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In Afrika geniesst man atemberaubende Natur und vielseitige Tierwelt. Bild: Harshil Gudka

«Es fehlt an vernünftigen Flugverbindungen nach Afrika»

Wie sieht eigentlich das Reisebusiness nach Afrika aktuell aus? Travelnews hat bei den Geschäftsführern der wichtigsten Spezialisten nachgefragt und interessante und teils auch voneinander abweichende Rückmeldungen erhalten.

Die Einreise in zahlreiche afrikanische Länder ist weiterhin nicht möglich, doch haben etwa Länder wie Tansania mit einer frühzeitigen Öffnung Schlagzeilen gemacht. Wie kommen die Afrika-Spezialisten über die Runden? Wie sieht die Buchungslage aus, und wie ist eigentlich mit den Hygienemassnahmen vor Ort? Zu diesen und weiteren Fragen geben die Top-Spezialisten Claudio Nauli (Private Safaris), Marcel Gehring (Let's go Tours) und John Stewardson (Africa Design Travel) Auskunft.


«Maskenpflicht ist kein Grund, eine Reise nicht antreten zu wollen»

Claudio Nauli, Geschäftsführer Private Safaris

Die gesamten Fallzahlen in Afrika sind unklar - dies ist aber in anderen Kontinenten bzw. Ländern nicht anders. Woran das liegen mag? Claudio Nauli meint, dies hänge vor allem mit zwei Gründen zusammen: «Würden wir es negativ sehen wollen, könnten wir einfach sagen, dass viele Länder Afrikas wohl die Mittel nicht haben, um flächendeckend zu testen, und somit eine niedrige Rate von Infizierten nachweisen. Wollen wir es aber positiv betrachten, gibt es wenige Todesfälle in Afrika im Vergleich zu anderen Kontinenten. Dies kann die Folge von einem tiefen Durchschnittsalter der Bevölkerungen sein, denn das Coronavirus ist bekanntlich vor allem für ältere Menschen bzw. Personen mit Vorerkrankungen gefährlich. Zudem haben die Bewohner von Afrika auch mehr Erfahrung im Umgang mit Pandemien oder Epidemien.»

Die Freude, nach Afrika zu Reisen, sei momentan nicht sehr gross bei den Kunden. Auch wenn eine Reise stattfinden könne, wollen die Kunden diese laut Nauli oft nicht antreten. Doch kann eine Reise stattfinden, dann ist sie auch zumutbar, so Naulis Standpunkt. Denn wäre es zu unsicher, würde Private Safaris die Kunden bestimmt nicht fliegen lassen.

Bedenken bezüglich der medizinischen Vorsorge in Afrika seien nur beschränkt berechtigt, führt Nauli weiter aus. Dies sollte kein Hindernis sein, nach Afrika zu reisen. Denn es war schon vorher so, dass man ein gewisses Risiko einging, wenn man nach Afrika reiste. Sprich, für Reisende war auch früher ein Spital meist nicht gleich um die Ecke bzw. waren die Verhältnisse in den meisten Spitälern nicht vergleichbar mit den Standards in der Schweiz. Zudem war Malaria oder Ebola auch vor Corona präsent in Afrika. «Fühlt man sich nicht gut, so muss ein Arzt aufgesucht werden - dies gilt vor, während und auch nach Corona», urteilt Nauli. Hier sei der gesunde Menschenverstand einzuschalten.

Im August geht es mit Tansania los

Die Entscheidung liegt natürlich beim Kunden, ob er die Reise antreten will oder nicht. Könnte eine Reise stattfinden, die Kunden wollen sie aber nicht antreten, muss die Reise bezahlt werden - so die Bestimmungen. Hier ist das Verständnis der Kunden, die Reise bezahlen zu müssen, sehr unterschiedlich. Die Reisebüros werden hier auch doppelt gestraft. Muss eine Reise annulliert werden, so haben sie das Geld dem Kunden wie auch den Partnern vor Ort zurück zu zahlen.

