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v.l.: Die vier surp.travel-Reiseprofis Marcial, Nicole, Jenny und Andreas schicken Abenteuerlustige auf Überraschungsreisen in Europa - mit Erfolg. Bild: surp.travel

«Unsere Kunden haben ein Grundbedürfnis nach Spannung und Abenteuer»

Von Nina Wild

Seit gut vier Jahren schickt Surp.Travel die Menschen auf Überraschungstrips in europäische Städte. Für die Geschäftsidee hat das Start-Up den Startfeld-Förderpreis abgestaubt. Travelnews hat sich mit Andreas Näf, dem Gründer von Surp.Travel, über das Geschäft und die Zukunftspläne unterhalten.

Herr Näf, wie ist die Idee für surp.travel vor vier Jahren eigentlich entstanden?

Andreas Näf: Am Anfang war es eigentlich keine Idee, sondern ein Bedürfnis: Ich hatte damals nämlich keine Zeit, um Ferien zu planen, wollte aber trotzdem gehen. Deshalb habe ich ein Mail an ein Reisebüro geschrieben: «Ich will in irgendeine europäische Stadt, es soll nicht Amsterdam sein (da war ich bereits) und ich will nicht mehr als 500 Schweizer Franken ausgeben für 3 Tage inklusive Flug und Hotel.» Vom Reisebüro kamen sehr viele Fragen zurück, mit welchem es meine Bedürfnisse genauer abklären wollte. Dies ist sehr gut, wenn man mehr Beratung möchte, nicht aber, wenn man eigentlich keine Zeit hat und es nicht darauf ankommt, in welche Stadt es gehen soll. Dies habe ich dann als Chance gesehen und meine zwei Studienkollegen Nicole und Marcial angefragt, die sich mit Webseiten und Online-Marketing auskennen.

Wie hat sich die Firma bis heute entwickelt?

Wir sind damals sehr schnell gestartet: Nach nur drei Monaten hatten wir unsere erste Webseite online. Im Hintergrund war es zwar noch viel «Bastelarbeit» mit Excel und so, aber unsere Kunden konnten bereits online Buchungen mit Kreditkartenzahlung tätigen. Mittlerweile arbeiten wir natürlich mit einer richtigen Datenbank, wo wir auch viele Prozesse optimiert haben. Auch haben wir mittlerweile sechs Teilzeitmitarbeitende, die sich um die Buchungen, die Buchhaltung und insbesondere das Online-Marketing kümmern.

Inwiefern hat sich der Gewinn des Startfeld-Förderpreises auf die Firma ausgewirkt?

Bei uns in der Region ist dies einer der wichtigsten Förderpreise. Hier unter die Finalisten zu kommen macht uns natürlich stolz. Es hat uns bei der Vernetzung im Start-up Umfeld geholfen und ja, der Startfeld Diamant sieht auch echt gut aus. Er steht bei uns beim Eingang des Büros und ist immer gut für Gesprächsstoff mit Besuchern.

«Wir wollen den Prozess für unsere Reisenden so einfach wie möglich machen»

Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie heute und wie sind diese aufgestellt?

Alle drei Gründer sind immer noch an Bord. Daneben besteht das Team aus weiteren drei Teilzeitmitarbeitenden. Jemand davon kümmert sich um die Buchungen und die Finanzen, die übrigen konzentrieren sich auf Online-Marketing. Hier müssen wir stark sein, da wir keine Filialen haben und nur online unterwegs sind. Natürlich ist auch hier vieles automatisiert, aber die Blogbeiträge schreiben sich nicht von alleine.

Können Sie erklären, wie genau eine so eine Überraschungsreise funktioniert?

Wir wollen den Prozess für unsere Reisenden so einfach wie möglich machen: Man geht auf die Website von surp.travel und wählt, wann man abfliegen will und ob die Reise drei oder vier Tage dauern soll. Dann noch drei Städte angeben, die es sicher nicht sein sollen und zum Schluss muss man nur noch die Personalien eintragen.

