Reiseanbieter

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Robin Engel (l.) und Michael Bötschi starten als selbständige USA/Kanada-Spezialisten durch. Bild: JCR

Ein neuer USA/Kanada-Spezialist ist geboren

Von Jean-Claude Raemy

Robin Engel und Michael Bötschi haben sich neu orientiert und lancieren einen kleinen, aber feinen Nordamerika-Reiseveranstalter. Travelnews hat sich mit den beiden Vollblut-Touristikern über ihr neues Projekt unterhalten, welches heute - zeitgleich mit der Grenzöffnung der USA - an den Start geht.

Zwei wohlbekannte Nordamerika-Reiseprofis machen sich selbständig: Robin Engel (31) und Michael Bötschi (35) gehen am heutigen 8. November - just zur Wiedereröffnung der US-Grenzen für europäische Reisende - mit ihrer neuen Firma namens «Go2travel» an den Start. An den Start heisst: Seit heute ist die eigene Website aktiv und werden Buchungen entgegengenommen.

Wie kam es zur Neugründung, dazu noch während einer Pandemie? Die Antwort ist einfach: Die beiden langjährigen Nordamerika-PMs von Knecht Reisen schieden im März 2021 aus dem Unternehmen aus. Doch untätig blieben die beiden während der kurzzeitigen Arbeitslosigkeit nicht: Schon früh setzten sie sich an einen Tisch und überlegten, wie weiter. Gegenüber Travelnews erklärt Engel: «Wir wussten, dass es in der Schweiz praktisch keine kleinen Spezialisten mehr gibt - und wenn, dann nur in ganz spezifischen Nischen. Deshalb sahen wir da eine Chance, einen eigenen Spezialisten für die USA und für Kanada von der Pike auf hochzuziehen.» Dazu ergänzt Bötschi: «Wir kennen ja die wichtigsten Partner und Leistungsträger vor Ort wie auch in der Schweiz. Und wir dürfen von uns wirklich behaupten, Spezialisten zu sein.» In der Tat: Trotz ihrem relativ jungen Alter kommen die beiden gemeinsam auf bislang über 150 eigene Reisen nach Nordamerika; 43 der 50 US-Bundesstaaten und 12 der 13 kanadischen Provinzen haben sie persönlich bereist. Berufliche Stationen hatten die beiden vor ihrer Selbständigkeit nicht nur bei Knecht, sondern auch in den Nordamerika-Abteilungen von Hotelplan bzw. Skytours. Überdies verbrachten beide je eine Saison in Nordamerika bei einem Motorhome-Anbieter: Bötschi bei RoadBear in der Station San Francisco und Engel bei WestCoast Mountain Campers in Vancouver. Und ihr Herz glüht auch weiterhin für die beliebten transatlantischen Reiseziele.

Der Plan wurde dann im Sommer in die Tat umgesetzt; nach Erstellung eins Businessplans und der Sicherstellung der Investmentbeträge erfolgte der Eintrag ins Schweizerische Handelsamtsblatt am 23. Juli, als «go2travel GmbH». Woher der Name? Engel erklärt, dass die Idee bei einem gemeinsamen Lunch keimte: «Wir wollten nichts, was irgendwie USA oder Amerika oder dergleichen im Namen hatte, sondern etwas, das neutral und somit - wir denken ja langfristig - vielleicht auch einmal auf weitere Ziele skalierbar sein sollte. Der englische Name rührt daher, dass dieser beidseits des Atlantiks einfach verständlich und auch simpel auszusprechen ist. Das ‹2› steht für Michael und mich.» Im Firmenlogo gibt es eine Sonne und einen Adler - das lässt sich interpretieren als «The Sky is the Limit».

Wichtig auch zu erwähnen: Die Firma ist Mitglied im Garantiefonds der Schweizer Reisebranche, die Kundengelder sind also sauber abgesichert. Ansonsten sei bislang keine weitere Mitgliedschaft bei einem Verband oder einer sonstigen Institution vorgesehen, doch «was nicht ist, kann noch werden», so Bötschi.

Vertrieb über Reisebüros angepeilt

Der Firmensitz ist aktuell Obfelden ZH - dort gibt es aber kein offizielles Büro. «Wir brauchen kein Ladenlokal, denn wir zählen nicht auf Laufkundschaft», meint Robin Engel, «für allenfalls notwendige Meetings findet sich immer eine Lösung, entweder wir gehen zum Meetingpartner oder man trifft sich in Shared-Office-Räumen oder dergleichen.» Ansonsten arbeiten beide im bereits während der Pandemie erprobten Home-Office.

Mit «Partnern» sind primär Reisebüros gemeint. «Wir fokussieren zunächst auf den B2B-Vertrieb», erklärt Bötschi, «man kennt uns in der Branche bereits und für den Schritt in einen Direktvertrieb sind die Marketinghürden immer etwas höher, wobei natürlich auch Privatkunden herzlich willkommen sind». Mit einzelnen Reisebüros - Namen werden noch keine genannt - wurden bereits Vertriebspartnerschaften aufgegleist. «Uns schwebt eine Art ‹Preferred Partner›-Modell vor, wobei wir anfangs für alle Anfragen offen sein werden», fügt Engel an.