Maskenpflicht in Hotels und Bussen oder geschlossenen Shops in den Städten zählen nicht zu Gründen, eine Reise kostenlos annullieren zu können, wenn die Reise eigentlich angetreten werden kann. In Afrika stehen die Natur und die Tiere im Vordergrund. Diese sind nach wie vor oder gar mehr denn je in voller Pracht vorhanden. «Wo kann man Menschenansammlungen und damit einer hohen Ansteckungsgefahr besser aus dem Weg gehen als draussen in der Natur von Afrika?», schliesst Nauli.

Im August reisen die ersten Kunden von Private Safaris nach Tansania. Die Neugier, wie die Kunden die Reise erleben werden, sei sehr gross.

«Die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort ist sehr gut»

John Stewardson, Geschäftsführer, Africa Design Travel

Auch mit Herr Stewardson durfte ich ein freundliches Telefongespräch führen. Sogar an seinen freien Tagen. Afrika auch etwas in den Fokus zu rücken und darüber zu sprechen sei wichtig, meinte er.

«Ost- und Südafrika muss unterschieden werden», insistiert Stewardson. In Südafrika sei die Einreise beispielsweise verboten, wohingegen Tansania (inkl. Sansibar) für Touristen offen ist. Leider gebe es in Tansania das Problem, dass die Flüge oft sehr kurzfristig storniert werden und so momentan keine Garantie besteht, dass die Reise stattfinden kann, trotz offener Grenzen und Hotels im Land.

Kenia ist momentan ebenfalls für Touristen geschlossen; sollten die Grenzen bald wieder öffnen, besteht Hoffnung für bessere Verbindungen nach Nairobi bzw. Afrika generell. Nairobi ist laut Stewardson auch ein wichtiger Standort für Geschäftsreisende. Dasselbe gilt für Südafrika mit Johannesburg. Sobald Südafrika wieder Gäste empfängt, würden sich die Umsteigemöglichkteiten über Johannesburg deutlich verbessern.

In Afrika liegt das Problem vor, dass viele Regierungen keine importierten Coronavirus-Fälle verzeichnen möchten, weshalb die Grenzen so lange wie möglich geschlossen bleiben sollen. Doch sind viele Einwohner vom Tourismus abhängig und bräuchten dieses Einkommen...

Es gibt wieder Anfragen

Erstaunlich und dabei schön ist, dass Africa Design Travel in den vergangenen Wochen immerhin einige wenige Anfragen hatte für Reisen nach Afrika. «Physische Distanz ist grundsätzlich möglich in Afrika», sagt Stwardson, weshalb die Ansteckungsgefahr nicht höher ist als anderswo. Doch Stewardson weiss selber, dass viele Kunden lieber noch etwas abwarten und die Entwicklung beobachten. Es sei verständlich, dass man zum eigenen Schutz etwas vorsichtig sei mit Neubuchungen. Denn wenn die Reise gebucht wird und dann doch nicht stattfinden kann, ist es einerseits für den Kunden mühsam, andererseits müssen die Reisebüros wieder doppelt bezahlen.

Stewardson erwähnt explizit noch die gute Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern vor Ort: «Langjährige und gute Zusammenarbeit lohnt sich. Dies zeigt sich jetzt besonders in der Krise.» Viele Leistungsträger zeigen sich sehr kulant, vor allem mit Umbuchungen auf das nächste Jahr. Ebenfalls gut: Die meisten Kunden buchen ihre Reise auf das nächste Jahr um, statt sie ganz zu stornieren. Ganz im Sinne «2020 abschreiben, aber die langersehnte Reise nach Afrika nicht einfach nehmen lassen!»

«Die Mehrheit der Reisen wurden verschoben und nicht annulliert»

Marcel Gehring, Geschäftsführer, Let’s go Tours

«Afrika hat sehr schnell rigorose Massnahmen getroffen, womit eine grossflächige Verbreitung des Virus verhindert werden konnte», beginnt Gehring. Die Regierungen der einzelnen Länder seien deshalb auch sehr vorsichtig, was die Öffnung der Grenzen betreffe. Bei Kenia und Ruanda zum Beispiel ist immerhin eine Öffnung per Anfang August geplant. Im Westen von Afrika, etwa in Senegal, sei der internationale Flughafen in Dakar sogar schon ab heute wieder geöffnet. Doch dies ist mit Vorsicht zu geniessen, meint Gehring, und man solle doch bis Anfang August noch etwas abwarten. Wenn die Grenzen dann mal offen sind, ist mit weiteren Massnahmen zu rechnen, wobei diese momentan teilweise noch unklar seien.

