Reiseanbieter

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Eigentlich würde Rhomberg Reisen eine Direktflug von St. Gallen Altenrhein nach Calvi in Korsika anbieten. Diesen mussten sie nun wegen der neuen Risikoländerliste absagen. Bild: Hannah Wright

«Etwa die Hälfte der Kunden haben die Reise fortgesetzt»

Von Nadia Imbaumgarten

Wien und zahlreiche Gebiete in Frankreich sind neu auf der Risikoländerliste des BAG. Was heisst das für Veranstalter, welche diese Ferienziele anbieten? Mike Jakob von Railtour/Frantour und Stefan Müller von Rhomberg Reisen nehmen Stellung.

Dass wir diesen Sommer und Herbst unsere Übersee-Reisepläne in den Sand stecken müssen, wurde uns mit der Entwicklung der Pandemie immer klarer. Viele Reisende suchten sich dann alternative Feriendestinationen, welche etwas näher zur Schweiz liegen. So etwa Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich. Dies ging bis zum vergangenen Freitag (11. September) gut, bis dann die neue Risikoländerliste des Bundesamt für Gesundheit (BAG) veröffentlicht wurde und unter anderem zahlreiche Gebiete in Frankreich und auch Wien darauf figurierten. Es wurde schnell klar, für einige geplante Herbstferien müssen ziemlich sicher auch Anpassungen gemacht werden. Travelnews hat sich mit Stefan Müller, CEO & Business Development von Rhomberg Reisen GmbH, und Mike Jakob, Key Account Manager des Bahn- und Nahreise-Spezialisten Railtour/Frantour, zu den Auswirkungen der neusten Entscheidungen auf ihre Geschäfte unterhalten.

Stefan Müller

Erst noch berichtete Travelnews, dass die Direktflüge von Rhomberg Reisen von St. Gallen Altenrhein nach Calvi, Korsika, gut ausgelastet sind. Und dann kam aber dieser Entscheid des BAG, Korsika ebenfalls als Risikogebiet einzustufen. Dazu sagt Stefan Müller von Rhomberg Reisen zu Travelnews: «Es ist sehr schade, dass wir nun gezwungen sind, den Flug ab Altenrhein drei Wochen vor dem Saisonschluss absagen zu müssen. Es war uns von vornherein klar, dass so etwas passieren könnte.»

An der wirtschaftlichen Gesamtsituation ändere sich dadurch nicht viel, sagt Müller weiter: «Unsere Flüge nach Kefalonia und Lefkada/Epiros (Prevezza) führen wir weiterhin wie geplant durch». Auf die Frage, zur derzeitigen Nachfrage, meint Müller weiter: «Eine von der Regierung ausgesprochene Reisewarnung führt logischerweise zu einem rasanten Rückgang der Nachfrage. In Österreich fliegen wir derzeit noch.»

Mike Jakob

Auch Railtour/Frantour stellte erst gerade ihre Reisen für den Herbst bei Travelnews vor. Darunter auch die Zugreise nach Wien, welches seit Freitag (11. September) ebenfalls als Risikogebiet gilt. So meint Mike Jakob von Railtour/Frantour zu den Auswirkungen dieses Entscheides des BAG: «Frankreich war bereits damals nicht mehr auf der Empfehlungsliste, da wir aufgrund der Entwicklung der Fallzahlen in Frankreich mögliche Einschränkungen erwartet haben.»

Aber vor allem der Wegfall von Paris, Südfrankreich oder Korsika schmerze, wären das doch alles perfekte Destinationen für den Herbst mit Frantour, besonders auch für die Romands. «Wir bedauern auch, dass nun Wien auf der BAG Liste erscheint. Mit den neuen Quarantäne-Spielregeln nach Regionen bleibt die Situation herausfordernd».

Umbuchen beliebter als stornieren

Bei solch unvorhersehbaren und schnellen Änderungen der Regierungen, werden gute Stornierungsbedingungen der Veranstalter von Kunden begrüsst. «Bei Vorliegen einer Reisewarnung, können unsere Gäste selbstverständlich kostenfrei stornieren, auf unsere Griechenlandflüge umbuchen oder bereits auf 2021 ihre Reise platzieren. Dies nehmen die meisten Gäste sehr gerne in Anspruch», sagt Müller zur Frage, was mit Reisen, welche schon gebucht wurden, gemacht wird. Das inhabergeführte Familienunternehmen mit Hauptsitz in Dornbirn in Vorarlberg kann in der Krise auf seine Kunden zählen: «Unsere Gäste sind sehr treu. Mehr als zwei Drittel haben seit Beginn der Krise auf einen späteren Termin oder auf nächstes Jahr umgebucht. Dafür sind wir sehr dankbar».

Bei Railtour/Frantour, welche touristische Bahn- und Städtetrips in Europa pflegt, sieht es ähnlich aus: «Letzten Freitag, als das BAG die neue Quarantäneliste veröffentlichte, wurden alle unsere Kunden noch gleichentags kontaktiert, welche sich zu diesem Zeitpunkt in Frankreich, Tschechien oder Wien aufgehalten haben oder die Abreise kurz bevorstand. Ein Teil der Kunden reiste bis am Sonntag vorzeitig zurück in die Schweiz, ein Teil hat umgebucht auf eine andere Destination, aber ca. die Hälfte der Kunden haben die Reise fortgesetzt, vor allem jene in Frankreich».

In der Planung für 2021

Auf die Frage, ob Änderungen vorgenommen werden müssen bei Railtour/Frantour erklärt Mike Jakob: «Wir konzentrieren uns auf Reisen in der Schweiz und umliegende Länder wie Deutschland, der Rest von Österreich und Italien, egal ob mit Anreise per Bahn oder Selbstfahrer. Wenn man die Tourismuswelt betrachtet, blutet einem das Herz, und so klingt es auch verrückt, wenn man von aktuellen Buchungstrends spricht. Aber wir sehen weiterhin einen kleinen Buchungstrend für Deutschland allgemein, vor allem für die Nordsee-Inseln Sylt und Amrum, für Wohlfühlhotels in Österreich und im Südtirol sowie italienische Städte wie Venedig oder Verona.»

Da die Provinzen und Bundesländer rund um die Schweiz von der Quarantänepflicht vorläufig befreit seien, könne man auch ohne Einschränkungen ins Elsass oder nach Lyon reisen. «Und Schweiz Buchungen bleiben weiterhin ein Thema!», unterstreicht Jakob. «Es gibt immer wieder Kunden, welche das gleiche Budget, welches sie in der Übersee Destination ausgegeben hätten, nun in einem schicken Hotel in den Schweizer Bergen oder im Tessin ausgeben. Oder sie entdecken die Schweiz mit dem Zug mit dem Bernina Express oder Glacier Express. Die Kunden möchten ja reisen, nur ist die grosse Herausforderung, wohin?». Abschliessend meint Jakob: «Fürs 2021 planen wir aktuell keine Änderungen des Sortiments. Und auch für Frankreich wird ein Nachholbedarf für Reisen vorhanden sein.»

Rhomberg Reisen nimmt vorerst, ausser dem frühzeitigen Ende des Altenrhein-Calvi-Fluges, keine Änderungen vor. In den Wintermonaten werden traditionell keine Reisen durchgeführt. Doch fokussiert der Reiseanbieter bereits das nächste Jahr: «Für 2021 planen wir vor allem mit unserem Kernsortiment: Korsika, Ionische Inseln, Menorca, Kalabrien, Island und Madeira».