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Portugal - im Bild Vila Nova de Milfontes - ist sauber und sicher! Wieso sollte man als Reisender denn ein schlechtes Gewissen bei der Rückkehr in die Schweiz haben? Bild: Mario Rui Andre (

Einwurf «Reisen war noch nie so sicher wie jetzt»

Von Michael Mettler

Schweizer Medien übertrumpfen sich mit Meldungen zu neuen Corona-Hotspots und sündigen Reisenden, die sich dem Aufruf des Bundesrates zu Ferien in der Schweiz widersetzen und neue Coronafälle importieren. Nach den ersten Tagen unter der Sonne Portugals betrachtet Michael Mettler (Geschäftsführer Helbling Reisen) die Situation aus einem anderen Blickwinkel.

«Ja, ich bin einer dieser Reisesünder. Unsere geplante Safari in Afrika fiel ins Wasser. Kurzfristig haben wir uns für eine Golfwoche und eine Woche «Ohne-Plan-der-Nase-nach» in Portugal entschieden. Freunde und Bekannte hielten sich mit Vorwürfen zurück. Aus Höflichkeit, weil sie wissen, dass ich mit dem Verkauf von Reisen meinen Lebensunterhalt verdiene. Zumindest war das so bis im Februar 2020. Den Rest der Geschichte kennen wir alle.

Bereits an Pfingsten wollte ich selbst erleben, wie die Hotels in der Schweiz die Hygiene- und Schutzkonzepte umsetzen. Erleichtert stellte ich fest, dass eigentlich nicht viel geändert hat. Das Büffet war reichhaltig, keine Ermahnungen an jene, welche die Hände in den öffentlichen Räumen nicht desinfizierten. An Pfingstmontag fiel in Graubünden sogar die Maskenpflicht für Hotelangestellte weg. Reisen geht also auch nach Corona. Ein weiterer Ausflug folgte in der ersten Juliwoche. Die Sommerferien haben gestartet. Wohnmobile und Autos mit Veloanhänger soweit das Auge reicht. Sitzplatzreservation in allen Restaurants zu jeden Mahlzeiten ein Muss. Volle Strassencafés, Schlangen vor den Glacéständen. Mindestabstände einhalten scheint für die Menschen plötzlich nicht mehr wichtig. Herr Koch ging in Pension. Corona gleich mit.

Den ersten grossen Unterschied zur Schweiz stellte ich am Flughafen in Faro fest. Die Maskenpflicht an öffentlichen Orten wird eingehalten und von sehr freundlichem Personal höflich aber bestimmt durchgesetzt. Ganz anders am Flughafen Zürich. Maskenverweigerer wagt niemand auf ihr asoziales Verhalten aufmerksam zu machen. Aufgefallen ist mir auch, dass hier an der Algarve alles penibel desinfiziert und der Gegenstand entsprechend als «clean & safe» gekennzeichnet wird. Tische in Restaurants, Golfcarts, Gästezimmer, Liegen am Strand und am Pool, Mietwagen. Abstandsregeln an öffentlichen Stränden ist für die Portugiesen so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Dank der Präsenz von Gästebetreuern liege ich unbekümmert an der Sonne. Der Barista in einem kleinen Café in Tavira zeigt mir beim Eintreten die Handdesinfektionsstation. Diese Achtsamkeit vermittelt uns eine grosse Sicherheit.

Schweizer sollten sich an der eigenen Nase nehmen

Meine Familie und ich verbringen sorglose und entspannte Ferien in Portugal. Ein Gefühl, das ich in der ersten Juli-Woche in den Schweizer Bergen stark vermisste. Bevor mit dem Finger auf Ferienrückkehrer gezeigt wird, sollten wir uns erst an der Nase nehmen und die Hygienemassnahmen richtig anwenden und vor allem durchsetzen. Unsere südlichen Nachbarn wissen, was es heisst, Corona zu bekämpfen. Importieren wir doch besser deren Erfahrung.

Schweizerinnen und Schweizer folgen dem Aufruf des Bundesrates und des BAG zu Ferien im eigenen Land wie Lämmer. Mit den viel wichtigeren Hygieneempfehlungen tun wir uns aber schwer. Die Gefahr, uns im Inland anzustecken, ist mindestens so latent, wie das Virus aus dem Ausland zu importieren. Reisen war noch nie so sicher wie jetzt – sogar die ferientypische Magen-Darmverstimmung wird wegdesinfiziert.»

Michael Mettler - aktuell in Vila Nova de Cacela, Algarve, Portugal