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SRV-Präsident Max E. Katz mit dem frischgebackenen Vorstandsmitglied Natalie Dové (Nussbaumer Reisen). Alle Bilder: JCR

SRV-GV: Natalie Dové einstimmig in den Vorstand gewählt

Von Jean-Claude Raemy

Damit ist nun eine Frau und Reisebüro-Leiterin im obersten Verbandsgremium vertreten. Überdies wurde Ras-al-Khaimah als Austragungsort der nächsten SRV-GV enthüllt. Travelnews hat die wichtigsten Ereignisse und Ergebnisse der diesjährigen Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbands (SRV) in Rust zusammengestellt.

Die 92. ordentliche Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbands (SRV) ging heute im Europapark in Rust über die Bühne - oder genauer: Im seit Mai geöffneten Hotel Kronasar, welches gemeinsam mit der Wasserwelt Rulantica etwas abseits des Parks liegt und das insgesamt sechste Hotel des Europaparks bildet. Es bietet 276 Zimmer und 28 Suiten, wurde also von den GV-Teilnehmern ziemlich in Beschlag genommen. Die Hälfte der rund 200 Teilnehmenden reiste im PW an, die anderen in vier Königsklasse-Bussen, welche Twerenbold Reisen sponserte.

Eingangs hielt Engelbert Gabriel (Sprecher der Geschäftsleitung, Europapark Rust) eine kurze Präsentation über den erfolgreichen, 134 Hektar grossen Park unweit der Schweizer Grenze, welche pro Jahr 1,3 Millionen Besuche aus der Schweiz verzeichnet. Dies unter anderem durch die Aufteilung in vier Jahreszeiten: Jahresauftakt (Frühling), Sommer, Halloween (Herbst; der Oktober ist inzwischen erfolgreicher als der August, auch dank den Schweizern) und Winter (v.a. Weihnachten).

Wir haben die wichtigsten Themen, Diskussionen und Wahlereignisse nachfolgend für Sie in kompakter Form aufbereitet:


Eingangsbemerkungen von SRV-Präsident Max E. Katz

Max E. Katz freut sich in seiner Eröffnungsrede über die weiterhin hohe Teilnehmerzahl von rund 200 Personen, selbst bei dieser «Kurzstrecken-GV». Dass man so nahe tage, habe nichts mit der Klimadiskussion zu tun, sondern sei verbunden mit der Eröffnung von Rulantica. Er lässt auch durchblicken, dass künftig die Generalversammlungen jeweils zwischen nahen und fernen Zielen alternieren würden, wie das früher schon mal der Fall war. Er freut sich über die Anwesenheit aller SRV-Vorstandsmitglieder sowie der Nachbarlands-Reiseverbände (Norbert Fiebig, DRV, und Walter Säckl, ÖRV) sowie der Mitglieder der Kundengeldabsicherer.

Anschliessend holt er aus, die jüngsten Probleme nochmals zu durchleuchten: Schwache Nachfrage, heisser Sommer, die emotionalisierte Klimadebatte (es gehe nicht mehr nur um «climate change», sondern oftmals gleich um «system change») und im wesentlichen auch den Druck auf die Pauschalreise durch immer mehr Individualbuchungen. Er bedauert, dass der Tourismus zu einem der Sündenböcke in der Klimadebatte gemacht wurde und hofft, dass moderne Technologien die Problematik künftig zumindest teilweise entschärfen.

Verzichten, reduzieren, kompensieren: Damit muss sich auch die Reisebranche auseinandersetzen. «Wir wollen uns aber das Fliegen nicht verbieten oder kontingentieren lassen», bemerkt Katz und erinnert daran, dass der SRV sich schon vor Jahren mit Klimathemen auseinandergesetzt habe. Wenn sich Industrien den Schwarzen Umwelt-Peter zuschieben oder über den CO2-Ausstoss von China gelästert wird, greife dies jedoch zu kurz: Katz appelliert an alle, ihre Rolle im Umweltschutz aktiv zu spielen und erinnert an die Kampagne von KLM, welche in diesem Zusammenhang besonders gelungen sei.

