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Die Coronavirus-Krise weckt Erinnerungen an die SARS-Krise. Doch eigentlich ist Panik nicht angebracht. Bild: AdobeStock

Die Angst vor einer neuen SARS-Krise geht um

Die Welt schaut aktuell gebannt auf China, wo der Ausbruch eines neuartigen Coronavirus und die Abschottung mehrerer Städte für Nervosität sorgt. Die Tourismusbranche erinnert sich an das Jahr 2003, wo das Asien-Geschäft von der damaligen SARS-Krise in Mitleidenschaft gezogen wurde. Doch grundsätzlich gilt es, Ruhe zu bewahren: Schliesslich wurde aus der SARS-Krise gelernt.

Eigentlich lief es den Asien-Reiseanbietern bislang ganz gut. Da sind die Nachrichten über die Coronavirus-Epidemie in China, welche sich schneller ausbreiten als das Virus selbst, natürlich alles andere als willkommen. Denn sie wecken Erinnerungen an die SARS-Krise von 2003.

Die Ähnlichkeiten zur aktuellen Situation sind frappant: SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) ist eine virale Infektionskrankheit, welche schwere Lungenentzündungen nach sich zieht und manchmal tödlich endet. Das Virus wurde erstmals im November 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong beobachtet; die damalige Pandemie forderte rund 1000 Todesopfer und verursachte deutliche Rückgänge im Asien-Reisegeschäft. Und dieses Mal wurde ein SARS-ähnliches Coronavirus erstmals in der chinesischen Stadt Wuhan beobachtet und breitet sich seitdem aus.

Der Unterschied zu 2003? Man ist besser vorbereitet. «Die chinesischen Behörden haben professionell und schnell reagiert – es kann keine Rede davon sein, dass ihnen die Kontrolle entgleitet», sagt etwa Ruth Landolt, Geschäftsführerin von Asia365, «China hat aus der SARS-Krise gelernt und sehr schnell reagiert. Auch die südostasiatischen Nachbarn sind gut gerüstet.» In China sind inzwischen schon acht Städte in der Provinz Hubei unter Quarantäne: Wuhan, Ezhou, Huanggang, Chibi, Qianjiang, Zhijiang, Jingmen und Xiantao; weitere könnten folgen. Keine dieser Städte ist ein touristischer Hotspot. Inzwischen sind rund 800 Infektions-Fälle bekannt, darunter auch von Personen, welche ausserhalb Chinas mit Coronavirus-Infektions-Symptomen registriert wurden, etwa in Japan, Singapur, Thailand, den USA (in Seattle) und Korea; auch Taiwan, Macau und Hong Kong haben bereits Fälle registriert. Die identifizierten Personen werden sofort isoliert, ebenso deren direktes Umfeld.

Bislang sind 25 Todesfälle aus China bekannt - zumeist ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Es werden auch schon Fälle gemeldet von Personen, die das Virus erwischt haben, aber dieses auch relativ schadlos überstanden haben. Es ist also alles andere als zwingend tödlich, sondern löst primär schwere Grippe-ähnliche Zustände aus. Wichtig zu wissen: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat zwar eine dringliche Sitzung gehalten und verfolgt die Lage eng, jedoch davon abgesehen, eine PHEIC («Public Health Emergency of International Concern», also die Gefahr einer globalen Epidemie) auszurufen.

Kein Grund zur Panik laut EDA und WHO

Kein Grund zur Panik also. Aber die Sorge ist nun mal da. Reisende werden beeinflusst von der medialen Berichterstattung, welche von hysterisch bis besonnen das ganze Spektrum abdeckt, aber erhalten auch von Reiseunternehmen direkt Informationen, welche als beunruhigend ausgelegt werden können. Beispielsweise haben Airlines für Flüge nach Wuhan bereits kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten angeboten (etwa Air China, Cathay Pacific oder United Airlines) - eine sinnvolle Massnahme, die aber auch suggeriert, dass etwas gar nicht rund läuft im Zielgebiet. Und: Die Börsenkotierungen der chinesischen Airlines sind zuletzt abgesackt...

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die Reisehinweise für China leicht angepasst. Dort heisst es nun: «Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, können die chinesischen Behörden Massnahmen anordnen, z.B. Reisebeschränkungen innerhalb des Landes; Abriegelung von Ortschaften, in denen das Virus ausgebrochen ist; medizinische Kontrollen bei der Ein- und Ausreise. Informieren Sie sich vor Ort über die aktuell gültigen Massnahmen und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.» Für andere asiatische Länder wurde bislang keine Änderungen angebracht.

