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Nach über 20 Jahren verlässt Martin Wittwer TUI Suisse und freut sich, eine neue Aufgabe zu prüfen und anzugehen. Bild: TN

Wieso verlassen Sie TUI Suisse, Herr Wittwer?

Nach der gestrigen Ankündigung, TUI Suisse per Ende Februar zu verlassen, begründet CEO Martin Wittwer seinen Austritt und äussert sich zu seinen Plänen.

Aus heiterem Himmel platzte gestern Nachmittag die Meldung rein, dass sich CEO Martin Wittwer nach über 20 Jahren von TUI Suisse verabschiedet. Der richtige Zeitpunkt sei gekommen, um eine neue Herausforderung anzugehen. Travelnews hat sich bei Martin Wittwer nach den Gründen des überraschenden Abgangs erkundet.


Herr Wittwer, wieso verlassen Sie TUI Suisse?

Martin Wittwer: Wenn man einen solchen Entscheid trifft, sind dies ganz viele verschiedene Faktoren, die da zusammenkommen, und die mich dazu bewogen haben, diesen Schritt zu machen. Ich mache dies nun schon seit über 20 Jahren und der Zeitpunkt ist gekommen, auch mal zu reflektieren und sich genau zu überlegen: wo stehe ich, wohin will ich, wohin entwickelt sich das Unternehmen, wohin entwickelt sich der Markt? Anhand dieser Überlegungen reifte der Entscheid, das Unternehmen zu verlassen.

Haben Sie schon konkrete Pläne, was Sie ab März machen werden?

Nein, ich habe noch keinen neuen Job. Ich habe mich vom ersten Tag an für TUI eingesetzt und werde dies bis zum letzten Tag machen und dann das Kapitel erstmal abschliessen. Ab dann werde ich offen sein, neue Ideen zu prüfen und anzuschauen. Ich freue mich, ein weisses Blatt vor mir zu haben - ein schönes Gefühl. Das Einzige, was ich weiss, ist, dass ich weiterarbeiten und etwas bewegen möchte.

In der Reisebranche oder auch ausserhalb?

Das kann die Branche sein, muss es aber nicht. Es muss Spass und Freude machen. Ich habe noch Jahre vor mir und nie geschaut, wann ich pensioniert werde. Ich möchte nochmals eine Chance packen und eine neue Aufgabe angehen.

Viele zögern, nach 50 nochmals etwas Neues anzufangen. Sehen Sie das sportlicher?

Definitiv. Es ist für mich spannend, ein Risiko einzugehen, also wenn sich etwas verändert. Ich fühle mich jedenfalls nicht zu alt und ein solcher Schritt ist nicht an das Alter gekoppelt, sondern ist eine Frage des Willens, der Kraft und der Freude. Nun atme ich erstmal aus und schaue, was auf mich zukommt. Dies wird nicht nur positiv sein, sondern sicherlich auch ein Wechselbad der Gefühle.

«Zwei Monate reichen, um die Aufgaben zu übergeben»

Sie verlassen TUI Suisse bereits Ende Februar. Der Entscheid zum Abschied dürfte schon früher gefallen sein.

Der Entscheid ist im letzten halben Jahr gereift, zum finalen Entscheid kam es vor Weihnachten. Und wenn man einen solchen Entscheid trifft, muss man auch gehen. Zwei Monate reichen, um die Aufgaben zu übergeben.

Bei uns traf sogleich die Frage ein, ob Sie wohl gehen mussten? Was sagen Sie dazu?

Ich mag nicht auf Gerüchte eingehen. TUI Suisse ist heute sehr erfolgreich und ich habe die Firma erfolgreich geführt. Aber es kommt immer der Tag, an dem man gegenseitig sich überlegen muss, wo steht man, was sind die Interessen des Unternehmens, welches sind meine Interessen.

In welchem Zustand übergeben Sie das Schiff?

Das Geschäft läuft sehr positiv, wir sind gut auf Kurs. Sowohl in den Winter wie auch in den Sommer sind wir positiv gestartet. TUI Suisse ist gesund und gut aufgestellt – entsprechend ist dies nun ein guter Zeitpunkt, um etwas Neues zu machen.

Sie nehmen auch Einsitz im Vorstand des Schweizer Reise-Verbands? Geben Sie den Sitz ab?

Dies muss ich erstmal mit dem Präsidenten anschauen. Ich kann mir vorstellen, dass meine Nachfolge bei TUI im SRV-Vorstand in Frage kommt. Für mich ist die Reisebranche wichtig, und solange es Sinn macht, engagiere ich mich im SRV für die Branche.

(GWA)