Natürlich wird auch die Pleite von Thomas Cook und die damit verbundene Mehrbelastung der Reisebranche und Verunsicherung beim Konsumenten angesprochen: «Ich hoffe, 9/23 wird künftig nicht als Todesdatum oder Anfang vom Ende der Pauschalreise angesehen.» Bei den Reisebüros scheint man sich auf ein weiteres schwieriges Geschäftsjahr einzustellen: Im sogenannten «SRV Sentiment Index» werden sowohl bei der Anzahl Dossiers als auch bei den Preisen deutlich tiefere Werte als im Vorjahr erwartet. Dennoch schliesst Katz positiv ab: Indem er Expedia-CEO Mark Okerstrom zitiert, welcher den Reisebüros eine sehr gute Zukunft voraussagt. Komplexere Reisen würden weiterhin schwierig online buchbar sein.

Jahresrechnung und Mitglieder

Die Bilanz per 30.09.2019 kann sich sehen lassen. Der Reingewinn von 12'259.80 Franken fällt zwar etwas tiefer aus als im Vorjahr, liegt aber trotzdem deutlich über dem budgetierten Verlust von 22'044 Franken. Mit diesem Reingewinn beträgt das Eigenkapital des SRV neu 624'995.45 Franken.

Der Aufwand der Geschäftsstelle blieb praktisch unverändert zum Vorjahr und damit unter dem Budget; die etwas höhere Lohnsumme wurde durch tiefere Abschreibungen grösstenteils wettgemacht. Ebenfalls unter dem Budget blieben allerdings auch die Einträge über Mitgliederbeiträge (730'630 statt 738'000 Franken). Die Einkünfte bei den Passivmitgliederbeiträgen konnten zwar gesteigert werden, doch waren diese bei den Aktivmitgliederbeiträgen um 13'000 Franken tiefer.

Dies hat natürlich damit zu tun, dass die Zahl der Aktivmitglieder netto abermals um 20 abgenommen hat (minus 13 Filialen und minus 7 Hauptsitze), während vier neue Passivmitglieder gewonnen wurden. Ausgetreten sind insgesamt 29 Aktivmitglieder; teils waren es wie erwähnt auch Filialschliessungen der «Grossen» sowie Geschäftsaufgaben oder auch die konkursite Thomas Cook Services AG. Auf Seiten der Passivmitglieder gab es 8 Austritte. Immerhin gab es auch 11 Neuaufnahmen bei den Aktivmitgliedern und 12 Neuaufnahmen bei den Passivmitgliedern.

Das Ergebnis wird einwandslos angenommen. Revisor Daniel Ryser (RVS) attestiert, dass die Buchhaltung sauber geführt ist.

Berichte aus der Geschäftsstelle und den Fachbereichen

SRV-Geschäftsführer Walter Kunz freut sich, dass der Geschäftsbericht 2018/2019 gelesen wurde und Feedbacks generierte. Dieser wird einstimmig genehmigt.

Bei seiner Rede bedankt er sich zuerst für den grossen Einsatz seines Teams, welches nach der Pleite von Thomas Cook zahlreche Anfragen bewältigen musste. Er holt danach aus, nochmals über die Rechte und Pflichten der Reisebüros und deren rechtlich korrekte Haftungsrolle zu unterrichten. An dieser Stelle verweisen wir auf diesen Text.

«Ein Grossteil des Schadens aus der Thomas-Cook-Pleite hatte mit der Pleite selber zu tun, viel war aber auch Kulanz, zu welcher Reisebüros eigentlich nicht hättet verpflichtet sein müssen», sagt Kunz und erinnert daran, dass eine Kundengeldabsicherung eben nur den Kunden absichert und nicht das Risiko des Reisebüros deckt. Die im Vorfeld ausgetragene indirekte Auseinandersetzung zwischen Walter Kunz und einigen Reisebüros - die gegenseitige Kritik erfolgte in Sozialen Medien bzw. über den Geschäftsbericht - war zwar im unmittelbaren Vorfeld der GV durchaus ein Thema, wird aber an dieser nicht mehr aufgenommen. Es gibt auch keine Plenumsfragen zum Fall Thomas Cook.

