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Berno Z'Brun lebt in Russland - und holt auch immer wieder Reisegruppen ins Land, denen er das unbekannte Russland näherbringen will. Bild: (c) Andrea Schild

«Es gibt kaum ein Land mit grösserem touristischem Potenzial als Russland»

Berno Z'Brun lebt seit 12 Jahren in Russland, organisiert Gruppenreisen ins Land und hält die russische Wesensart in Videos fest. Travelnews hat sich mit ihm unterhalten.

Der Schweizer Berno Z'Brun lebt seit 12 Jahren in Russland, genauer gesagt in der Ortschaft Kaluga, rund 170 Kilometer südlich von Moskau. Die ersten drei Jahre vor Ort verbrachte er als Projektleiter für eine Schweizer Stiftung namens «Raduga», anhand derer sozialen Projekte er einen tiefen Einblick ins Schul- und Sozialsystem des Landes und ins Leben der Leute in der russischen Provinz erhielt. Schon bald wuchs in ihm der Wunsch, dieses «echte Russland» bei Schweizern bekannt zu machen.

Gedacht, gemacht: Seit bereits zehn Jahren veranstalten Z'Brun und seine Ehefrau Andrea Schild Reisen nach Russland. «Durch unsere gute Vernetzung und den inzwischen grossen Bekanntenkreis können wir unseren Reisegästen viele Treffen mit Russinnen und Russen, Besuche auf der Datscha und Blicke buchstäblich hinter die Kulissen ermöglichen - sei es des Kaluger Theaters, der Philharmonie mit seinem Balalaikaorchester, mit dem Glöckner auf den Kirchturm und mehr», erklärt Z'Brun gegenüber Travelnews.

Darüber hinaus engagiert sich Z'Brun auch im Kulturaustausch und bringt russische Orchester und Chöre oder auch mal Maler in die Schweiz und Schweizer Musikgruppen nach Russland. Ebenso ist er begeisterter Filmer und hat schon diverse Reportagen aus Russland gedreht und Radiobeiträge erstellt. Seit einiger Zeit bietet er gar Russisch-Kurse über Skype an, und zwar mit Lehrerinnen mit direktem Draht nach Russland. «So lernt man nicht nur die Sprache, sondern ist auch auf dem Laufenden, was im Land so läuft», sagt Z'Brun.

Travelnews hat sich mit ihm über Russland unterhalten - das Gespräch finden Sie gleich nach dem Video, in welchem Z'Brun der russischen Seele auf den Grund geht.

Herr Z'Brun, wann sind Sie nach Russland gezogen und was waren dafür die Beweggründe?

Wir sind 2009 nach Russland gezogen, weil wir unsere theoretischen Russisch Kenntnisse endlich mit praktischem Anwenden bereichern und so richtig in die Sprache eintauchen wollten. Und natürlich hat das grösste Land der Welt mit seiner einzigartigen Natur und den unglaublichen Weiten auch eine Faszination und Anziehungskraft ausgeübt, der wir nicht widerstehen konnten. Sozusagen ein Aufbruch in eine grosse, relativ unbekannte Welt.

Was fasziniert Sie an Russland besonders?

Die Leute! Die Russinnen und Russen sind sehr offen und direkt. Als Walliser ist mir das nahe und gefällt mir. Auch das Freud und Leid oft so nah beisammen sind und buchstäblich in den Tag gelebt wird, fasziniert mich. Wer weiss schon, was morgen kommt. Auf Russisch gibt es ein eigenes Wort für diesen Zustand des Nicht-Wissens, was morgen ist und des Irgendwie-wird-es-schon-gut: "awos". Das alles hat natürlich auch mit der Geschichte des Landes, mit den grossen Umbrüchen des letzten Jahrhunderts zu tun. Und auch jetzt ist Russland irgendwie immer noch auf der Suche nach sich selber, nach dem Kit, der das Land in Zukunft zusammen halten soll. Es ist noch vieles offen und damit auch vieles möglich. Das macht das Land so spannend.

Und dann ist da natürlich die grenzenlose, unberührte Natur, die alles bietet, was man überhaupt vom Reisen erwarten kann. Da ist der Kaukasus mit dem Elbrus und den vielen verschiedenen Völkern und Sprachen; da ist das Wolgadelta, in dem jedes Jahr Millionen von Zugvögeln auf dem Weg nach Afrika Halt machen; da ist Sibirien mit der unglaublichen Weite und Leere der Taiga und Tundra; der klare, 1500 m tiefe Baikalsee; der ferne Osten mit den Vulkanen Kamtschatkas und der Hafenstadt Wladiwostok an der Grenze zu China und das Altai Gebirge, das die Mongolei, Kasachstan, China und Russland verbindet.

Und natürlich packen einen die Bücher von Tolstoi und Dostojewski, die dich zusammen mit den melancholischen Volksliedern ins russische Leben eintauchen lassen und schliesslich die traurigen und kämpferischen Kriegslieder, die einen wieder an die Oberfläche bringen. Die russische Kunst ist es, die einem eine Ahnung von der vielbeschriebenen russischen Seele vermittelt, vor allem wenn die Lieder von den Babuschkas im Dorf gesungen werden.

Wie sehen Sie die touristische Zukunft Russlands? Wo liegt noch Potenzial brach und was braucht es, um dieses abzurufen (gerade im Schweizer Markt)?

Es gibt wohl kaum ein Land, dessen touristisches Potenzial grösser ist, als jenes von Russland. Das hat mit der Grösse und Vielfalt des Landes zu tun, aber auch mit den unzähligen, touristisch noch nicht sehr gut erschlossenen Regionen. Und wie viele SchweizerInnen waren schon überall auf der Welt, ausser in Russland? Das Unerschlossene heisst für den Tourismus natürlich Mühe, Entbehrungen und Unerwartetes. Es ist nicht einfach in Russland voraus zu planen und alles abzusichern (siehe "awos"). Es sieht aber alles danach aus, als sich das langsam aber sicher ändert. Dem Coronavirus geschuldet, wird zurzeit sehr aktiv der Tourismus im Land aufgebaut. Es gibt zahlreiche Fördergelder, die touristische Projekte unterstützen und im Moment läuft im Land ein riesiges, staatliches Programm, um den Tourismus anzukurbeln, d. h. Russinnen und Russen erhalten 20% des Preises zurück, den sie für Ferien im Inland zahlen.

Um Reisen in Russland durchzuführen, braucht es wie überall verlässliche und erfahrene Partner. Die zu finden ist eine Herausforderung, bei der wir Sie unterstützen können. Wer einmal in Russland war, will wieder zurück, das zeigt unsere Erfahrung aus 11 Jahren Russlandreisen. Und wer es, wie die meisten Schweizerinnen und Schweizer noch nicht war, muss unbedingt hin. Dazu tragen hoffentlich auch ein wenig unser Enthusiasmus und unsere Kulturaustauschprojekte bei!

(JCR)