Reiseanbieter

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Kevin und Nena Steiner, hier auf dem Bild zu sehen mit ihren Kindern David und Sara, haben sich während der Pandemie Gedanken gemacht, wie sie Reisebüros unterstützen können. Daraus entstanden ist Getyourtravel. Bild: zVg

«Unsere Plattform richtet sich an kleine und mittlere Reisebüros»

Von Nina Wild

Kennen Sie schon Getyourtravel? Die Online-Buchungsplattform richtet sich zum einen an Reisehungrige, welche damit ihren nächsten Trip buchen möchten - und zum anderen an Reisebüros, welche personalisierte Angebote an die Interessenten bringen können. Travelnews hat sich mit Kevin Steiner, Gründer und Teilinhaber von Getyourtravel unterhalten.

Vor rund zwei Wochen ging die Reisebuchungs-Plattform «Getyourtravel» online. Diese richtet sich aber nicht nur an Reisehungrige, die ihr nächstes Abenteuer buchen wollen, sondern auch an Reisebüros, welche ihr Fachwissen weitergeben und Reiseträume erfüllen möchten. Sobald eine Anfrage von einer Privatperson eingeht, haben die Profis die Möglichkeit, ein Angebot zu erstellen und mit den Interessenten in Kontakt zu treten. Das System funktioniert ähnlich wie travelboo.ch von Unternehmerin Nathalie Sassine. Travelnews hat sich mit dem Gründer und Teilinhaber Kevin Steiner per Zoom-Meeting über das Projekt unterhalten.


Herr Steiner, seit wann gibt es Getyourtravel?

Kevin Steiner: Die Idee für Getyourtravel ist bereits Mitte 2020 entstanden und über die vergangenen Monate gereift. Die Plattform haben wir schliesslich vor wenigen Wochen, Mitte Juni 2021, aufgeschaltet.

Wie ist die Idee für das Unternehmen entstanden?

Ich und meine Frau, wir reisen sehr gerne – beziehungsweise reisten viel. Noch vor der Pandemie war es für uns selbstverständlich, zwei bis drei Mal pro Jahr ein anderes Land zu bereisen. Das Coronavirus hat unseren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. In den vergangenen Monaten haben wir uns viele Gedanken über die Reisebüros gemacht, welche aufgrund der Situation keine Kunden haben. Das hat uns sehr betroffen.

Gleichzeitig haben wir vor 1,5 Jahren ein Haus erworben. Regelmässig schreiben wir kleinere Arbeiten auf einer Plattform aus. Dort können verschiedene angemeldete Handwerkerfirmen ein Angebot auf diesen Auftrag zukommen lassen. In meiner Fantasie hat sich das dann alles verknüpft. Ich fragte meine Frau, wieso wir nicht eine solche Plattform für Reisen lancieren. So haben Reisebüros die Möglichkeit, auf spezifische Reisewünsche ein Angebot zusammenzustellen.

«In den vergangenen Monaten haben wir uns viele Gedanken über die Reisebüros gemacht, welche aufgrund der Situation keine Kunden haben»

Sind Sie und Ihre Frau von der Reisebranche?

Nein, meine Frau ist Hausfrau und Mutter. Ich habe die fachliche Verantwortung im Rohmaterial-Einkauf an einem Schweizer Standort des grössten Verpackungsherstellers der Welt. Glücklicherweise ist unsere Aufgabe nur, diese Plattform zur Verfügung zu stellen. Die Profis sind und bleiben die Reisebüros, welche die Abwicklung mit den Gästen machen, sobald eine Anfrage von uns freigegeben wurde. Natürlich mussten wir uns in den letzten Monaten auch Wissen über die Branche aneignen. Getyourtravel betreiben wir nebenbei.

Wie funktioniert Getyourtravel genau?

Eine Privatperson füllt auf unserer Plattform ein Formular mit ihren Reisewünschen aus. Vielleicht möchte sie nach Spanien, ist aber noch unentschlossen wohin genau. Sie gibt dann an, welche Verpflegungsart sie wünscht, mit welchem Verkehrsmittel die Anreise erfolgen soll, die Anzahl der mitreisenden Personen sowie deren Alter und so weiter.

Diese Anfrage kommt dann zuerst zu uns, und wir prüfen kurz, ob sie real ist oder sich jemand nur einen Spass erlaubt. Ist ersteres der Fall, wird die Anfrage freigeschaltet. Die Reisebüros haben im Anschluss Zugang dazu und können dem Kunden direkt ein Angebot unterbreiten – oder zuerst mit dem Kunden in Kontakt zu treten, wenn noch weitere Angaben benötigt werden.