Es folgt der Bericht von Daniel Bauer (SRV-Fachgruppe «Aus- und Weiterbildung»), der einige Stilblüten aus den Abschlussprüfungen präsentiert, sich aber auch über sehr gute Abschlüsse freuen darf. Er hält fest, dass insgesamt 100 Lernende ihre Lehre in der Branche Reisebüro gestartet haben und diese Zahl leicht unter Vorjahr ist. Weiter stehe man kurz vor Fertigstellung des Qualifikationsprofils «Kaufleute 2022» und es wurden wieder drei «Young Talents» erkoren (Nathalie Griessbacher und Zoe Graf, beide von DER Touristik, sowie Mona Enderle von TUI Suisse), welche ihre Projekte im Plenum vorstellen dürfen. Bauer bedankt sich auch noch bei der scheidenden Ausbildungsverantwortlichen beim SRV, Nadeshda Britschgi.

Aus dem Bereich «Flug» berichtet Walter Kunz (stellvertretend für den abwesenden Fachbereichsleiter Marcel Herter) über dessen «ras le bol» des Tourismusbashings im öffentlichen Diskurs und hält fest, dass trotz viel Gegenwind aus dem Klimabereich und mittels einer Flugsteuer die Nachfrage kaum zurückgehen wird. Darüber hinaus sei die Entwicklung der ADMs «völlig aus dem Ruder gelaufen» sei, in der Menge und in der Prozedur. Konkrete Resultate aus einer Untersuchung hierzu werde der SRV beim nächsten KMU-Forum präsentieren. Kunz beklagt ausserdem, dass die IATA PaConf lediglich mit Airlinern besetzt ist, also sämtliche Luftfahrt-Vertriebsprogramme einseitig gestaltet sind. Der SRV-Dachverband ECTAA hat nun eine Katellbeschwerde eingereicht. Weiter geht Kunz kurz auf das Thema «NewGenISS» ein und hofft, dass diesbezüglich angebrachte Mängel rasch behoben werden, sowie auf die kontroverse IATA-Resolution 830d. Auch die vielen Groundings 2019 und der daraus hervorgehende EU-Gesetzesvorschlag werden berührt. Die (wenigen) anwesenden Airline-Vertreter melden sich auf dieses Votum übrigens nicht zu Wort.

Roland Schmid (Leiter Fachgruppe «Umwelt») erinnert daran, dass bereits Alexander von Humboldt anfangs des 19. Jahrhunderts vor der Verödung der Welt durch den Menschen warnte. Er geht auf die Megathemen der beiden vergangenen Jahre, etwa Overtourism/Undermanagement, zu sprechen. Er appelliert an den Mut und Sachverstand, auch in der Reisebranche mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass auch Gäste dies - aus Überzeugung - tun können. Im Schnelldurchlauf wird auch nochmals auf den erfolgreichen SRV-Nachhaltigkeitstag eingegangen; Details dazu unter diesem Link.

Im Bereich «Politik» versucht André Lüthi wieder einen Paukenschlag - «es ist wieder nicht alles, was ich sage, mit dem Vorstand abgesprochen», eröffnet er kurz vor der Pause. Er zeigt alte Flieger und zieht Parallelen zur «Motion Markwalder», welche seit über drei Jahren im Raum steht und in Bundes-Bern nicht richtig vom Fleck kommt. Lüthi rechnet, dass diese frühestens 2022 auf dem Tisch des Bundesrats sein wird. Weiter kommt Lüthi auf seinen - eben nicht abgesprochenen - Vorstoss von vor zwei Jahren zurück, bei welchem er eine einheitliche Kundengeldabsicherung forderte. Er informiert, dass dieser Vorschlag nach Evaluierung durch den SRV-Vorstand mit den Kundengeldabsicherern abgeschmettert wurde. Letztere würden in den kommenden Wochen selber darüber informieren. Zuletzt drückt Lüthi aus, dass er froh ist über die aktuelle Klimadebatte und er lieber Geld in Forschung zugunsten von modernen Fortbewegungsmitteln investieren würde anstatt in CO2-Kompensationen. Das sorgt zumindest für etwas Spontanapplaus und beim Pausen-Kaffee für das eine oder andere Gespräch.

