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Mike Lehmann, Direktor von Dertour Deluxe, ist für die kommende Zeit sehr zuversichtlich. Bild: Luxusinsider

De Luxe «Wir spüren einen Mega-Nachholbedarf»

Von Luxusinsider

Seit Januar 2020 ist Mike Lehmann als Director Dertour Deluxe für die Luxusmarke der DER Touristik zuständig – und wurde direkt mit der Corona-Krise konfrontiert. Bei den Kollegen von LuxusInsider gewährte er eine Momentaufnahme der aktuellen Lage.

Herr Lehmann, wie haben Sie bei Dertour Deluxe den Re-Start der Touristik erlebt?

So, wie alle anderen auch: Als ein Auf und Ab, als ein Hoffen darauf, dass sich die Lage in den für uns wichtigen Destinationen so entwickelt, dass wir sie wieder anbieten können. Dieses Hin und Her war für uns als grosser Veranstalter besonders schwierig, da jedes Mal ein gewaltiger Aufwand damit verbunden ist: Stets müssen die jeweiligen Hygienekonzepte, Infos zu eventuellen Einschränkungen etc. eingeholt werden, bevor wir wieder mit dem Verkauf loslegen können. Von daher war diese Zeit für uns geprägt von ganz viel Hoffnung und einer hohen Bereitschaft, sofort auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Durch unser Krisenteam der DER Touristik waren wir aber immer sehr gut informiert – und konnten überall dort, wo es möglich war, auch sehr gute Buchungen generieren.

Ihr erstes Fazit zum Reisestart: Macht sich ein Nachholbedarf im Luxusreise-Segment bei Dertour Deluxe bemerkbar?

Wir spüren einen Mega-Nachholbedarf, der sich aktuell vor allem im Indischen Ozean, im Orient und in Griechenland bemerkbar macht. Es war Ende 2020 nicht immer leicht, daran zu glauben, aber jetzt sind wir überzeugt davon, dass es grossartig wird, sobald wieder problemlos gereist werden kann. Denn sobald sich eine Destination öffnet, wird gebucht. Dieser Sommer, der ja für viele Destinationen erst sehr spät losging, liegt jetzt tatsächlich über den Buchungseingängen vom Sommer 2019 ­– damals hatten wir natürlich auch nicht soviel an Buchungen nachzuholen, aber für die Kürze der Zeit ist dieses Ergebnis sehr erfreulich.

Erkennen Sie Trends bei Nachfrage und dem Reiseverhalten der Kunden, die durch die Pandemie ausgelöst oder beschleunigt wurden? Und: Glauben Sie, dass diese Trends dauerhaft sein werden?

Dertour Deluxe hat immer schon darauf geachtet, eher kleinere Häuser mit viel Privatsphäre anzubieten – schon lange vor Corona. Dies wurde durch die Pandemie deutlich verstärkt: Die Kunden möchten in separaten Villen und Bungalows wohnen und von uns kleine Events nur im Rahmen ihrer eigenen Gruppe organisiert bekommen. Ich glaube allerdings, dass dies ohnehin ein wichtiger Trend im Luxussegment ist, der nicht nur durch Pandemie-Ängste hervorgerufen wurde. Eine persönliche Ansprache und auf den Kunden heruntergebrochene, individuelle Erlebnisse gehören ohnehin zu Luxusreisen dazu.

«Es ist uns gelungen, noch präsenter bei den Reisebüros zu sein als zuvor.»

Viele touristische Leistungsträger wie etwa Hotels stehen aktuell in der Kritik durch die Reisebüros, weil die Reaktionszeiten viel zu langsam sind – insbesondere für das Luxussegment mit seinen ungeduldigen Kunden. Ist das eine Herausforderung, mit der auch ein so großer Player wie Dertour Deluxe zu kämpfen hat?

Wie in anderen Bereichen der Wirtschaft auch – ich denke da momentan insbesondere an das Baugewerbe ­– ist es natürlich so, dass jemand, der seinen Suppliern regelmässig Aufträge zuführt, sehr gute Verbindungen hat. Wir haben langjährige Beziehungen zu vielen Hoteliers, so dass man auch hier und da über die Handynummer verfügt und schnell eine Whats-App-Nachricht schicken kann. Zudem haben wir uns immer sehr eng mit den Hotels abgestimmt und wussten, wo es möglicherweise eine eingeschränkte Erreichbarkeit gab. Diese Beziehungen haben wir natürlich auch im Sinne unserer Reisebüro-Partner genutzt.

Die vergangenen eineinhalb Jahre waren für alle Seiten schwierig – Stichwort Stornierungen, Erreichbarkeit, Ausfall von Live-Schulungen, Fam Trips etc.. Wie hat sich das auf das Verhältnis zwischen Dertour Deluxe und den Agenturen ausgewirkt?

Es ist noch enger geworden. Es ist uns gelungen, noch präsenter bei den Reisebüros zu sein als zuvor – weil wir gezeigt haben, dass wir für sie da sind und erreichbar sind. Hinzu kommt, dass etwas, was wir über Jahrzehnte aufgebaut haben, nicht durch ein Jahr Corona einfach kaputt geht: Wir haben in der Vergangenheit sehr klar gezeigt, dass die Reisebüros wichtig für uns sind, unter anderem durch unsere zahlreichen Live-Schulungen in den Zielgebieten. Jetzt gerade sind andere Zeiten, jetzt stützen wir dieses Bekenntnis zum Reisebüro-Vertrieb eben dadurch, dass wir für sie da sind. Klar gibt es auch bei uns mal längere Wartezeiten, aber wir tun unser Bestes, um wirklich alle Anliegen zu klären.

Bitte gewähren Sie uns einen kleinen Ausblick: Wie sehen die Pläne für die Zukunft von Dertour Deluxe aus?

Natürlich haben wir eine langfristige Strategie. Aber in dieser Zeit sind unsere Pläne eher kurz- und mittelfristiger Natur: Momentan fokussieren wir uns auf die jeweiligen Restarts der einzelnen Länder, denn Dertour Deluxe bietet ja die ganze Welt an. Jetzt würden wir gern mit den Agenturen und den Kunden gemeinsam zu einer Art Normalität zurückfinden. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Wege der Erreichbarkeit für die Reisebüros noch zu verbessern, aber das wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Schliesslich haben wir weder bei den Katalogen noch auf Produktebene etwas reduziert und sind nach wie vor so aufgestellt, dass wir auch Wünsche möglich machen, die wir eigentlich gar nicht im Portfolio haben. Am wichtigsten ist mir, dass sich das gesamte Unternehmen in dieser Zeit als vertrauenswürdiger Partner erwiesen hat. Und jetzt können wir es nicht erwarten, gemeinsam mit den Reisebüros wieder durchzustarten – denn wir haben alle so viel Arbeit investiert, dass ich es meinem Team wünsche, dass sich dies auch in Zahlen niederschlägt.

(Das Interview führte Iris Köpke)