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Stephan Roemer durchlebt keine einfache Zeit, bleibt aber zuversichtlich. Bild: TN

«Prinzipiell wäre ich interessiert Diethelm Travel ganz zu übernehmen»

Von Jean-Claude Raemy

Der Ausstieg der Diethelm Keller Group aus der Reisebranche hat auch für Stephan Roemer, Inhaber von Tourasia und CEO der Diethelm Travel Group, neue Voraussetzungen geschaffen. Im Kurzinterview erzählt er, wie die Lage bei Diethelm Travel aktuell aussieht, wie es weitergeht und wie er die Asien-Saison 2021 sieht.

Der Ausstieg der Diethelm Keller Group aus dem Reisegeschäft schafft mancherorts neue Voraussetzungen. Bei den meisten bisherigen Firmen in der Reise-Division wurde bereits Klarheit geschaffen: Die Globetrotter-Gründer haben ihre Firma wieder vollständig unter Kontrolle, Explorer ist verkauft, Travellers Autobarn wechselt in eine andere Division; der bisherige Chef der DK Travel Group, Casper Urhammer, ist neu Owner & Chairman von STA Travel KK in Japan. Eine Baustelle bleibt aber noch - und sie betrifft das Ur-Tourismusgeschäft der Gruppe, die Diethelm Travel Group in Asien. An dieser ist seit 2017 bekanntlich Tourasia-Chef Stephan Roemer beteiligt. Noch ist die Zukunft nicht geregelt - wir haben uns mit Roemer, der noch bis Weihnachten in Asien weilt, trotzdem mal über den Stand der Dinge unterhalten.


Herr Roemer, seit wann ist die Diethelm Keller Group eigentlich auf der Suche nach einer Lösung für Diethelm Travel?

Diethelm-Keller hat schon seit geraumer Zeit die Absicht, die gesamte Reisesparte aus ihrem Portfolio herauszunehmen. Das war auch in meiner Option als Partner berücksichtigt. Ich bin zusammen mit der Diethelm Keller Group im Gespräch für eine gute und nachhaltige Lösung. Es bestehen zur Zeit Gespräche über mögliche Optionen.

Wie viele Interessenten gibt es schon? Darf man zu diesen schon etwas wissen? Handelt es sich um asiatische Konzerne, global tätige Reisekonzerne, allenfalls sogar Europäer?

Es haben noch nicht konkrete Gespräche stattgefunden. Alles ist in der Planungsphase. Es gab aber schon immer Firmen, die an Diethelm Travel und dessen Infrastruktur Interesse zeigten. Diethelm Travel ist die grösste Destination Management Company in Asien und verteilt sich über 13 Länder. In einigen Ländern ist Diethelm Travel klarer Marktführer.

Können Sie sich denn vorstellen, die restlichen Aktien selber zu übernehmen? Hätten Sie hierfür die Finanzierungsmöglichkeit?

Diese Option bestand seit Anfang und Diethelm Keller hat mich auch sehr frühzeitig in deren Pläne eingeweiht. Prinzipiell besteht ein Interesse meinerseits, auch den Anteil der Diethelm Keller zu übernehmen. Die aktuelle Situation mit Covid ist jedoch eine Herausforderung für jeden Unternehmer, wo es in erster Priorität gilt, die Firmen sicher durch den Sturm zu bringen. Aus diesem Grund werde ich, bis ich wieder einen klaren Horizont habe, keine zusätzlichen Risiken aufnehmen, weder auf mich privat noch auf Tourasia. Wenn die Situation vorüber ist und der Markt sich erholt, kann man die Sache aktuell beurteilen.

Was kann man zur Struktur der Diethelm Travel Group sagen? Wie sah diese zu Jahresbeginn aus, wie sieht sie nun zum Jahresende aus?

Die Struktur und das Netzwerk der Diethelm Travel sehen immer noch genau gleich aus. Nicht nur das: Wir konnten 2020 erfolgreich unser neues IT-System einführen und haben als eine der wenigen DMC's ein netzübergreifendes System, welches uns erlaubt, uns online mit unseren Hauptkunden zu verbinden und die Leistungen auch mit tagesaktuellen Preisen anbieten zu können. Unsere Teams in ganz Asien arbeiten zur Zeit daran, Schnittstellen mit den Kunden zu programmieren.

