. Darüber hinaus reisen unsere Gäste ja sowieso alleine oder mit einer Gruppe Freunden.

«Man muss Änderungen einkalkulieren. Mit einem gut vernetzten Reisebüro im Hintergrund kann man sich durchaus in die Welt wagen»

Was waren die grössten Herausforderungen in den vergangenen Monaten?

Es ist schon deutlich ruhiger als in den Jahren 2019 und davor. Wir merken, dass die Menschen gerne reisen möchten, aber immer noch zurückhaltend sind. Der Nachholbedarf steigt aber. Eine grosse Herausforderung war, den Kunden Informationen zu geben. Es kamen so viele Fragen und für uns war es schwierig, verbindliche Auskünfte zu bekommen und weiterzugeben.

Wo liegt aktuell der Fokus bei Ihrem Angebot?

Unser Fokus lag und liegt auf individuell zusammengestellten Reisen, im Optimalfall im Privatjet. So sind wir nicht von Airlines abhängig und deren häufigen Flugplanänderungen. Auch können wir, dank Privatjet, schnell reagieren, wenn es örtliche Veränderungen gibt. Möglich ist derzeit einiges. Man muss Änderungen einkalkulieren. Mit einem gut vernetzten Reisebüro im Hintergrund kann man sich durchaus in die Welt wagen. Seit Beginn der Pandemie durften wir diverse Geschäftsreisen aber auch Privatferien organisieren und das bisher zur vollsten Zufriedenheit unserer Kunden. Für uns als Veranstalter gilt es, noch aufmerksamer zu sein und deutlich mehr Formulare auszufüllen als vorher.

Was sind eigentlich aus Ihrer Sicht die Vorteile von einer Reise im Privatjet?

Unabhängigkeit, Flexibilität und keine Menschenmassen. Auch in den vergangenen Monaten, also inmitten der Pandemie, habe ich Kunden begleitet und es stellte sich heraus, dass der Flug im Privatjet ausser der freien Entscheidung über die Flugzeiten noch viel mehr Vorteile bringt. Man muss schon sagen, dass sich auch bei Privatflügen Änderungen ergeben haben – das betrifft vor allem die Abwicklung vor dem Flug.

Ihre Kundinnen und Kunden bezahlen gutes Geld für eine Reise mit Ihnen und haben dementsprechend sicherlich auch hohe Ansprüche. Welche Services können Gäste auf einem Trip mit Ihnen erwarten?

Sehr viel (lacht). Wir sind da. Wir begleiten unsere Kunden. Wir helfen unseren Kunden. Wir kümmern uns um sie und tragen Sorge für die Einhaltung der gebuchten Reiseleistung. Wir erledigen sämtlichen Schriftverkehr wie Covid-Gesundheitsformulare und Fragebögen. Wir informieren uns für unsere Kunden über die aktuelle Lage. Dazu benötigt man oftmals gute und direkte Kontakte, über die wir natürlich verfügen.

Wie sieht denn ein typischer Tag auf einem Trip mit Ihnen aus?

(Lacht) Einen typischen Tag gibt es nicht, weil jeder Tag anders ist. Das gilt sowohl für die Privatreisen, wo die Kunden ihr eigenes Programm haben, als auch für die Kreuzflüge und Weltreisen. Kein Tag gleicht dem anderen, weil unser Ziel ist, den Leuten ein Erlebnis zu bieten. Wir legen aber grossen Wert darauf, dass das Programm nicht zu gedrängt ist und sich die Ferien wie Erholung anfühlen. Eine Ausgewogenheit zwischen Entspannung, Abenteuer und Geniessen ist uns wichtig.

Was sind denn Ihre Aufgaben auf den Reisen?

Das beginnt zum Beispiel damit, dass ich mich bei der Ankunft an einem neuen Ort darum kümmere, dass alle Handys der Gäste mit dem WLAN verbunden werden. Einen grossen Teil meiner Arbeit macht auch aus, dass ich alle Fragen zu beantworten versuche: ‹Wie lange sind wir unterwegs?›, ‹was soll ich anziehen?› oder ‹wann kommen wir wieder zurück?›. Ich stelle während den Reisen immer wieder sicher, dass alle Mitreisenden zufrieden sind. Selbstverständlich organisiere ich im Hintergrund auch die Abflüge, fülle die Flughafendokumente aus und regle den Koffertransport. Ich bin sozusagen eine Reisebutlerin, die sich von A-Z um alles kümmert.

«Wenn ich beauftragt werde, dann ist es meine Pflicht, den Kunden zufrieden zu stellen und die Wünsche bestmöglich zu erfüllen. Das ist es, was mich antreibt»

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Hotelunterkünfte aus, wo ihre Kundinnen und Kunden untergebracht werden?

