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An den australischen Traumstränden wie hier an der Lucky Bay in Western Australia tauchen in den nächsten Monaten keine internationalen Touristen auf. Bild: Adobe Stock

Lange Geduldsprobe für Australien-Spezialisten

Von Gregor Waser

Bis Ende 2020 finden keine Australien-Reisen statt – möglicherweise dauert die Einreisesperre noch viel länger. Das sagen die Australien-Spezialisten Nova Tours, Knecht Reisen, Ozeania Reisen, Australasia und Dreamtime Travel zur schwierigen Situation.

Als Mitte März die Reisewelt plötzlich stillstand, befanden sich die Schweizer Australien-Spezialisten gerade am Ende ihrer Hauptsaison, die Anzahl Umbuchungen und Annullationen hielt sich somit Grenzen. Doch mit Fortdauer der Coronakrise verdüsteren sich die Aussichten. Bald mal waren auch die Abflüge für den kommenden Winter in Gefahr. Seit Freitag ist Tatsache: Australien lässt bis Ende 2020 keine internationalen Einreisen zu.

Welche Konsequenzen hat die anhaltende Einreisesperre für die Australien-Spezialisten? Werden gebuchte Reisen komplett abgesagt oder auf später, ins 2021 verschoben? Travelnews hat mit fünf Spezialisten gesprochen.

«Wir gingen schon länger davon aus, dass die Einreise bis Ende Jahr nicht mehr möglich sein wird», sagt Dominic Eckert, Geschäftsführer und Gründer von Dreamtime Travel. Und er rechnet damit, dass Australien-Reisen im besten Fall zum Ende des ersten Quartals 2021 wieder möglich sein werden. «Realistischerweise geht es in Australien länger, die müssen ja erst wieder die Grenzen innerhalb des Landes öffnen und die Policy in Australien und Neuseeland ist klar: die wollen absolute kein Fälle importieren.»

Eckerts Hoffnungen beruhen darauf, dass die in diesem Jahr annullierten Juni- und Juli-Buchungen für den Norden Australiens dann 2021 stattfinden können, denn viele seiner Kunden haben sich für eine einjährige Verschiebung ausgesprochen, «doch ob sie eine neuerliche Verschiebeung akzeptieren, bezweifle ich.»

Marco Russo, Geschäftführer von Nova Tours, geht auch von einem Restart im April 2021 aus: «Die meisten unserer Australienkunden haben ihre gebuchten Reisen im 2020 auf das nächste Jahr verschoben, was ja gut und recht ist. Die ganzen Umbuchungen sind mit viel Aufwand verbunden, welche jedoch keinen Ertrag einbringen. Das grösste Problem sind Neukunden, welche verständlicherweise ausbleiben. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sobald Australien und Neuseeland ankündigen, wann die Grenzen wieder geöffnet werden, die Nachfrage wieder steigen wird. Ich bin mir sicher, der Nachholbedarf ist vorhanden.»

Fabio Merki, Geschäftsührer von Ozeania Reisen, rechnet mit einer längeren Durststrecke: «Mittlerweile gehen wir davon aus, dass Reisen sogar erst Mitte oder gar Ende 2021 wieder möglich sein werden. Die Konsequenz daraus sind etliche Annullationen und Umbuchungen. Glücklicherweise konnten wir bereits schon diverse Umbuchungen tätigen, aber ein mulmiges Gefühl bleibt, gerade für Umbuchungen mit Reisetermin in der ersten Jahreshälfte 2021. Die Hochsaison für Australien steht vor der Tür, dementsprechend viele Buchungen haben wir noch vorliegend.»

Auch Werner Blum, Geschäftsführer von Australasia, gibt sich realistisch: «Einige Kunden gehen davon aus, dass im Frühjahr 2021 wieder Reisen nach Australien möglich sind. Hier müssen wir teilweise den Optimismus bremsen. Wir schätzen, dass frühestens ab Mitte 2021 wieder Reisen möglich sind. Gewisse Signale aus Australien malen aber ein düsteres Bild, sprich kein internationaler Tourismus im 2021 oder zumindest so lange nicht, bis eine Impfung gegen Covid flächendeckend eingesetzt werden kann.»

Matthias Reimann, Chief of Staff bei Knecht Reisen, sagt zum Australien-Einreisestopp bis Ende 2020: «November und Dezember sind für Australien starke Reisezeiten, es wird also für unser Team erneut Zusatzaufwand bedeuten, betroffene Reisebüros zu kontaktieren und mit ihnen das Vorgehen zu definieren.» Auf die Frage, wieviele der Australien-Kunden bei Knecht Reisen eine Umbuchung akzeptieren, sagt Reimann: «Die Umbuchungsquote dürfte bei etwa 40% liegen. Australien ist eine Traumdestination und wer reisen will, verschiebt den Reisetermin wenn immer möglich.»

