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Globetrotter-CEO Dany Gehrig musste harte Entscheidungen treffen. Bild: Globetrotter Travel Service

«Dieses Jahr kann man nicht mit schwarzen Zahlen rauskommen»

Globetrotter-CEO Dany Gehrig spricht über die heute angekündigten Sparmassnahmen. Vier Globetrotter-Filialen müssen schliessen. Wie viele Personen gehen müssen, bleibt derweil offen.

Gestern Hotelplan, heute Globetrotter: Die Schweizer Reisebranche musste soeben zwei grössere Negativmeldungen verdauen. Wir haben inzwischen bei Dany Gehrig, dem CEO der Globetrotter Travel Service (GTS), nach weiteren Details zur heutigen Meldung nachgefragt.

Zum einen geht es um die Filialschliessungen. Geschlossen werden insgesamt vier Filialen: Jene in Interlaken (deren Kunden werden in die Filiale in Thun integriert), jene in Bern-Aarbergergasse (wird in Bern-Neugasse überführt), und in Zürich die Filialen Europaallee und Löwenstrasse (in die verbleibenden Filialen Stadelhofen und Rennweg integriert). In der Meldung von heute morgen war die Schliessung der Filiale Olten erwähnt; diese war aber bereits seit dem 26. Februar 2020 geschlossen, fand sich aber noch online. Die Filialen Interlaken bleibt übrigens noch bis Ende Jahr geöffnet.

Gegenüber Travelnews erklärt Gehrig: «Diese Schliessungen waren eigentlich schon länger angedacht, gerade auch wegen der physischen Nähe zu anderen Globetrotter-Filialen. In den letzten zehn sehr guten Jahren, die wir hatten, war es aber nie eine Dringlichkeit, zumal diese Filialen in der Regel auch noch positive Ergebnisse beitrugen. In der aktuellen Situation, wo alles zusammengefallen ist, müssen wir nun eben Korrekturen vornehmen.»

Wie viele Personen nun das Unternehmen verlassen werden, wird Globetrotter erst in drei Monaten wissen. Dies wegen der speziellen Vorgehensweise bei der Reorganisation. Dazu Gehrig: «Die Filialschliessungen haben die Filialleiter selber erarbeitet. Sie hatten von der Geschäftsleitung die Vorgabe, 2021 mit 40% weniger Umsatz auszukommen, dabei aber noch eine EBIT-Marge von 1,5% zu erzielen.» Darauf basierend wurden erst Vorschläge unterbreitet; ebenso haben die Filialleiter Anforderungsprofile erstellt. Nun kann man sich auf die Stellen 2021 bewerben und die Filialleiter entscheiden dann, wie die Vorgaben der Geschäftsleitung letztlich umgesetzt werden. Weil dadurch nicht nur eine Personalreduktion per Entlassung in Frage kommt, sondern eben Mitarbeitende auch Arbeitszeit- und/oder Lohnreduktionen, UBU oder anderen Mittel bei der Bewerbung anführen bzw. akzeptieren können, regelt sich dies von allein. Die Filialleiter wählen also ihre Teams, basierend auf den Bewerbungen entlang den neuen Anforderungsprofilen/Organigrammen, selber aus.

Ein tiefrotes Jahr

Zum anderen geht es um die Zusammensetzung der Geschäftsleitung. Ausgeschieden ist dort der bisherige Leiter Verkauf, Patrick Binz; ihm war eine Filialleitung angeboten worden, doch hat er dies bereits 15 Jahre gemacht und wollte dies nicht nochmals tun, weshalb er sich entschied, das Unternehmen zu verlassen. Ebenfalls aus der Geschäftsleitung - nicht aber aus dem Unternehmen - schied die Teamleiterin HR. Caroline Bleiker, im letzten Sommer als COO zu Globetrotter gestossen, übernimmt die Verkaufsleitung.

Und was ist mit den administrativen Bereichen? «Diese werden geprüft und an die neuen Grössenverhältnisse angepasst», so Gehrig. Dort wird also wohl auch noch die eine oder andere Stelle verschwinden. Wie viele Stellen insgesamt von den aktuell 240 (213 FTE) verloren gehen, ist wie bereits erwähnt noch unklar. Es muss aber redimensioniert werden: «Wir rechnen dieses Jahr mit einem Umsatzeinbruch von 70 Prozent», so Gehrig, «da kann man nicht mit schwarzen Zahlen rauskommen. Deshalb sind diese Schritte leider notwendig.»

(JCR)