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Von einem Buchungsstau wie im letzten Jahr ist derzeit bei den Schweizer Reisebüros nicht die Rede. Bild: TN

«Der Saisonstart verläuft sehr gut»

Von Gregor Waser / Nina Wild

Nach verhaltenen Buchungseingängen vor einem Jahr, starten jetzt die Schweizer Reisebüros dynamisch ins neue Jahr, wie eine Travelnews-Umfrage zeigt.

Noch vor einem Jahr gab es lange Gesichter in der Schweizer Reisebranche. Bei den Ferienmessen in St. Gallen, Bern und Zürich lautete der Tenor unisono, das Reisebüro-Geschäft laufe zurückhaltend. Der Hitzesommer 2018 schien mit ein Grund für den Buchungsstau. Das Sommergeschäft lief dann in der Tat schlecht, erst im Herbst lichteten sich die Wolken.

Doch was können die Schweizer Reisebüros vom angelaufenen neuen Jahr erwarten? Die Befragung von Berner Reisebüros letzte Woche zeigte bereits die Richtung an: es geht nach oben in diesem Jahr. Von Rekordbuchungen ist die Rede – zumindest im Kanton Bern, wo mit FlyBair eine Lücke gegenüber dem letzten Sommer gefüllt werden konnte, was die Ferienbuchungen offensichtlich anheizt.

Doch wie läuft der Saisonstart in der restlichen Deutschschweiz? Travelnews hat bei sechs Reisebüros den Puls gefühlt.

Buchungen über Vorjahr

«Wir sind sehr gut gestartet», stellt Jonas Sulzberger vom Reisebüros Sulzberger in Neuhausen SH erfreut fest, «wir hatten aber noch gar keine Zeit, die Zahlen im Detail zu vergleichen, ein gutes Zeichen.» Lena Kroll von Twerenbold Reisewelt in Baden AG sagt: «Der Saisonstart ist gelungen». Mit ein Grund sei der Versand der Kataloge, der schon vor Weihnachten erfolgt sei.

«Der Saisonstart und die Buchungseingänge sind gut», stellt auch Andy Hertig von Hertig Reisen in Pfäffikon SZ fest. «Die Buchungen liegen über Vorjahr, wir sind zufrieden», sagt Christian Hildebrand vom Reisebüro Hildebrand in Winterthur.

Christian Granwehr vom Reisebüro Buchs in Buchs SG liegt auf Vorjahr und ist damit zufrieden: «Wir können sagen, dass die Saison so angelaufen ist wie die Jahre zuvor. Es ist immer wieder interessant, wie stark die Buchungen im Januar sind. Ganz egal wie die wirtschaftliche oder auch politische Lage auf der Welt ist, die Schweizerinnen und Schweizer sind nach wie vor sehr reiselustig.» Ähnlich fällt das Urteil bei Roly Petermann, Jet Reisen Luzern, aus: «Der Saisonstart ist sehr gut wie letztes Jahr. Die Kunden hatten über die Festtage Zeit, um die Ferien zu planen».

Die aktuellen Renner

Doch wohin geht die Reise in diesem Jahr? «Schottland, Irland, Festland Portugal und Skandinavien» nennt Christian Hildebrand als aktuelle Renner. Viele Anfragen für die Karibik, auch kurzfristige für Ostern, verzeichnet Christian Granwehr, «die Dominikanische Republik ist wieder schön am Aufkommen». Gut nachgefragt bei Hertig Reisen sind Kreuzfahrten, Nordamerika, Fernost, Südafrika sowie Ägypten und Arabische Emirate.

«Die grösste Nachfrage verzeichnen wir derzeit beim spanischen Festland und den Kanarischen Inseln. Ebenso gut laufen Ägypten, Griechenland, Thailand, Mauritius, Malediven und Karibik», sagt Roly Petermann. Keine klare Tendenz macht Lena Kroll aus, Städteziele und Badeferien in Europa streicht sie hervor sowie Vietnam und die Malediven. Von den «üblichen Kandidaten» spricht Jonas Sulzberger und nennt USA, Kanada, Skandinavien, Thailand, Mittelmeer, Ägypten wie auch Cruises.

Damit haben die Reisebüros zu kämpfen

Um es im Ski-Jargon zu sagen: Die gute erste Zwischenzeit verleiht noch niemanden zu Euphorie, noch ist der Weg weit ins Ziel. Als eine aktuelle Herausforderung nennt Christian Granwehr das Thema Sicherheit: «Heutzutage müssen wir schauen, wohin wir die Leute noch schicken können. Wir beobachten, dass wieder vermehrt Familien für eine Beratung zu uns ins Reisebüro kommen und uns fragen, wo denn Ferien mit Kindern überhaupt noch gefahrlos möglich sind». Heute gäbe es nicht mehr so viele von diesen Destinationen und das führe zu Engpässen etwa während den Schulferien.

«Die Kunden bleiben preissensibel und sind schnell, wissen selbst schon viel und man muss echt am Ball bleiben, um mithalten zu können bezüglich Informationsstand», stellt Lena Kroll fest. «Die Buchungen erfolgen allgemein sehr kurzfristig und die normalen Buchungskanäle reichen meist nicht aus.» Oft würden die TO-Abklärungen zu lange dauern, «da muss man schon kreativ sein und andere Wege finden».

Ein Lob für die Touroperators spricht Jonas Sulzberger aus. «Die Buschfeuer in Australien haben uns jüngst im operativen Bereich leicht eingeschränkt. Wir erhalten hier aber gute Unterstützung durch die TOs.»

Noch traut Andy Hertig dem guten Saisonstart nicht, die Situation könne sich schnell ändern, sollten sich etwa die Probleme um den USA-Iran-Konflikt vergrössern – dabei denkt er an die bisher gut gebuchten Ziele VAE und Ägypten. Als Einschränkung ortet er auch die gute Auslastung bei den Airlines, was die Spitzendaten an Ostern, im Sommer, während den Herbstferien oder an Weihnachten betrifft.

Eine interessante Beobachtung macht Christian Hildebrand: «Es gibt immer mehr Leute, die einen Weg ihrer Reise mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, zum Beispiel bei Reisen nach Skandinavien. Sie reisen auf dem Hinweg mit dem Zug und zurück per Flugzeug.»

Noch ist das Jahr also bei Weitem nicht eingetütet, doch der Saisonstart verläuft schon mal überraschend gut.