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SRV-Präsident Max E. Katz rät allen Reiseunternehmen, jetzt Kurzarbeit einzuführen und von den Kreditversprechen des Bundes Gebrauch zu machen. Bild: JCR

«Unsere Forderungen wurden weitgehend erfüllt»

Das EDA bietet nun auch Repatriierungsflüge aus Brasilien an. SRV-Präsident Max E. Katz ist zufrieden mit den Massnahmen des Bundes, pocht jedoch auf die Umsetzung noch weiterer Forderungen.

Am Freitagnachmittag (20. März) titelte Travelnews, der Bundesrat habe «gute Nachrichten für die Reisebranche». Zum einen sind es gute News, weil die Situation im Arbeitsrecht für betroffene Unternehmen - und davon gibt es in der Reisebranche viele - kurzerhand geändert wurde und weil die Aussicht auf Kredite besteht, zum anderen, weil der Bund nun intensiv mit der Reisebranche im Austausch ist hinsichtlich Repatriierungsflügen.

Max E. Katz, Präsident des Schweizer Reise-Verbands (SRV), findet ebenfalls, dass die Nachrichten gut waren und freut sich über die effiziente und kulante Art, mit welcher der Bundesrat die aktuelle Situation nun meistert. Der Notkredit, der wohl zu 1% verzinst wird, sei für die Branche ebenso wie die jetzt weiter ausgelegte Kurzarbeitsregelung und die Stundung gewisser Abgaben (z.B. auch den 5%-Verzugszins bei der AHV) ein gutes Tool: «In der Reisebranche ist der Umsatz im Verhältnis zum Gewinn recht hoch», analysiert Katz, «und da man einen Kredit von bis zu 10 Prozent des Umsatzes erhält, sollten sich viele Unternehmen damit eine Weile über Wasser halten können.» Obwohl die Rückzahlungsmodalitäten noch nicht definiert sind, geht Katz davon aus, dass Unternehmen dafür rund 3-5 Jahre Zeit erhalten.

Weiter schildert Katz die Vorkommnisse der letzten Wochen gegenüber Travelnews wie folgt: «Am 9. März fand ein Gespräch in Bern beim EDA und BAG statt, bei welchem es darum ging, diverse Abklärungen zu treffen. Am 10. März folgte ein Roundtable beim SECO. Am Donnerstag, 12. März und am Donnerstag/Freitag der Folgewoche folgte je ein langer Conference-Call von uns, gemeinsam mit den Grossveranstaltern, und dem EDA, bei welchem der Bund von uns wissen wollte, wo die Schweizer aktuell auf der ganzen Welt verteilt sind. Die Grossveranstalter hatten je für sich eine klare Übersicht und diese dem Bund kommuniziert; der SRV hat dann noch bei seinen Retail-Mitgliedern um Informationen ersucht und daraus sehr schnell eine Statistik erstellt, die wir dann dem Bund zugestellt haben. Darauf aufbauend hat der Bund, mit konsolidierten Zahlen, dann das Planning für die ersten Repatriierungsflüge aufgestellt.»

Bekanntlich führten die ersten Repatriierungsflüge mit Edelweiss aus Lateinamerika in die Schweiz, weil ja dort gerade Reisesaison ist. Rückholflüge aus Kolumbien, Peru und Costa Rica sind für diese Woche geplant. Am Wochenende konnten zudem neun Schweizer Staatsangehörige von Recife (Brasilien) nach London und weiter nach Genf fliegen. Den Rückflug nach London per Charterflug hatte die Schweiz in Zusammenarbeit mit den britischen Behörden organisiert. Zudem konnten Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes in enger Zusammenarbeit mit Deutschland aus den USA zurückgeholt werden. Bereits zuvor hatte das EDA in Zusammenarbeit mit Frankreich Schweizer Staatsangehörige aus dem chinesischen Wuhan repatriiert. Klar ist, dass der Reisebranche keine finanziellen Commitments bei den Rückholflügen auferlegt werden, d.h. der Bund trägt das Risiko, aber die Rückgeflogenen müssen auch etwas bezahlen (wobei dies möglicherweise von einer Versicherung gedeckt ist).