«Wir versuchen gestärkt aus dieser Krise zu kommen.»

Doch wie weiter? Welche Auswirkungen hat die Krise auf das Team und den Standort? Wie sehen die Erwartungen aus, was Hilfe aus Bundesbern angeht?

«Die Situation ist natürlich alles andere als befriedigend», sagt Fabio Merki. «All unsere Mühen und Arbeit im 2019 für 2020 wurden praktisch zunichte gemacht. Mit der Prognose eines Restarts erst Mitte oder Ende 2021 geht für uns viel Business verloren. Wir befinden uns aktuell in einer Reorganisation und versuchen zukunftsorientiert und gestärkt aus dieser Krise zu kommen. Trotz Kurzarbeit mussten wir Entlassungen vornehmen. Am Standort möchten wir aber festhalten.» Grundsätzlich erhoffe er sich aus Bern, dass der Branche unter die Arme gegriffen wird. «Finanzielle Unterstützung an die Unternehmen sowie die EO-Entschädigung für Gesellschafter sowie Ehegatten in arbeitgeberähnlicher Stellung wären angemessen».

«Wir haben sämtliche möglichen und notwendigen Massnahmen eingeleitet, um die Arbeitsplätze und den Standort bis auf weiteres halten zu können», sagt Werner Blum. Eine aussergewöhnliche Situation erfordere nun aber aussergewöhnliche Massnahmen, etwa ein Hilfspaket für die Reisebranche. Blum fordert Zuspruch für inhabergeführte Unternehmen sowie einen 60/40-Mieterlass politisch aufzunehmen. Doch Illusionen macht er sich keine: «Für sehr viele Politiker sind Reisebüros ein Auslaufmodell und die finden, eine strukturelle Bereinigung unserer Branche sei ohnehin unumgänglich, daher habe ich keine grossen Erwartungen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.»

Eine Verschlankung der Personalstruktur wurde von Knecht Reisen bereits bekanntgegeben, davon betroffen sei die Ozeanien-Abteilung in «moderater Form». Weiter äussert sich Matthias Reimann zu einer möglichen Bundeshilfe: «Wir wünschen uns, dass Bern endlich begreift, worum genau es bei der Schweizer Outgoing-Branche geht – und dann entsprechend handelt. Es scheint nämlich weiterhin vielen Parlamentariern verschlossen zu bleiben, dass Tourismus in unserem Land nicht nur aus Luzern, Jungfraujoch oder Zermatt besteht. Wir hoffen auch, dass Bern die unerträgliche Situation für die Eigentümer-geführten Büros endlich und handfest entschärft. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb KMUs und Kleinbetriebe wacker Steuern bezahlen, aber in dieser existenziell bedrohlichen Situation bis jetzt so gut wie vollständig alleine gelassen worden sind.»

Marco Russo hofft ebenfalls, dass sich die Parlamentarier für die Kurzarbeit für die Gesellschafter entscheiden: «Eine solche Entscheidung wäre die beste Hilfe für uns Reiseveranstalter, denn so können wir unsere Angestellten noch weiterhin beschäftigen. Leider wird sich das ganze jedoch verzögern und wir kommen nicht darum herum, uns jetzt im Herbst Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll. Wir sind somit im Prozess, um weitere Entscheidungen zu treffen.

Überbrückende Geschäftsalternativen prüft derweil Dreamtime Travel. Erst im November zog Dreamtime um in eine coole Industrie-Loft. Dominic Eckert sagt dazu: «Wir bereuen den Schritt nicht, der Mietzins ist nur wenig höher als vorher. Und die neuen Räumlichkeiten geben uns die Möglichkeit, noch etwas anderes anzufangen, als nur Reisen zu verkaufen.» Eckert steht im Kontakt mit dem Vermieter und prüft die Möglichkeit, Events zu veranstalten. «Wenn die Leute noch länger nicht reisen können, suchen sie hier in der Schweiz nach Abwechslung».

«Wir möchten mit dem ganzen Team durchhalten. Das Business wird zurückkommen. 2021 müssen wir aber noch durchstehen mit Kurzarbeit und alternativen Aufgaben, der Aufnahme alternativer Destinationen oder eben auch Events. Wir möchten im 2022, wenn es in Australien wieder richtig losgeht, da sein mit einem kompetenten, erfahrenen Team.»