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Bilder von Menschen mit Atemschutzmasken gibt es zurzeit in den Medien genügend. Wir zeigen lieber den Tourist auf Koh Tao (Thailand) und fragen: Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko für ihn? Bild: Darren Lawrence

«Annullationsbedingungen zu ändern ist eine totale Überreaktion»

Die Asien-Spezialisten bekommen die Hysterie rund um das Coronavirus zu spüren. Einzelne reagieren mit einer Änderung der Annullationsbedingung, andere sehen dafür keine Grundlage - und berichten dazu direkt aus Asien.

Drei Woche sind es her, seit Travelnews erstmals über das Coronavirus berichtete. Trotz der Parallelen zur SARS-Epidemie von 2003 riefen sowohl die Reiseveranstalter wie auch die Behörden (WHO, EDA) zu Besonnenheit auf und sahen keinen Grund zur Panik. Die Ausbrüche waren ja auf China begrenzt, wo zu Jahresbeginn sowieso Tiefsaison ist, weshalb man hoffte, dass das Asien-Geschäft als Ganzes nur minimal tangiert würde. Drei Wochen mit intensiver Medienberichterstattung später, mit immer neuen Todesfallzahlen und Listen mit Ländern, wo die Infektion neu auftritt, ist nun aber klar: Schadlos kommen die Asien-Spezialisten nicht davon.

«Es ist ganz klar ein Problem und wirft inzwischen ziemliche Wellen», erklärt Claudia Spring (stv. Geschäftsführerin, Asia365), «wir haben inzwischen Annullationen für diverse asiatische Länder und nicht mehr nur für China, und dies sowohl kurzfristig als auch für langfristige Buchungen.» Diese Fälle würden einzeln angeschaut. Spring hält jedoch fest, dass an den normalen Annullationsbedingungen festgehalten wird, ausser natürlich für China, wo bereits vor zwei Wochen die Annullationsbedingungen geändert wurden. Spring hat ohnehin kein Verständnis für die ganze Hysterie: «Es wird völlig überreagiert, man kann Asien ausserhalb Chinas völlig problemlos bereisen. Aber wir nehmen die Ängste und Sorgen der Kunden natürlich ernst und versuchen, vernünftig zu argumentieren. Aktuell entscheiden viele Kunden ja mehr emotional statt rational.» Asia365-Geschäftsführerin Rith Landolt ist übrigens aktuell in Thailand, Spring geht selber in zwei Wochen dorthin - und erinnert daran: «Die Distanz zwischen Wuhan und Bangkok ist gleich gross wie die Distanz zwischen Zürich und Grönland.»

Tourasia- und Diethelm-Geschäftsführer Stephan Roemer erwischen wir telefonisch in Thailand: «Die Einreise in Bangkok war völlig problemlos, man durchläuft lediglich einen Scanner, welcher die Körpertemperatur misst. Der Flug war voll und alles völlig normal.» Zum Geschäftsgang sagt Roemer, dass zwar in der Tat auch für Ziele ausserhalb Chinas vereinzelt Annullationen eingegangen sind, von einer Annullationswelle könne man aber nicht sprechen. Er stellt zwar generell ein tieferes Buchungsaufkommen als im Vorjahr fest, die Gründe dafür seien aber bislang noch nicht klar bzw-. ausschliesslich dem Coronavirus zuzuordnen. Auch Roemer sieht insofern keinen Anlass, die Annullierungsbedingungen zu ändern: «Das wäre eine totale Überreaktion.»

Genau dies tun aber bereits vereinzelte Veranstalter. Ikarus Tours beispielsweise, der Studienreise-Spezialist mit Sitzen in Zürich und Königstein (D), hat für Asien-Reisen kulante Umbuchungsregelungen eingeführt: «Im Rahmen einer Verunsicherung und Buchungszurückhaltung bei Asien-Reisen aufgrund der derzeitigen Situation in China» bietet Ikarus Tours ab sofort für Neubuchungen für viele Asien-Reisen aus dem Programm «Ferne Welten» eine neue Umbuchungsregelung an, wonach Gruppenreisen in den nachfolgenden Ländern bis 45 Tage vor Abreise kostenfrei auf eine andere Reise aus dem Ikarus-Reiseprogramm im Jahr 2020 umgebucht werden können: Das gilt für Iran, Indien, Nepal, Bhutan, Sri Lanka, Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Myanmar, Philippinen, China und Indonesien.

Es gibt auch positive Zeichen

Dafür hat Roemer keinerlei Verständnis: «Es ist nicht das erste Mal, dass ein deutscher Veranstalter einen unverhältnismässigen Entscheid trifft und versucht, einen PR-Coup zu erzielen. Das ist völlig fehl am Platz und auch nicht im Sinne des Kunden.»

Zumal es laut Roemer durchaus auch Positives gebe: Durch den Ausfall der chinesischen Kundschaft rasseln die Preise in Asien in den Keller. «Hier in Thailand gibt es inzwischen Preise, die ich jahrelang nicht mehr gesehen habe - beispielsweise 60 Franken pro Nacht inklusive Frühstück in Fünfsternhotels in Bangkok.» Das könnte die Nachfrage aus Quellmärkten ausserhalb Chinas wieder beflügeln. Darüber hinaus gibt es auch Anzeichen, dass sich die Wachstumskurve der Infektionsfälle deutlich abflacht - was die Hoffnung weckt, dass die Ausbreitung des Virus langsam in den Griff kommt. Wobei Roemer noch anmerkt: «Wer nicht nach Thailand reist wegen dem Coronavirus, müsste nun eigentlich auch Deutschland meiden - dort hat es praktisch gleich viele nachweisbare Infektionsfälle.»

Auch Claudia Spring sieht ein «Silver Lining» und erklärt: «Es kommen durchaus auch Neubuchungen herein. Asien ist weiterhin wunderbar zu bereisen. Wir hoffen nun einfach, dass sich die Hysterie bald legt.» Übrigens: Das EDA rät weiterhin nicht von Reisen zu den beliebten asiatischen Ferienzielen ab.

(JCR)