Gehring hofft, dass bald noch deutlich mehr afrikanische Länder die Grenzen für Touristen wieder öffnen. Denn ein grosser Teil der Bevölkerung Afrikas ist direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig.

Ist die Afrika-Reiselust bei den Kunden aber schon wieder zurück? «Ja, definitiv», glaubt Gehring. Die Nachfrage sei auf tiefem Niveau, aber ganz klar vorhanden. Doch wie seine Mitbewerber auch kämpft Gehring mit den wenigen bzw. fehlenden Verbindungen nach Afrika: «Fehlende Inlandflüge führen leider dazu, dass einige Reisen nicht stattfinden können. Es ist leider nicht möglich, hier eine sinnvolle Planungssicherheit zu haben, trotz ständigem Kontakt mit den Airlines.»

Wo die Flugverbindungen noch Probleme machen, läuft immerhin die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort sehr gut. Man werde immer rechtzeitig mit den wesentlichen Informationen versorgt und habe einen regen Austausch. Es werde sehr viel gemacht, damit die Kunden vor Ort sich sicher und wohl fühlen. Glücklicherweise habe Let’s go Tours solide aufgestellte DMC-Partner, welche die Coronakrise grösstenteils gut überstehen werden, womit es nicht nötig sein wird, sich nach neuen Partnern vor Ort umsehen zu müssen.

Pferdefuss Risikoländer-Liste

Zufriedenstellend war laut Gehring die Tatsache, dass viele der geplanten Reisen von Kunden aufs Jahr 2021 verschoben wurden. Doch ganz ohne Annullationen ging es auch bei Let’s go Tours nicht. Hier habe man versucht, kulant und kundenorientiert zu handeln und gemeinsam mit den Reisenden eine Lösung zu finden. Das Verständnis für die Bezahlpflicht bei einigen Reisen, die nicht angetreten wurden, war zumindest teilweise vorhanden.

Auch die Risikoländer-Liste der Schweiz hat es in sich, obwohl nur wenige afrikanische Länder darauf zu finden sind. Kunden seien unter andrem zurückhaltend mit Reisen nach Afrika, weil sie nicht wüssten, ob, wann und wie sich diese Liste verändert. Darüber hinaus herrscht auch Unsicherheit hinsichtlich Fragen rund um die Reise- und Krankenversicherung.

Wird sich das Reiseverhalten nach Afrika langfristig verändern? Dies sei eine schwierige Frage, antwortet Gehring. Wer wisse das schon? Der Individualtourismus dürfte ihm zufolge aber weiterhin zunehmen, was immerhin dem Unternehmen als Spezialisten helfe: Der Kunde sucht in Zukunft vermehrt den Rat des Spezialisten - wohl gerade auch für Afrika-Reisen.


Fazit

Klar ist: Afrika ist und bleibt ein zauberhafter Kontinent mit atemberaubender Natur, vielfältigen Tierarten und spannenden kulturellen Highlights und warmherzigen Einwohnern. Eigentlich wäre der Zeitpunkt ideal, um den grossen Kontinent zu entdecken. Aber die Nachfrage ist weiterhin gering. Bezüglich den Ursachen dafür sind sich alle drei Spezialisten einig: Eine grosse Herausforderung für das Reisen nach Afrika sind momentan die mangelhaften Flugverbindungen in die jeweiligen Zielländer. Zudem ist unklar, ab wann die Mehrheit der Länder wieder bereisbar ist. Ob Dezember oder Januar - es ist zu hoffen, dass Afrika wenigstens 2021 ein starkes Comeback hinlegen wird.

(NIM)