«Tourasia ist einer der wenigen Reiseveranstalter, welcher keine Stellen abgebaut hat und wo Mitarbeitende immer noch 100% Salärzahlung haben.»

Dass Thailand und auch andere Länder weiterhin geschlossen oder nur mit grossen Restriktionen zu bereisen sind, ist sowohl für Diethelm Travel ein Problem als auch für Tourasia. Was unternehmen Sie, damit diese Firmen – Tourasia wie auch Diethelm Travel – über Wasser bleiben?

Wir haben die Situation sehr frühzeitig beurteilt und konnten dabei aus unseren Erfahrungen mit anderen Katastrophen - etwa SARS, dem Tsunami 2004, politischen Wirren etc. - profitieren. Wir waren eine der ersten Firmen, die klar über eigene Massnahmen informiert haben, und haben diese auch konsequent umgesetzt. Dafür wurden wir anfänglich kritisiert und es wurden wilde Gerüchte in die Welt gesetzt. Beide Firmen, Diethelm Travel in Asien und Tourasia, stehen aber auch 10 Monate nach Beginn der Pandemie immer noch solid da.

In der Schweiz ist Tourasia einer der wenigen Reiseveranstalter, welcher bis dato keine Stellen abgebaut hat und wo die Mitarbeitenden immer noch eine hundertprozentige Salärzahlung haben. In Asien waren wir Vorreiter mit unseren Massnahmen, welche dann später von einigen Mitbewerbern übernommen wurden. So habe ich in November auch wieder klar kommuniziert, wie wir für die erste Hälfte 2021 planen. Alle Mitarbeitenden wissen, wo wir stehen und wie es weitergeht.

Können Sie das mit Asien etwas vertiefen?

Wir arbeiten in Asien in allen Ländern mit kompetenten Kernteams, wo immer mindestens ein Executive Einsitz hat und mit denen wir den uneingeschränkten Service unseren Kunden bieten. Die anderen Mitarbeiter sind bis auf weiteres beurlaubt, währenddem wir das gesetzliche Mindestsalär und die Sozialleistungen zahlen und ihnen gleichzeitig legal die Möglichkeit geben, einen Zwischenjob zu belegen.

Niemand kann im Moment eine Prognose über die touristische Entwicklung machen und überall bangen die Angestellten in der Touristik um ihren Job. In Asien stehen schon Tausende ohne Erwerb auf der Strasse und die Situation zeigt sich in einigen Ländern schon äusserst prekär. Unsere Massnahmen und die damit verbundene Kommunikation wurde von den Mitarbeitern sehr geschätzt und es haben innert 24h alle Mitarbeiter ausnahmslos eingewilligt. Wir wurden deswegen zwar tendentiös und unfair von einigen Medien angegriffen. Andersrum haben mich aber Branchenkollegen kontaktiert und mir mitgeteilt, dass sie gedenken unsere Massnahmen ebenso zu übernehmen.

Prognosen sind schwierig, klar. Aber wie zuversichtlich sind Sie, dass es bald wieder aufwärts geht?

Ich kann im Moment noch nicht über mögliche Grenzöffnungen für den Tourismus in Asien berichten, mit Ausnahme der Malediven, welche notabene im November 2020 schon wieder 60 Prozent des Vorjahresvolumens erwirtschafteten. Für die Hochsaison über Weihnachten/Neujahr wird sogar eine ähnliche Belegung wie im Vorjahr erwartet, einziges Nadelöhr sind noch die Flugverbindungen.

Wir erkennen eine zögerliche Öffnung bei einigen Ländern Asiens, so ist es Geschäftsreisenden wieder möglich auf die Philippinen oder nach Singapur zu reisen. In Thailand ist die Einreise prinzipiell auch wieder möglich, wobei eine zwingende 16-tägige Quarantäne Bedingung ist. Diethelm Travel hat extra ein dediziertes Team, welches sich nur um Buchungen für Quarantäne-Aufenthalte kümmert.