SRV-Geschäftsführer Walter Kunz erinnert die anwesenden GV-Teilnehmer daran, wie die Haftungsverantwortlichkeiten beim Vermitteln von Reiseleistungen sind.

Budget und Mitgliederbeiträge

Das Budget für das Geschäftsjahr 2019/2020 sieht einen Verlust von 27'870 Franken vor; das liegt leicht über dem budgetierten Verlust des Vorjahres aber weit unter dem effektiven Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahrs. Kunz nennt dies «vertretbar».

Bei den Mitgliedereinnahmen entspricht das Budget der Rechnung 2018/2019, sprich, es wird von stabilen Mitgliederzahlen ausgegangen. Beim Traktandum 8 «Festsetzung der Jahresbeiträge 2019/2020» werden unveränderte Beiträge empfohlen - und angenommen. Die SRV-Mitgliederbeiträge wurden seit Jahren nicht mehr erhöht (ausser im Fall der Passivmitglieder, deren Beiträge 2016 leicht erhöht wurden). Walter Kunz hält aber fest, dass es Anfragen von Mitgliederseite gebe, doch die Passivmitgliederbeiträge künftig auch nach Grösse des Unternehmens zu gestalten. Dies werde demnächst geprüft.

Stärker auf der Kostenseite ins Gewicht fallen unter anderem die Ausgaben der Regionen - wobei das Wiederaufleben beispielsweise der Regionenanlässe wie zuletzt der Besuch im Berner Bundeshaus auf grossen Anklang stossen - sowie auch die Löhne und Sozialleistungen bei der Geschäftsstelle. Demgegenüber wird mit deutlich höheren Einnahmen an Kursgeldern gerechnet. Bei den Einnahmen und Ausgaben der Berufsmessen, wo der SRV jeweils Präsenz markiert hat, sind Vergleiche schwierig, weil diese im neuen Budget neu separat ausgewiesen werde. Grundsätzlich konnte aber der Aufwand für die Weiterbildung nach Abschluss diverser Projekte leicht reduziert werden.

Das Budget wird einstimmig genehmigt.

Wahlen

Natalie Dové, seit 30 Jahren eine feste Grösse in der Reisebranche, hat sich bekanntlich als Kandidatin zur Wahl in den SRV-Vorstand präsentiert. Sie stellt sich kurz persönlich vor und bedankt sich beim SRV, welcher sie quasi «rekrutiert» hat und bei welchem sie die Anliegen der kleineren unabhängigen Reisebüros verstärkt einbringen kann. Sie wird einstimmig und mit grosser Akklamation gewählt. Die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder André Lüthi und Dieter Zümpel für eine weitere dreijährige Amtsperiode im SRV-Vorstand ist daraufhin Formsache.

Man glaubt es kaum, aber Dové ist seit 10 Jahren die erste Frau im SRV-Vorstand. Katz freut sich bereits, künftig an Vorstandssitzungen «Guten Morgen meine Dame und Herren» sagen zu können. Sie ist darüber hinaus keine «Ersatzperson», sondern erweitert den Vorstand. Aktuell sind darin 9 Personen, darunter die CEOs der fünf grössten Schweizer Reiseunternehmen. Laut SRV-Statuten kann der Vorstand aus 7-11 Personen bestehen, d.h. es braucht für diese Vorstandserweiterung nicht einmal eine statutarische Änderung.

Austragungsort 2020

Das Geheimnis ist gelüftet: Die SRV-GV 2020 führt wieder an einen wärmeren Ort, nämlich in ein Emirat, genauer gesagt das Emirat Ras-al-Khaimah. Sie findet vom 25.-29. November 2020 statt und wird klimaneutral durchgeführt.

Ras-al-Khaimah ist ein Novum als Austragungsort und wird 2020 viel Aufmerksamkeit erhalten, da es ja auch Gastland der Fespo 2020 ist. Versprochen wird den Teilnehmenden unter anderem die längste Zipline der Welt, eine Via Ferrata im Gebirge und ein Galadinner in der Wüste.

Ras-al-Khaimah - das Partnerland der Fespo 2020 - wird auch Austragungsort der SRV-GV 2020.