Max E. Katz hält fest, dass die erwähnte SRV-Statistik nur die von Retailern gemeldeten noch im Ausland befindlichen Schweizer umfasst; die Zahlen der Grossen (Kuoni, Hotelplan, TUI Suisse, Globetrotter) wurden je separat vermeldet, so dass ausser dem Bund niemand ein konsolidierte Zahl hat über die gestrandeten Schweizer. Das EDA hat inzwischen gemeldet, dass am Wochenende die Zahl der in der Travel App registrierten Schweizer von ursprünglich rund 7000 auf neu über 17'000 Personen angestiegen ist. Dass die Rückführung klappt, ist zumindest teilweise auch ein Verdienst des SRV. «Wir haben viele positive Rückmeldungen von Mitgliedern erhalten und ich muss an dieser Stelle auch sagen, dass SRV-Geschäftsführer Walter Kunz und sein Team in dieser schwierigen Zeit hervorragende Arbeit leisten», sagt Katz.

«Die Gutschein-Regelung muss kommen»

Alles sonnig also? Natürlich nicht. Die Lage ist weiterhin sehr ernst für die Reisebranche. Katz hält zudem fest: «Unsere Forderungen wurden weitgehend erfüllt und wir sind bislang zufrieden mit dem, was wir beim Bund erreicht haben. Es gibt aber noch ausstehende Forderungen. Die Stundung der Radio-/TV-Gebühren, wo der hohe Umsatz in der Reisebranche nachteilig ist, wird wohl nicht erreicht, weil wir eine solche als einzige Branche gefordert haben. Wo wir aber nicht lockerlassen, ist bei unserer Forderung nach der Praxisänderung von der Barauszahlung bei Stornos hin zu Gutscheinen

Am Wochenende habe der SRV nochmals Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch vom SECO angeschrieben und von dieser auch bereits Bescheid erhalten, dass diese Forderung in Bern nochmals vorgetragen werde. «Es ist für viele Unternehmen wichtig, dass dieser Praxis stattgegeben wird», sagt Katz. Aktuell haben gewissen Leistungsträger und Veranstalter bereits angefangen, Gutscheine zu bieten; solange der Kunde dies akzeptiert, gibt es kein Problem. Besteht der Kunde jedoch auf einer Barauszahlung, gibt es keinen gesetzlichen Rahmen, der stattdessen ein Gutschein-Angebot stützen würde. Und weil eben Ferien ein ebenso grosser wie theoretisch verzichtbarer Budgetposten sind, ist der Anteil an Cash-Rückforderungen aktuell gross, was für viele Reisebüros ein Problem ist.

Dem SRV geht die Arbeit also vorerst nicht aus. Die Taskforce ist aktiv, das Lobbying in Bern läuft und auch die Vorstandssitzungen werden, wenn auch virtuell, abgehalten. Einzig eine Strategiesitzung wurde ausgesetzt. Katz appelliert an alle Reiseunternehmen, die Kurzarbeit zu beantragen und wenn nötig Kredite aufzunehmen, und darüber hinaus weiterhin für die Kunden da zu sein. Es ist aber auch klar, dass jetzt eine schwierige «Ruhephase» bevorstehen könnte. Die SRV-Hotline für Rechtsfragen, die zunächst rege genutzt wurde, ist inzwischen nicht mehr in Betrieb, es können laut Katz aber noch individuelle Anfragen beantwortet werden. Die Repatriierungsflüge werden noch ein paar Tage andauern, dann wird es sehr still am Lufthimmel sein. Katz selber hat den Betrieb eines seiner weiteren Standbeine, der Firma «Best of Switzerland Tours», am vorletzten Wochenende bis auf Weiteres eingestellt. «Jetzt muss man durchhalten - und dafür wird der SRV seinen Mitgliedern weiterhin Hand bieten», schliesst Katz.

(JCR)