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Die Auferstehung der Traditionsmarke soll bevorstehen, allerdings mit komplett anderem Geschäftsmodell. Bild: Thomas Cook plc

Thomas Cook steht vor dem Comeback - als OTA

Der chinesische Mischkonzern Fosun, welcher die Markenrechte am früheren Reisegiganten hält, will mit der Marke offenbar in Kürze durchstarten. Doch ist der Zeitpunkt optimal?

Vor fast einem Jahr, am 23. September 2019, ging mit Thomas Cook der älteste und einer der grössten Reiseveranstalter weltweit pleite. Die Auswirkungen waren, auch in der Schweiz, enorm. Und die Pleite erfolgte noch vor der Corona-Krise.

Und nun wollen britische Medien wissen, dass ein Comeback der Marke Thomas Cook unmittelbar, die Rede ist von «wenigen Tagen», bevorstehen soll. Wie diverse Publikationen übereinstimmend melden, soll der chinesische Mischkonzern Fosun, früher Grossaktionär und Joint-Venture-Partner von Thomas Cook sowie auch Inhaber des Club Med, mit der Marke ein Revival vorhaben. Zur Erinnerung: Fosun kaufte letztes Jahr im Sog der Insolvenz die Markenrechte an Thomas Cook. Zum 14 Millionen Franken teuren Deal gehörten auch die Markenrechte an den Hoteltöchtern Casa Cook und Cook's Club.

Das Revival soll allerdings nicht mehr als klassischer Reisekonzern stattfinden, sondern als OTA (Online Travel Agency). Im Wege stünden nur noch regulatorische Hürden; inhaltlich und strategisch sei der von langer Hand geplante Relaunch «ready to go». Die Idee war, die weiterhin weltbekannte Marke Thomas Cook zu nutzen. Gerade im Online-Bereich könnte die Marke Thomas Cook in kurzer Zeit viel Traffic generieren - sicherlich viel mehr, als es eine neue Marke könnte, die noch aufgebaut werden muss.

Das mag natürlich stimmen und doch scheint der Zeitpunkt, sofern es tatsächlich so weit kommt, eher problematisch zu sein. Zum einen ist Corona-bedingt (oder vielleicht auch «Einreisebestimmungschaos-bedingt») die weltweite Nachfrage aktuell tief. Darüber hinaus ist es wie erwähnt erst ein Jahr her, dass der Gigant kollabiert ist - dabei blieben zunächst 600'000 Reisende gestrandet, zahllose Vertriebspartner mussten lange auf Geld warten, welches teils komplett abgeschrieben werden musste. Ob da bereits wieder genügend Vertrauen in die von der Pleite stark angekratzte Marke vorhanden ist?

(JCR)