Und doch hört man bereits von ersten Annullierungen von Asien-Reisen - und zwar nicht nach Zentralchina, was noch verständlich wäre, sondern auch nach Thailand. Was sagen die Asien-Spezialisten? «Wir haben auf Grund der Presseberichte einige Anrufe von Kunden bekommen, die nach unserer Sicht der Dinge gefragt haben», erklärt Ruth Landolt, «diesen Nachfragen begegnen wir mit einer offenen Kommunikation. Weder unsere Informationen, noch jene des EDA oder die Empfehlungen der WHO machen Reiseplanänderungen notwendig.» Auf denselben Standpunkt setzt sich Hotelplan Suisse/Travelhouse - Sprecherin Bianca Gähweiler lässt verlauten: «Aktuell bestehen keine Einschränkungen für Touristen, das EDA rät nicht von Reisen nach China ab. Saisongemäss halten sich aktuell wenige Gäste aus der Schweiz im Land auf. Hotelplan Suisse ist in Kontakt mit der lokalen Agentur sowie den Behörden. Aufgrund der momentanen Lage können alle Reisen im geplanten Rahmen stattfinden. Bis auf Weiteres gelten die normalen AVRBs der MTCH AG. Falls nötig oder gewünscht würden wir mit den betroffenen Kunden nach individuellen Lösungen suchen.»

Stephan Roemer (Inhaber Tourasia) berichtet von bislang zwei Kundenanfragen diesbezüglich, welche durch offene Kommunikation beantwortet wurden und wonach die Reisenden an ihrer Buchung festhielten. «Ich stelle keine Panik bei unseren Kunden fest, aber wir verfolgen die Lage natürlich aufmerksam», so Roemer, der selber in 10 Tagen nach China reisen wird, «glücklicherweise ist jetzt gerade Tiefsaison bei China-Reisen. Aber wir sehen aktuell keinen weiteren Handlungsbedarf als Touroperator. Ich möchte hier auch daran erinnern, dass es in der Schweiz jährlich mehr Grippetote wegen herkömmlicher Grippe gibt, als bislang wegen dem Coronavirus in China gestorben sind.» Und auch Roemer attestiert, dass China wie auch die ganze Welt von der SARS-Krise gelernt haben. Natürlich geht also Angst um, aber man weiss, womit man es zu tun hat, und ist bestmöglich vorbereitet.

Primär ist Chinas Tourismus betroffen

Einen grossen Verlierer gibt es aber bereits bei dieser Coronavirus-Krise: Den chinesischen Inland-Tourismus. Denn morgen Samstag beginnt das neue Chinesische Jahr, in diesem Fall das Jahr der Ratte (ironischerweise ein Tier, das quasi Wappentier der Krankheitsträger ist - wobei das neue Coronavirus offenbar von Schlangen stammen soll). Und dieses «Chinese Lunar New Year», welches während einer Woche gefeiert wird, sorgt im 1,4-Milliarden-Land für regelrechte Reiseströme, da Verwandte und Freunde quer durch das ganze Land besucht werden. Aus Sicht der Behörden ist dies aber vor allem eins: Ein Gefahrenherd, denn so kann möglicherweise tatsächlich eine Epidemie entstehen.

Folglich wurden zahlreiche Neujahrs-Events abgesagt; in Peking ist ab morgen (25. Januar) die Verbotene Stadt für Besucher gesperrt. Die chinesischen Behörden haben Flughäfen, Bahnstationen und Busdepots bereits mit Temperatur-Monitoren ausgestattet - wobei Fieber nur eines der möglichen Symptome einer Coronavirus-Erkrankung ist. Viele Chinesen, nicht nur jene in den abgeriegelten Städten, dürften dieses Jahr zuhause bleiben aus Angst vor einer Ansteckung oder weil mit starken Verzögerungen beim Transport zu rechnen ist.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie Behörden im Ausland mit einreisenden Chinesen umgehen. Millionen Chinesen reisen weltweit umher - als mögliche Träger des Coronavirus. Aber hier gilt es einmal mehr festzuhalten: Die Behörden sind alarmiert, Vorkehrungen werden getroffen, und die Erkrankung ist nicht zwingend tödlich. Gemessen an der Anzahl Reisenden weltweit und in China allein sind die bisherigen Erkrankungsfälle ein Klacks.

(JCR/NWI)