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Die Corona-Krise zwingt die in München domizilierte FTI Group zu einem heftigen Einschnitt. Bild: HO

Fast jeder fünfte FTI-Mitarbeiter muss gehen

Die FTI Group senkt die Personalkosten um 20 Prozent und schliesst zahlreiche Bereiche des Unternehmens. CEO Dietmar Gunz begründet die Verschlankung mit dem weiterhin schleppenden Buchungseingang. Ob und in welchem Rahmen FTI Touristik in der Schweiz abbauen muss, ist noch offen.

Um das Corona-Finanzierungpaket zu stemmen und staatliche Garantien zu erhalten, erhöhte Samih Sawiris Mitte April seine Beteiligung an der FTI Group von 33 auf 75 Prozent. Drei Corona-Monate später muss FTI aber nochmals über die Bücher. Die Buchungseingänge sehen wie bei allen Reiseveranstaltern schlecht aus. Die Aussichten auf eine schnelle Erholung stehen nicht gut. Jetzt kommt es beim drittgrössten Reisekonzern Deutschlands – mit Ablegern in der Schweiz, Österreich, Frankreich und den Niederlanden – zu einer massiven Restrukturierung.

Bei LAL Sprachreisen, FTI Cruises, Fly.de sowie dem Service-Center Touristic 24 werden die Lichter bis Ende Jahr gelöscht. Insgesamt werden 20 Prozent der Personalkosten eingespart, zudem werden die Strukturen gestrafft. Weltweit beschäftigt die FTI Group 12'000 Mitarbeitende bei einem Umsatz von 4,1 Milliarden Euro.

Dietmar Gunz, FTI Group Managing Director begründet den massiven Einschnitt so: «Wir haben in allen Unternehmen Kurzarbeit eingeführt und im Management eine Vereinbarung zum freiwilligen Verzicht auf einen Teil des Gehalts getroffen. Da jedoch – neben der Belastung durch die Rückzahlungen – die internationale Reisewarnung für die grosse Mehrheit der Ferienländer nach wie vor gilt und sich die allgemeine Unsicherheit generell nachteilig auf das Buchungsverhalten auswirkt, haben wir Prozesse weiter optimiert und Strukturen verändert und im Zuge dessen alle Teile des Unternehmens genau überprüft. Weil wir mittlerweile damit rechnen müssen, dass sich die gesamte Branche nur sehr langsam normalisieren wird, ist eine Restrukturierung verbunden mit der Entscheidung zur Verschlankung unseres Unternehmens – was wir bislang mit aller Macht zu umgehen versucht haben – leider unvermeidbar.» Die dauerhafte Entlastung werde der FTI Group neue Agilität bringen und der Gruppe einen sicheren Weg in die Zukunft ebnen.

Gespräche in der Schweiz sind noch im Gang

«Leider können wir es nicht verhindern, dass wir uns in der aktuellen Situation von Mitarbeitern trennen müssen», bedauert Gunz. «Im Namen der gesamten FTI Group Geschäftsführung möchte ich mich für ihr Engagement bedanken und wünsche allen Kolleginnen und Kollegen für die Zukunft das Beste!»

«Die Schliessung von weniger rentablen Spezialbereichen und der Stellenabbau generell sichern der FTI Group die Zukunft, sodass wir trotz der derzeitigen Wirtschaftsperspektiven für die Branche mit neuer Struktur und fokussiert auf unser starkes Kerngeschäft gestärkt aus der Krise herausgehen werden», hofft Gunz weiter. «Wir bewahren mit diesem eingeschlagenen Weg viele tausende Jobs in unserer Gruppe und schaffen den Rahmen, um uns auch weiterhin wettbewerbsfähig am Markt zu behaupten.»

Zu den weiteren Aussichten sagt der FTI-Gründer: «Weil wir mittlerweile damit rechnen müssen, dass sich die gesamte Branche nur sehr langsam normalisieren wird, ist eine Restrukturierung verbunden mit der Verschlankung unseres Unternehmens – was wir bislang mit aller Macht zu umgehen versucht haben – leider unvermeidbar.»

Doch was heissen die Restrukturierungsmassnahmen für die FTI Touristik in der Schweiz? Hier sind Gespräche noch im Gang. «Inwieweit wir auch für unsere Firmen in der Schweiz Restrukturierungsmassnahmen einleiten müssen und falls, in welchem Rahmen, befindet sich derzeit in Prüfung», heisst es von der FTI-Pressestelle hierzu.

(GWA)