Es gäbe aber auch die Möglichkeit, direkt bei einem grossen Buchungsportal online eine Reise zu buchen…

Natürlich. Aber auf Booking oder Holidaycheck werden dem Kunden nur fixe Pauschalangebote angezeigt. Meistens sind dort nur grosse Anbieter wie Hotelplan, Kuoni, ITS Coop Mitglied und folglich werden auch nur ihre Angebote angezeigt. Es ist uns ein grosses Anliegen, mit unserer Plattform kleinere und mittlere Reisebüros zu unterstützen und ihnen die Chance bieten, an diesem Markt teilzuhaben.

Welche Vorteile geniessen Reisende, wenn sie Ihnen eine Anfrage schicken?

Heutzutage ist es sicherlich wichtig, dass Reisen online gebucht werden können. Ich glaube, viele Menschen sind froh, wenn sie für die Ferienbuchung nicht zu fünf verschiedenen Reisebüros fahren oder mehrere Telefonate oder Mails machen müssen, um verschiedene Angebote zu erhalten. Der Reisende kann seine Wünsche angeben und erhält im Anschluss eine Auswahl. Er entscheidet am Schluss selbst, bei wem er seine Reise bucht.

Ich hoffe wir vermitteln so nicht das Gefühl, dass es die Reisebüros mit ihren Standorten gar nicht braucht. Unsere Plattform soll einfach ein neues Hilfsmittel sein.

Und aus Sicht der Reisebüros?

Die Reisebüros haben dank der Plattform die Möglichkeit, neue Gebiete zu erschliessen. Hat ein Reisebüro beispielsweise seinen Sitz in Zürich, kann es sein, dass sich ein Reisender aus Basel oder Solothurn für sein Angebot entscheidet. Das ist sicher ein grosser Vorteil. Weiter können sich die Reisebüros Werbeaufwände sparen, da sie die Kunden bereits auf unserer Plattform finden und nicht extra noch um Kunden werben müssen. Ausserdem profitieren sie von der einfachen Anwendung unserer Plattform.

Wie viele Reisebüros konnten Sie bereits ins Boot holen?

Wir haben uns überlegt, ob wir zuerst Reisebüros kontaktieren oder die Plattform live schalten sollen. Das Problem war nur, dass wir nicht wussten, wie hoch die Nachfrage von den Leuten überhaupt sein wird und nach was alles gesucht wird. Das war ein Zwiespalt. Schliesslich haben wir uns für den Weg entschieden, zuerst live zu gehen und erste Anfragen abzuwarten – um damit dann gezielt auf die Reisebüros zuzugehen. So können wir verhindern, dass die Reisebüros nicht unnötig bezahlen und kein Angebot abgeben können. Wir stehen nun im Austausch mit verschiedenen Firmen und generieren gleichzeitig mit Werbemassnahmen über Instagram und Facebook die Nachfrage.

«Die Profis sind und bleiben die Reisebüros»

Wie finanziert sich Getyourtravel?

Wir haben uns hierzu viele Gedanken gemacht. In der Reisebranche ist es üblich, mit Kommissionen oder Vermittlungsprovisionen pro Buchung zu arbeiten. Bei uns ist es etwas anders. Wir unterhalten und finanzieren diese Plattform und die Reisebüros bezahlen dafür einen fixen Betrag. Aktuell haben wir drei verschiedene Pakete zur Auswahl.

Das Bronze-Paket kostet 59 Franken pro Monat und gibt dem Unternehmen die Berechtigung, 15 Angebote in diesem Zeitraum abzugeben. Das nächsthöhere ist das Silber-Paket. Es kostet 109 Franken im Monat, dafür können unbegrenzt Angebote an die Interessenten abgegeben werden. Das Gold-Paket kostet 159 Franken im Monat, mit dem man ebenfalls unbegrenzt Angebote vergeben kann. Hierbei zusätzlich inbegriffen ist ein Blogbeitrag auf der Website, in welchem wir das Reisebüro und dessen Besonderheiten vorstellen. Bei allen drei Paketen können die Reisebüros frei wählen, ob die Laufzeit auf einen, drei, sechs oder neun Monate betragen soll. Das ist sicherlich auch ein Vorteil für Betriebe, die etwas unsicher sind. Sie können zum Beispiel das günstigste Paket für einen Monat testen und dann auch auf ein anderes wechseln.

Aus unserer Sicht sind diese Preise recht erschwinglich. Wir hätten aber sicherlich auch ein offenes Ohr, falls die Kosten ein Problem wären. Es gibt immer noch die Möglichkeit, die Preise in der Anfangsphase zu reduzieren, um Reisebüros als Partner zu gewinnen. Das ist auch in unserem Sinn.