Dafür wurde auch schon ein Kommissionsmodell auf die Beine gestellt, welches bei Interesse gerne angefragt werden kann. Anfangs gibt es ab der ersten Buchung die «volle Kommission» von 13,5 Prozent. Zunächst geht es darum zu schauen, wie sich der Markt entwickelt und von wem wie viel kommt. In einem zweiten Schritt wird dann ein komplexeres Kommissionsmodell erstellt, mit individuellen Konditionen gemessen am erzielten Umsatz. Für jene, die viel gebracht haben, winken dann auch Superkommissionen. Ein «aufwandsabhängiges Kommissionsmodell», wie es jüngst von Dreamtime Travel vorgestellt wurde, schwebt den beiden Jungunternehmern auch vor.

Dies, weil es für Buchungen unterschiedliche Möglichkeiten geben wird. Grundsätzlich erfolgt klassisch eine Anfrage durch das Reisebüro an die beiden, per Mail (team@go2travel.ch) oder Telefon (044 523 16 06), «auf jeden Fall persönlich, da wir massgeschneidert arbeiten wollen», so Bötschi. Die Anfrage wird dann zeitnah und unkompliziert in eine Offerte ausgearbeitet. Einen Katalog wird es bei Go2Travel nicht geben; auf der Website, die bewusst schlank gehalten wird, werden lediglich ein paar Itineraries zur Inspiration aufgeschaltet. Der effektiv verfügbare Content ist natürlich deutlich höher, im Prinzip praktisch unlimitiert. Denn die beiden haben bereits Verträge mit allen wichtigen nordamerikanischen Anbietern und den gängigen Bettenbanken aufgelegt.

Noch etwas: Für die Ausstellung der Reisedokumente gibt es drei Packages. Mit Easy-Docs wird in der Variante «Basic» ein Voucher per Mail ausgestellt, das ist die minimale und somit kostengünstigste Variante. In der Version «Classic» erhält man Unterlagen mit einem sorgfältigen, massgeschneiderten Roadbook. In der Variante «Premium» gibt es noch Reiseführer, Strassenkarten und zusätzliche Goodies. Das kostet dann etwas mehr, kommt aber oft gut an. So wird zudem sichergestellt, dass der Kunde nur das erhält, was er will, und dieser nicht mit allenfalls unerwünschten Reiseunterlagen geflutet wird, welche möglicherweise direkt in den Kübel landen und somit nur unnötige Portokosten und dazu noch Abfall verursachen.

Hören Sie sich den Podcast an!

Wie kommt es, dass alle Verträge schon unter Dach und Fach sind und alle Systeme bereits «up and running» sind? Engel und Bötschi schmunzeln: «Wir waren im September bereits mit unserer neuen Firma an der US-Einkaufsmesse IPW in Las Vegas vor Ort - und waren die einzigen Vertreter einer Schweizer Firma weit und breit.» So konnte das Geheimnis der Firmenneugründung noch etwas länger gewahrt werden, gleichzeitig aber mit den Partnern in den USA und in Kanada wie auch mit deren Repräsentanzen in Deutschland schon sehr viel aufgegleist werden.

Wie sieht denn nun ihr Produkt aus? Schwerpunktmässig wird auf die beliebten Mietwagenrundreisen gesetzt, dazu wird aber sehr viel individuell hinzugefügt. Dank ihrer guten Kenntnisse der Ziele wie auch der Vertreter vor Ort sind «off the beaten path»-Reisen ein Angebotskern - was eben Spezialisten ausmacht.

Bei der Zielgruppe ist man auch weit offen: Paare, Familien, Individualreisende, Studenten, allenfalls auch Kleingruppen - für alle wird gesorgt. Ein zu enges Korsett geben sich die beiden gleichberechtigten «Geschäftsführenden Gesellschafter» aber nicht: Sie glauben, fast alle Wünsche schnell und kompetent umsetzen zu können und bauen auf kurze Entscheidungswege, persönliche Ansprache und weitreichende Vernetzung. Gewissermassen ein klassisches Modell, welches aber - nach der Pandemie mehr denn je - seinen Platz hat und auch über viel Potenzial verfügt.

Wer die beiden noch nicht kennt und sich mit ihnen und ihrem Produkt etwas vertraut machen will, kann sich übrigens schon mal den ersten von vielen noch zu kommenden Go2Travel-Podcasts anhören: In 15-minütigen Beiträgen, welche auf der eigenen Website wie auch in den gängigen Podcast-Stationen von Spotify, Apple Play etc. downloadbar sind, geben die Jungunternehmer in ihrer frischen und «urschweizerischen» Art News, Tipps und Tricks rund um Reisen nach Nordamerika preis. Reinhören können Sie schon mal unter diesem Link.