Wir bringen unsere Gäste immer in die beste Unterkunft vor Ort. Relativ kurz vor der offiziellen Reise unternehme ich jedes Mal einen Info-Trip und schaue mir die Hotels noch einmal an. Denn es werden immer wieder Renovierungsarbeiten am Hotel selbst oder in der Umgebung gemacht. So stelle ich sicher, dass bei der Ankunft meiner Gäste alles in tadellosem Zustand ist und sie beispielsweise nicht um 6 Uhr früh vom Presslufthammer in der Nachbarschaft geweckt werden. Dies sagt einem nämlich kein Hotelbetreiber im Voraus. Wichtig sind auch grosse Zimmer, der Service und das Personal.

Man sagt Ihnen nach, dass Sie ein wahnsinniges Organisationstalent sind. Erzählen Sie uns doch einmal vom verrücktesten Erlebnis, dass Sie ermöglicht haben.

Ja, das höre ich oft. Es freut und ehrt mich, aber ich weiss nicht, ob es Talent ist. Ich versuche, mich in den Kunden hineinzufühlen und vorausschauend zu planen. Bis ins kleinste Detail. Ich bin selbstständiger Dienstleister mit Haut und Haar und ich fühle mich verantwortlich. Wenn ich beauftragt werde, dann ist es meine Pflicht, den Kunden zufrieden zu stellen und die Wünsche bestmöglich zu erfüllen. Das ist es, was mich antreibt. Ich muss auch sagen, dass ich gelernt habe, «nein» zu sagen. Wenn ich während meinen Recherchen merke, dass die Reise aufgrund von Corona nicht wie geplant stattfinden kann und wir unseren Service nicht bieten können, dann sagen wir lieber ab. Besser Kunden, die zuhause sind, als Kunden, die unzufrieden in einem Hotelzimmer sitzen.

«Die Dankbarkeit und Wertschätzung unserer Kunden war unglaublich»

Was wäre denn ein konkretes Beispiel für ein besonderes Erlebnis? Könnte ich mir mal einfach so spontan einen Helikopter-Rundflug wünschen?

Ja gut, also solche Erlebnisse gehören für mich zum täglichen Brot. Ich erinnere mich an eine Kundin, die unterwegs ein Brautkleid gekauft hat, und wir dieses dann in der First Class zurück in ihre Heimat geschickt haben. Das würde ich jetzt aber nicht als besonders bezeichnen.

Extrem in Erinnerung ist mir aber geblieben, als wir letztes Jahr im März in Südamerika auf unserem Kreuzflug waren und plötzlich ein Land nach dem anderen den Lockdown ausgerufen hat. Wir mussten die Reise vier Tage früher abbrechen und unsere Gäste – die eigentlich auf keinen Fall nach Hause gehen wollten – zurück nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz bringen. Mit viel Aufwand und Organisation sowie der guten Aufstellung unserer Spezialisten im Team, ist uns dies gelungen. Man hat ja immer wieder gehört, wie viele Touristen gestrandet sind. Die Dankbarkeit und Wertschätzung unserer Kunden war unglaublich. Das war für mich wirklich ein aussergewöhnliches Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

Welche Highlights dürfen Gäste im kommenden Jahr erwarten?

Im kommenden Jahr planen wir eine ganz tolle Reise nach Zentralasien. In 13 Tagen erkunden wir Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan. Mit den bewährten HL Travel Reiseleistungen, natürlich.

«Wir haben die Weltreise nicht auf übernächstes Jahr verschoben, weil es zu kompliziert wäre – das wäre kein Grund für uns – sondern weil es unmöglich ist»

Wieso genau Zentralasien? Welche Aspekte fliessen in die Auswahl der Destination ein?

Wir haben sehr viele Stammkunden auf unseren Reisen. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich die Reiseziele schon länger nicht besucht habe. Wir beziehen die Kunden auch mit ein und fragen sie nach Ideen. Natürlich muss das Reiseziel auch die Möglichkeit für Erlebnisse und Abenteuer bieten. Das alles fliesst bei der Auswahl mit ein.

Sind auch die beliebten Weltreisen wieder ein Thema?

Nein, nächstes Jahr nicht. Wir haben diese auf das Jahr 2023 gelegt. Die Nachfrage ist jedoch enorm, vor allem aus dem Schweizer Markt. Dort machen die Anmeldungen derzeit 80 Prozent aus, was uns riesig freut. Nichtsdestotrotz müssen wir uns danach richten, was Corona erlaubt. Wir haben die Weltreise nicht auf übernächstes Jahr verschoben, weil es zu kompliziert wäre – das wäre kein Grund für uns – sondern weil es unmöglich ist.