Reiseanbieter

ski_schweiz.jpg
Wie mit Puderzucker überzogen sehen nicht nur Traumstrände aus, sondern auch die schönsten Pisten in den Schweizer Bergen. Bild: Swiss-Image, Jan Geerk

Winterferien in der Schweiz sind auch im Reisebüro buchbar

Angesichts limitierter Reisemöglichkeiten ins Ausland bieten Schweizer Reisebüros vermehrt auch Ferien in der Schweiz an – zu attraktiven Konditionen.

Gestern beim Besuch eines Zürcher Reisebüros sagt der Inhaber: «Unsere Stammkunden rufen regelmässig an und würden sehr gerne in die Ferien gehen. Doch unser Angebot ist limitiert. Verkauft haben wir in diesen Tagen nur vereinzelte Reisen auf die Seychellen, in die Dominikanische Republik und nach Tansania».

Stammkunden, die seit Jahren ihrem Lieblingsreisebüro die beste Zeit des Jahres in die Hände legen, dürften durchaus hellhörig werden, wenn ihnen auch mal eine Schweiz-Reise angeboten wird. Was spricht dagegen, ein pfannenfertiges, preisattraktives Package samt Hotel, Wellness und Skiabo nicht auch im Reisebüro zu buchen statt sich selber mühsam um die einzelnen Bausteine zu kümmern? Unsere Empfehlung an Schweizer Reisebüros: sich drei, vier Pauschalpackages einzelner Schweizer Feriendestiantionen zurechtzulegen und diese in den nächsten Wochen bei Bedarf einmal zu offerieren. Ferien auf oder abseits der Pisten dürften in den Wintermonaten im Gegensatz zu Ferien am Palmenstrand nämlich hoch im Kurs stehen.

Provisionsberechtigte Arrangements

Bereits im Sommer 2020 haben einige Schweizer Destinationen vermehrt Reisebüro-Buchungen entgegengenommen, obwohl diese wegen fehlender Kommissionen in den letzten 30 Jahren kaum mehr über diesen Kanal erfolgt sind. Engadin St. Moritz etwa hat das Gespräch mit Reisebüros gesucht und provisionsberechtigte Arrangements aufgelegt. Auch Switzerland Travel Centre, in normalen Jahren Buchungsstelle für Schweiz-Ferien im Ausland, hat diesen Sommer vermehrt Angebote für Schweizer aufgelegt.

Wie war der Erfolg damit? STC-Chef Michael Maeder spricht von einer überschaubaren Anzahl Buchungen: «Fazit ist sicher, dass der Schweizer Kunde für Hotels in der Schweiz nicht das klassische Reisebüro nutzt, sondern direkt oder via OTA bucht. Bei Pauschalen wie Glacier- oder Bernina Express inklusive Hotels ist der Bedarf nach Beratung dann schon grösser. Hier hat aber die Maskenpflicht in den Zügen die Nachfrage auch wieder gebremst. Für die Wintermonate empfehlen wir unsere Panoramazugrundreisen – die können gut auch mit Skifahren kombiniert werden. Zum Beispiel mit dem Glacier Express: 3 Tage Zermatt, 1 Tag Glacier Express, 3 Tage St. Moritz.» Seit diesem Sommer ist die Schweizer Ferienpalette von STC auch über Tour Online buchbar.

Von einer Vielzahl Reisebüros kontaktiert

Und was sagen einzelne Schweizer Feriendestination dazu? Sind auch bei Ihnen Pauschalpackages für Reisebüros buchbar? Wir haben uns in den Destinationen umgehört.

«Selbstverständlich», sagt David Kestens, Leiter Markt und Produktmanagement der Aletsch Arena AG, «unsere Leistungen sind auch buchbar für Schweizer Reisebüros, sie erhalten eine Kommission oder einen Netto-Preis von den Leitungsträgern. So haben wir diesen Sommer und in vergangenen Jahren etwa Gäste von Manu Touristik, Roland Zemp Carreisen, Reist Reisen, USP Touristik, Estermann Reisen, BMH Reisen oder Maechler Reisen willkommen geheissen. Ebenso hatten wir eine innovative Kampagne mit Globetrotter Reisen und einige Hotels sind auch über Aldi Suisse Tours buchbar.» Ausserdem könnten Reiseveranstalter auch über die Walliser Vermarktungs- und Verkaufsorganisation «Matterhorn Region AG» Packages zusammenstellen und verkaufen.

Mélissa Gilliand, Kommunikationsmitarbeiterin von Crans-Montana Tourism & Congress, sagt: «Wir haben einen <Trade Corner> auf unserer Website eingerichtet, auf dem Reisebüros sehen können, welche Resorts ihnen ermässigte Tarife anbieten. Um herauszufinden, welche Hotels für einen bestimmten Zeitraum Ermässigungen anbieten, ist es notwendig, sich auf dem Portal zu registrieren.»

Davos Klosters sieht sich als Vermittlungsstelle. «Wir wurden schon von einer Vielzahl an Reisebüros kontaktiert. Dabei stehen wir den Reisebüros beratend zur Seite, stellen ihnen Inhalte wie Fotos und Videos zur Verfügung und stellen den direkten Kontakt zu den Leistungsträgern her», sagt Kommunikationsleiter Samuel Rosenast. Die Ausgestaltung möglicher Packages oder die Gestaltung von Kommissionsmodellen geschehe dann in Absprache zwischen den Parteien. Interessierte Reisebüros können mit Davos Klosters Tourismus via marketing@davos.ch in Kontakt treten.

Adelboden wiederum verweist auf Switzerland Travel Centre: «Für den Winter gibt es ein buchbares Angebot, das via STC gebucht werden kann: das Ski-Adventure Package. Weitere Packages sind für den Sommer 2021 verfügbar.»

Direkter Kontakt zu Leistungsträgern

Carmen Lechner, Sprecherin von Lenzerheide Tourismus, empfiehlt Reisebüros ebenfalls den direkten Kontakt mit Leistungsträgern: «Eine Package-Buchung von Reisebüros ist nur möglich, wenn der Leistungsträger direkt ein Package dem jeweiligen Büro anbietet und Verträge abschliesst. Dann läuft die Buchung zwischen Hotel und Reisebüro direkt – ohne die Zwischenschaltung des Tourismusbüros als Vermittler.» Einzelleistungen wie nur die Übernachtung können Reisebüros auch über den Verkaufskanal DS-Destination Solutions erhalten.

Auch Saas-Fee Tourismus sieht sich nicht als Vermittlerin und schreibt, Reisebüros müssten solche Angebote direkt mit den Leistungsträgern aushandeln.

Engadin St. Moritz Tourismus wiederum hat schon gute Erfahrungen mit Reisebüros gemacht. «Auf den Sommer verband uns eine saisonspezifische Kooperation mit den Reisebüros und auch für den Winter sind wir weiterhin im Austausch mit ausgewählten Reisebüros hinsichtlich diverser Angebote», sagt Barbara Thoma, Senior PR Manager von Engadin St. Moritz Tourismus. Speziell erwähnt sie das Winter-Inklusiv-Angebot «Sleep + Ski» (Übernachtung + Skipass) bei den teilnehmenden Partnern.

Wir meinen: für Schweizer Reisebüros könnte es sich durchaus lohnen, den Kontakt mit verenzelten Destinationen und Leistungsträgern zu suchen, um einige zusätzliche Pfeile im Köcher zu haben bei einer nächsten Kundenanfrage – bei der sich der Kunde offen und flexibel zeigt bei der Fragen, ob Puderzuckersand oder Pulverschnee.

(GWA)