Danach bekommt man von uns eine persönliche Webseite mit Wetterbericht und Countdown. Am Flughafen erfährt man dann, wo die Reise hingeht und hat alle Unterlagen für die Reise im orangen Umschlag.

Wo sehen Sie mit den Überraschungsreisen Ihre Chancen?

Unsere Kunden haben ein Grundbedürfnis nach Spannung und Abenteuer. Dies decken wir natürlich mit unseren Überraschungsreisen sehr gut ab. Auf der anderen Seite sind wir nicht auf die Verfügbarkeit von Hotels und Flügen für eine einzige Stadt angewiesen, sondern können hier freier agieren. Dies hilft auf der Kostenseite.

Planen Sie auch Überraschungsreisen mit Anreise per Zug?

Ja, das Thema ist wichtig und wir haben auch einige Kundenanfragen. Wir sind momentan daran, mittels einer Kundenbefragung herauszufinden, wie wir das am besten umsetzen könnten. Es ist ehrlich gesagt nicht ganz einfach, da wir entweder Nachtzüge oder Tagesverbindungen anbieten könnten, aber beides ist sehr beschränkt vom Angebot her. Insbesondere bei den Nachtzügen wäre es nicht mehr eine so grosse Überraschung, wohin es gehen würde.

Können Sie Ihre Zielgruppe beschreiben?

Wir haben es uns am Anfang nicht so vorgestellt, aber bei uns buchen lustigerweise vor allem Frauen. Diese scheinen besonders gut mit Überraschungen umgehen zu können… oder sie mögen vor der Reise einfach nicht mehr über die Destination diskutieren.

Aktiv gehen wir insbesondere auf Neukunden zu. Die meisten Stammkunden gehen von alleine ein Mal pro Jahr auf eine SURP-Reise. Die Stadt der letzten Überraschungsreise muss man übrigens auch nicht mehr als No-Go Stadt ausschliessen, da diese automatisch ausgeschlossen wird, wenn man wieder mit der gleichen Email-Adresse bucht.

Sie haben ihr Angebot bereits in den österreichischen und deutschen Markt expandiert – bemerken Sie bei den Gästen Unterschiede von den Bedürfnissen und dem Verhalten?

Die Kunden aus Deutschland und Österreich sind preissensibler. Ansonsten haben wir hier noch keinen grossen Unterschied gespürt.

«Bei uns buchen lustigerweise vor allem Frauen»

Wie viele Kunden betreuen Sie pro Jahr?

Wir haben pro Jahr etwas mehr 2000 Reisende, Tendenz natürlich steigend.

Wie sind Sie im Bereich Online-Marketing aufgestellt?

Wir haben keine Filialen - bis auf unseren Stand an der Ferienmesse in Zürich - und sind nur online auffindbar. Deshalb müssen wir im Online-Marketing auch sehr gut aufgestellt sein. Marcial und Nicole sind Experten auf dem Gebiet. Ausserdem haben wir zwei Studenten, die uns beim Online-Content (Blogs, Social Media) unterstützen. Wir messen die Resultate wöchentlich und können dann optimieren.

Welche Destinationen haben Sie im Portfolio?

Eigentlich sind es alle Destinationen, die mit einem Direktflug ab Zürich oder Basel innerhalb von drei Stunden erreichbar sind, ausser sie sind zu nah und machen daher für unsere Reisenden keinen Sinn (Lyon, Mailand).

Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Wir haben momentan noch keine feste Partnerschaften mit Airlines oder Hotelketten und sind so flexibler. Bei den Buchungen arbeiten wir aber mit lokalen Reisebüros (auch Filialen von Hotelplan und Kuoni) zusammen.

Haben Sie weitere Projekte in der Pipeline?

Wir haben noch diverse Ideen im Köcher. An unseren Strategietagen haben wir aber beschlossen, uns vorerst voll und ganz auf unsere Überraschungsreisen zu konzentrieren, um diese noch einmal besser zu machen und unsere Abläufe im Hintergrund noch effizienter zu gestalten.