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Sie stellten das Sommerprogramm im Zürcher Colab vor (v.l.): Nicole Pfammatter (Director Dyna & Package), Tim Bachmann (Director Touroperating Travelhouse) und Daniel Bühlmann (COO) von Hotelplan Suisse. Bild: JCR

Hotelplan Suisse hat 2019 schwarze Zahlen geschrieben

Trotz dem herausfordernden Umfeld konnte Hotelplan das letzte Geschäftsjahr positiv gestalten. Weiter wurde heute das neue Sommerprogramm 2020 vorgestellt. Wir haben die Details.

Anfangs dieses Jahres schrieben wir, dass dieses Jahr «wegweisend» für die Hotelplan Group sein würde. Die Konzernzahlen liegen zwar noch nicht vor, aber immerhin gibt es schon mal Aussagen bezüglich der grössten Konzerneinheit, nämlich Hotelplan Suisse. Und da gibt es Erfreuliches zu berichten: Das vergangene Geschäftsjahr (1. November 2018 bis 31. Oktober 2019) konnte «ganz klar mit schwarzen Zahlen» abgeschlossen werden, wie COO Daniel Bühlmann heute morgen im Rahmen einer Medienkonferenz im Zürcher Colab bekannt gab. Der Umsatz sei zwar leicht rückläufig, dafür sei die Marge besser. Im Vorjahr betrug der Umsatz 601 Mio. Franken; dieses Jahr werde man darunter liegen. Ebenso sei die Anzahl Passagiere leicht zurückgegangen (im Vorjahr waren es rund 510'000 Pax). Trotzdem habe man sich beim Gewinn «im Rahmen des Vorjahres» bewegt, so Bühlmann. Dieses war auch bereits mit schwarzen Zahlen abgeschlossen worden.

Dies, obwohl es auch heuer wieder nicht an Herausforderungen gemangelt habe. Die Sommersaison-Buchungen 2019 seien im Januar verhalten gestartet, doch habe sich der Buchungsstau im Verlauf des Jahres gelöst. «Besonders bei den Reservationen für die Herbstferien konnten wir zulegen», führt Bühlmann weiter aus. Überdies macht die Klimadebatte auch vor Hotelplan Suisse keinen Halt. «Aktuelle Zahlen zeigen deutlich, dass die Kundschaft von Hotelplan Suisse klimabewusster wird», sagt Bühlmann. Insgesamt wurde im Geschäftsjahr 2018/2019 bei 28 Prozent der Buchungen in den Filialen der Flug via Myclimate kompensiert; im Vorjahr waren es noch 25 Prozent gewesen. Interessant: Im Online-Geschäft werde deutlich weniger kompensiert als bei Buchungen im Reisebüro.

Stefan Jäggi (Leuzinger & Benz), welcher die Podiumsdiskussion (anstelle der bisherigen Powerpoint-Präsentationen) moderiert, wollte dann noch von Tim Bachmann (Director TO Travelhouse) und Nicole Pfammatter (Director Dyna & Package) wissen, wie das Geschäftsjahr beurteilt wird. Bachmann konnte rapportieren, dass sich die Kunden durchaus etwas mehr leisten, was den Pax-Rückgang amortisiert habe. Pfammatter konnte von höheren Preisen in gewissen Destinationen, einem neuen Preisberechnungsmodell sowie einer Minimierung der Charterrisiken berichten, welche allesamt zum positiven Ergebnis beigetragen haben.

Und was war mit der Thomas-Cook-Pleite? Laut Bühlmann seien bei Hotelplan rund 90 Dossiers betroffen gewesen, welche man schnell und proaktiv angegangen habe. Grundsätzlich sei die Pleite aber schlecht für die Branche - für betroffene Hotels, für die Auswirkungen aufs Image der Branche bzw. das Vertrauen der Kunden - «unnötige Unsicherheit», wie er es formuliert. Kann man Hotelplan noch vertrauen? «Natürlich», so Bühlmann, weil man die Migros im Rücken habe und komplett anders aufgestellt sei als etwa die börsenkotierte Thomas Cook. Bachmann geht überdies davon aus, dass der Fall Thomas Cook dazu führen werde, dass «diverse Reiseveranstalter ihre Vertikalisierungsbemühungen überdenken».

Auf die vielen personellen Wechsel im Hotelplan-Management angesprochen (Stichworte: Kenny Prevost, Manuela Byland, Pino Andreano, Prisca Huguenin-dit-Lenoir), ging Bühlmann auf die einzelnen Fälle kurz nüchtern erklärend ein und erklärte, dass er froh sei, dass Tim Bachmann nun zurück sei. Von einer Krise kann man aber keineswegs sprechen.

Neue Produkte zum Trendthema Nachhaltigkeit

Um dem klimabewussten Reisen gerechter zu werden, wurden verschiedene neue Produkte ins Portfolio von Hotelplan Suisse aufgenommen. So hat die Marke Hotelplan zum Beispiel den Katalog «Bahn frei für schöne Ferien» lanciert. Insgesamt werden im Katalog 80 Reisen ausschliesslich mit dem Zug angeboten. Weiter plant Hotelplan Suisse mit der Marke Travelhouse sogenannte «E-Mobility-Reisen» auf den Markt zu bringen – so zum Beispiel Reisen mit dem Elektroauto durch Italien oder auch solche in Südfrankreich oder nach Ungarn, zumeist in Kleingruppen, wo möglichst nachhaltig gereist wird. «Wir möchten unseren Kunden aufzeigen, dass man auch auf nachhaltige Art und Weise die Welt entdecken kann», erklärt Bühlmann die Stossrichtung.

