Reiseanbieter

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Roger Geissberger, CEO der Knecht Reisen Group sowie von Knecht Reisen, hat schmerzliche, aber notwendige Anpassungen am Unternehmen vornehmen müssen. Bild: zVg

Die Knecht Reisen Gruppe speckt ab

Von Jean-Claude Raemy

Vier Filialen werden geschlossen und jeder fünfte Arbeitsplatz wird bis Ende Jahr abgebaut. Doch laut CEO Roger Geissberger kommt das Unternehmen mit eigenen Mitteln über die Runden.

Die Reisebranche durchlebt aktuell ihre grösste Krise. Das führt zu einer Redimensionierung, auch in der Schweiz. Grosse Anbieter wie Hotelplan und Globetrotter haben letzte Woche eine Verkleinerung ihres Geschäfts, mit der Reduktion von Personal und Filialen, angekündigt. Wie präsentiert sich die Lage bei der Knecht Reisen Gruppe? Das viertgrösste Reiseunternehmen der Schweiz ist als Fernziel-Spezialist positioniert - und genau die Fernziele sind momentan wegen den Grenzschliessungen und der prekären Lage im Flugbereich besonders stark betroffen. Wir haben bei Roger Geissberger (CEO Knecht Reisen Gruppe und interimistischer CEO Knecht Reisen) nachgefragt.


Herr Geissberger, die Lage ist ernst. Was hat die Knecht Reisen Gruppe bislang unternommen, um Herr der Lage zu werden?

Wir haben praktisch als erstes Reiseunternehmen reagiert, früh im März, und hatten bereits ab dem 17. März eine Kurzarbeits-Bewilligung vorliegen. Seither wurde bei uns im Durchschnitt mit einem Pensum von etwa 65 Prozent gearbeitet, natürlich je nach Person und Abteilung variabel.

Wurde auch ein Hilfskredit beantragt?

Wir haben ihn zwar beantragt, aber bis anhin nicht bezogen. Wir stehen das aktuelle Jahr mit eigenen Mitteln durch. Jedoch müssen wir im nächsten Jahr zwingend wieder Gewinn erzielen, um die Arbeitsplätze zu erhalten.

Von welchem Resultat gehen Sie denn in diesem Jahr aus?

Das Resultat wird schrecklich ausfallen, keine Frage. Wir rechnen mit einem Umsatzeinbruch von etwa 70 Prozent; an Gewinn ist nicht zu denken. Aber wir richten uns darauf aus, bereits im nächsten Jahr wieder einen Gewinn erzielen zu können. Dafür budgetieren wir im kommenden Jahr mit einem um 25 Prozent tieferen Umsatz als 2019 angenommen war.

Gewinn bei weniger Umsatz heisst, dass Kosten eingespart werden müssen. Was wird hier konkret unternommen?

Wir haben definiert, dass die Planstellen zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember 2020 um insgesamt 20 Prozent reduziert werden. Das passiert über natürliche Abgänge, aber es gab leider auch schon Entlassungen, da kamen wir nicht drum herum. Darüber hinaus werden wir das Filialnetz reduzieren - von 25 auf noch 21 Filialen. Darüber hinaus wurden etwa Studienreisen, Kader-Retreats, Sport-Sponsorings und dergleichen sistiert.

«Es kam leider auch schon zu Entlassungen.»

Welche Filialen sind betroffen?

Bereits geschlossen bzw. nach dem Lockdown nicht wieder eröffnet wurde die Filiale in Ruswil LU. Bis Ende 2020 werden wir zudem die Filialen in Allschwil BL, in Reinach AG und in Amriswil TG schliessen. In grösseren Filialen wird es darüber hinaus auch da und dort einen leichten Personalabbau geben.

Der Raum Basel ist - wie bei den Mitbewerbern - wieder mal betroffen...

Offenbar kamen diese zu den selben Schlüssen wie wir. Das scheint allgemein bei den getroffenen Massnahmen ähnlich abzulaufen, also mit vergleichbaren Grundlagen und Konsequenzen.

Sie bauen aber nicht nur im Retail ab...

Bei uns wird das Verhältnis im Abbau etwa 50:50 zwischen Retailing und Touroperating betragen.

Wie sind eigentlich die Unterschiede zwischen der Kernmarke Knecht Reisen und den einzelnen Spezialistenmarken?

Der Abbau bewegt sich innerhalb der Gruppe eigentlich recht linear, d.h. es wird auch bei den kleineren Marken zu Abbau kommen.

Gilt das auch für die Marken von Eurobus (Eurobus, Rivage, Car Rouge), welche separat unter dem Holdingdach geführt werden? Dort führt ja beispielsweise Mike Papritz aktuell sowohl Glur Reisen als auch Rivage Reisen.

Was Sie erwähnen, ist eine seit Januar geltende interimistische Lösung. Ich will hier nicht für Eurobus sprechen, das ist Sache von Philipp Vassalli.

«Das Verhältnis im Abbau zwischen Retailing und Touroperating wird etwa 50:50 sein.»

Was ist mit Ihnen selber? Sie führen seit dem Weggang von Marcel Bürgin wieder die Knecht Reisen Gruppe und Knecht Reisen in einer Doppelfunktion, wie sie das bis 2014 machten. Dazu sind Sie wieder im TTS-Verwaltungsrat. Eigentlich wollten Sie doch per Ende 2020 kürzertreten?

Die Doppelfunktion ist eine Interimslösung, das wurde immer so gesagt. Was ich selber genau mache, werde ich Ende August bekannt geben.

Zum Abschluss: Wie ist ihre Prognose für das Unternehmen?

Die Knecht Reisen Holding ist als Ganzes ein grundsolides Unternehmen und wir werden diese zweifellos harten Zeiten überleben, wobei nun eben da und dort Anpassungen notwendig sind. Was mich freut: Es gibt im Gesamtunternehmen grossen Halt untereinander und ich bin richtig stolz auf das Management und die Mitarbeitenden, welche sich in dieser Situation äusserst professionell verhalten haben. Das macht Mut für die Zukunft.