Tim Bachmann stellt fest, dass die Endkunden anders als früher auf grosse globale Themen reagieren. Vor allem Nachhaltigkeitsthemen führen zu stärkeren Reaktionen - zum Beispiel, als es im Amazonas brannte und darüber berichtet wurde, sei die Südamerika-Nachfrage viel deutlicher eingebrochen, als später bei den Meldungen über diverse Krisen in Chile, Ecuador etc. Wichtig sei aber aus Reiseveranstaltersicht, unterschiedlichste Bedürfnisse abzudecken und vor allem auch Wissen zu vermitteln, welches allgemeine Falschannahmen korrigiert - da als Beispiel etwa, dass allgemein gilt, Kanada sei im Sommer knallvoll, jedoch die Travelhouse-Spezialisten durchaus wissen, wo man auch noch kurzfristig tolle Reiseerlebnisse in Kanada haben kann.

Im Sportbereich stehe nun eine «Stabilisierungsphase» an, führt Bachmann weiter aus. Das Angebot sei breit und auf Qualität getrimmt. Der Fokus liegt nun mehr in der Breite: Travelhouse werde noch vermehrt «ein Potpourri von Themenreisen» anbieten, also weniger Fokus auf die Destination und mehr auf den Reiseinhalt.

Zuversicht fürs Wintergeschäft

Für die Wintersaison ist der laut eigener Aussage grösste Schweizer Reiseveranstalter - Hotelplan Suisse besteht aus den Reisemarken Migros Ferien, Hotelplan, Tourisme Pour Tous, Travelhouse und Globus Reisen und zählt 98 Filialen sowie 875 Mitarbeitende - zuversichtlich. Besonders
beliebte Destinationen seien bislang Hurghada in Ägypten für die Sonnenhungrigen sowie Kittilä in Finnland für die Winterwunderland-Fans. Wer einen längeren Flug auf sich nimmt, reise im kommenden Winter auf die Malediven, auf Mauritius, nach Dubai, in den Oman, nach Cancun oder gar Australien. Courant normal, eigentlich. «Der Anfang war auch hier etwas harzig, in den letzten vier Wochen hat das Geschäft aber deutlich angezogen», so Bühlmann.

Im Bereich der Flüge sind neu Larnaka wieder ab Genf erreichbar sowie höhere Kapazitäten nach Antalya ab Zürich integriert.

Das sind die Trends für 2020

Natürlich ist auch schon das Sommergeschäft 2020 ein Thema; die ersten Buchungen dafür seien bereits eingegangen. «Wir stellen fest, dass nebst den herkömmlichen Badeferien auch Erlebnisreisen sehr gefragt sind», so Bühlmann, «unsere Kunden möchten während ihrer Ferien etwas erleben und suchen das gewisse Etwas.» Auf Destinationen heruntergebrochen zeigen sich folgende Trends: Wie bereits im Vorjahr werden voraussichtlich Zypern, die griechischen Inseln, Tunesien sowie Spanien zu den Top-Destinationen gehören. Im Individualreise-Bereich dürften Skandinavien sowie die USA und Kanada weiter zulegen. Pfammatter sieht ausserdem sehr starkes Nachfragewachstum für Dubai, dank attraktiven Preisen, wobei abzuwarten sei, wie sich der Start der Expo2020 auf diese Nachfrage auswirken werde.

Im Flugbereich setzt Hotelplan Suisse im Sommer 2020 ab Zürich voll auf Swissness, dabei primär auf Edelweiss und in geringerem Masse auch auf Chair sowie Swiss. Gerade auch die Partnerschaft mit Chair, nach einer problembehafteten Zeit mit deren Vorgängerin Germania Flug AG, ist bemerkenswert, hatte sich jedoch auch abgezeichnet. Mit Chair wird nach Hurghada, Marsa Alam, Sharm-el-Sheikh, Heraklion, Kos, Rhodos, Ibiza, Larnaka und Djerba geflogen. Ab Basel fusst das Flugangebot hauptsächlich auf Easyjet-Flügen, ebenso ab Genf - auf diesen hat es kein Risiko.

Etwas à part wurde auch das Projekt FlyBair touchiert. «Hotelplan ist interessiert an den Destinationen Kreta, Kos und Rhodos ab Bern, und wenn da was zusammenkommt, sind wir dabei», sagt Pfammatter - ein weitergehendes Commitment von Hotelplan Suisse gebe es allerdings nicht.

Und was ist mit dem neusten Unternehmenskind Vtours? «Diese sind technisch ähnlich wie wir aufgestellt, beim Content aber stärker im Drei- und Viersternbereich aufgestellt, während sie von unserem Vier-/Fünfsternportfolio profitieren können», sagt Pfammatter; sprich, Vtours wird beliefert von Hotelplan und liefert auch Content zurück. Bühlmann sieht hier auch vor allem Synergien und «Kostenlinderung», Bachmann sieht vor allem auch Know-how-Gewinn.

Betreffend weiteren Übernahmen spricht sich Bühlmann einmal mehr dafür aus, gut geführte Reisebüros gerne übernehmen zu wollen, also auch mancherorts die Nachfolgeproblematik zu lindern. Diesen Reisebüros werde man nicht den eigenen Brand überstülpen, sondern primär Support bieten, etwa im Bereich IT oder inneren Diensten, so dass diese sich auf Verkauf und Profitablilität konzentrieren können. Ansonsten sagt er beim «Blick in die Kristallkugel»: «Natürlich werden uns Nachhaltigkeitsthemen weiter beschäftigen, aber da haben wir die Weichen gestellt und sind bereit. Man muss etwas tun, doch man kann den Kunden nicht bevormunden, wie er zu reisen habe, dies entscheidet dieser selber.»

(JCR)